Es war vor 30 Jahren die Idee des damaligen Schönseer Stadtpfarrers Anton Witt und des Kirchenpflegers Hans Mutzbauer, eine Wallfahrt ins Westböhmische organisieren. Anstoß gab das St.-Anna-Fest in Schwarzach, bei dem der Heimatverein am letzten Sonntag im Juli an der Kapelle mit einem Festgottesdienst den Namenstag der Mutter Marias feiert. Zudem sollten frühere Wallfahrtstraditionen zwischen Bayern und Böhmen wieder neu belebt werden.
"Schier endloser Strom"
Viele Heimatvertriebene erinnerten sich dabei an frühere Zeiten, bei denen, so berichtet der Chronist, "in langen Prozessionen und stundenlangen Anmärschen" die Pilger betend und singend zur Kirche zogen. Vom frühen Morgen bis Mittag wurden dort Messen gelesen. "Nur ein Bruchteil der Menschen, von denen das weite Gelände ringsum wimmelte, fand jeweils Platz in oder vor der Kirche", heißt es weiter. In Erinnerung blieb vielen auch, dass sich "um die Mittagszeit ein schier endloser Strom von Wallfahrern und Festteilnehmern wieder der Stadt zu ergoss". Zum Festessen waren in fast jeder Familie Verwandte und Bekannte eingeladen, Spezialitäten aufgetischt und in Häusern oft 100 Schmierkuchen und mehr gebacken. In der Einladung zur ersten Wallfahrt nach der Grenzöffnung wird betont, dass es zu dieser "allerdings weniger festlich zugehen werde". Die Organisatoren stellten dabei deren Bedeutung damit heraus, "dass jeder seine großen und kleinen Anliegen mit Fürsprache der heiligen Mutter Anna zu unserem Herrgott bringen kann. Leute, die nur aus Neugierde die Tschechoslowakei besuchen und sich nicht beim Singen und Beten beteiligen wollen, sollten von dieser Wallfahrt fernbleiben". Und so waren es dann rund 180 Pilger, die sich am Donnerstag, 26. Juli 1990, auf den Weg nach Bischofteinitz machten. In den Anfangsjahren mussten das ein oder andere Mal die Pilgergottesdienste in der Stadtpfarrkirche oder in der Vorstadtkirche St. Apollinaris gefeiert werden. Die Zahl der im Sudetenland geborenen Teilnehmer, die zu Fuß mit unterwegs sind, wurde verständlicherweise die letzten Jahre immer weniger. Dennoch nutzen einige private Fahrmöglichkeiten, um bei "ihrem Annafest" dabei zu sein.
Rückfahrt mit dem Bus
Heuer machen sich die Wallfahrer unter den organisatorischen Leitung des OWV Stadlern und mit Pfarrer Wolfgang Dietz, der die Pilger seit 2007 begleitet, am Samstag, 27. Juli, wieder auf den Weg. Ab 4.30 Uhr treffen die Teilnehmer in Schwarzach bei der St.-Anna-Kapelle ein. Dort serviert der Heimatverein St.-Anna Waier-Schwarzach Kaffee und Kuchen, Abmarsch um 5 Uhr. In Rybnik (Waier) wird an der Kapelle ein Gebet gesprochen, weiter geht es dann über die Rindler Höhen und Pobežovice (Ronsperg) zum Ziel. Gegen 12.30 Uhr ist der Pilgergottesdienst, die Rückfahrt mit dem Bus erfolgt um 16 Uhr ab der Vorstadtkirche St. Apollinaris. Begleitet werden die Wallfahrer von Angehörigen der Rotkreuzgemeinschaft Schönsee.
St.-Anna-Kirche in Horšovský Týn
Der Legende nach fand ein "Teinitzer" Bürger eine hölzerne Statue der heiligen Mutter Anna auf seinem Feld und trug sie nach Hause. Von dort sei diese aber immer wieder auf den Acker zurückgekehrt.
Das wurde als Fingerzeig gedeutet, dass die Heilige an diesem Ort verehrt sein wolle. Zuerst erbauten einige Bürger eine hölzerne Kapelle. Archidiakon (Vorsteher eines Kirchensprengels) Nikolaus von Budweis (auch Tuchschmied genannt) aber ließ bereits 1507 eine steinerne Kirche in spätgotischem Stil errichten. Diese weihte am 5. April 1516 Peter Kraft, Suffraganbischof von Regensburg. Eine Gruft für Angehörige der fürstlichen Familie Trauttmansdorff wurde 1839 unter der Kirche errichtet.















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