29.06.2020 - 12:13 Uhr
Schwarzenbach bei BärnauOberpfalz

Heiß auf die süßen, roten Früchtchen

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Die Erdbeeren können gepflückt werden, und der Run ist größer als jemals zuvor. Das freut die Plantagenbesitzer in Schwarzenbach und Erbendorf, die sich aber nach der Pflanzung über 50 Prozent Ausfall wegen Frost ärgern mussten.

Dass die Erdbeeren heuer besonders groß sind, schreibt Schedl dem Frost zu. Weil nur die Hälfte an den Pflanzen hängt, seien sie dafür größer, meint er.
von Ulla Britta BaumerProfil

Samstagmorgen um 10 Uhr in Schwarzenbach: Beinahe könnte man von einem Autokonvoi sprechen, der sich in Richtung eines Feldes schlängelt. Männer, Frauen und Kinder steigen bestückt mit Körben, Schlüsseln oder Eimern bei einem Holzhäuschen aus. Einige werden ein wenig nervös. "Das ist ja wie am Volksfest", wundert sich eine Frau.

Mit soviel Andrang hat niemand gerechnet. Aber alles geht zügig, die ersten tragen ihre vollen Körbe bereits wieder zurück. Voll mit Erdbeeren, und was für welche. Groß und purpurrot sind die begehrten Früchtchen, zum Reinbeißen. "Das sind nicht die allergrößten", lacht Bernhard Schedl. Der Inhaber des landwirtschaftlichen Betriebs "Beerenobst Schedl" hat an diesem Samstag gut lachen. Die Kunden kommen in Scharen, aus dem gesamten Landkreis.

Bäckereien haben das Nachsehen

Die Freude über den Ansturm sei ihm vergönnt. Wenige Wochen vorher hatte der Beerenobstzüchter nichts zum Lachen. "Die Hälfte ist erfroren," bedauert er große Verluste in diesem Jahr. Nun könne er seine Stammbäckereien nicht beliefern. "Hoffentlich denken sie nicht, ich mag nicht mehr kommen." Für Privatkunden zum Selbstpflücken oder Abholen reicht's.

Bereits fertig mit Pflücken ist das Ehepaar Uwe und Kerstin Klöpfel aus Wendern, das sich jedes Jahr zweieinhalb Kilo holt. Beide haben gleich einen Tortenboden dazu gekauft, auch den gibt's vor Ort am Erdbeer-Kassenhäuschen. "Ich war am Donnerstag schon da. Da war geschlossen", erzählt eine junge Frau. Sie hat aber dafür Verständnis. Denn weil heuer weniger Erdbeeren da sind, müssen die Früchte manchmal nachreifen.

Abstandregeln kein Problem

Um die Abstandsregelung wegen Corona muss sich Schedl nicht sorgen. Die Pflücker gehen sich auf der großen Fläche von selbst aus dem Weg. "Die schönsten wachsen bei den Brennnesseln", ruft ein Bub. Klar, da brennt's. Keiner möchte reingreifen. Laura darf mit ihren Eltern Reinhard und Corinna Schraml aus Plößberg pflücken und ist selig. Die Schramls haben sich für Nachmittag pures Erdbeer-Feeling vorgenommen. "Erdbeeren im Thermomix pürieren, Vanilleeis, Milch und etwas Zucker dazu. Fertig ist der Milchshake. Dann gemütlich draußen im Garten genießen", hat Corinna Schraml ein Rezept parat fürs paradiesische Sommervergnügen daheim.

Auch Heimatpfleger Eberhard Polland und seine Frau Anni freuen sich schon drauf. "Die werden gleich vernichtet", sagt Anni Polland. 11, 15 und 18 Jahre alt sind Mark, Aljoscha und Artem Nagiba. Die drei Jungs mit ukrainischer Abstammung pflücken für ihre Mutter. "Wir haben nicht gewusst, dass es in Deutschland solche Erdbeerfelder gibt", schwärmen sie. Die Früchte sind zum Naschen und für Marmelade.

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Viele junge Kunden

Monika Zahn aus Mitterteich hat zwar selbst Erdbeeren im Garten. Aber weil ihre frisch gepflanzt sind, tragen sie in diesem Jahr nicht viel. Schokoladen-Erdbeerspieße gibt es bei Kaila (11) und Bastian (4) aus Beidl, die auch mit ihrer Mama eifrig bei der Arbeit sind. Zwei Männer holen sich 15 Kilo Erdbeeren. "Wir sind eine große Familie", sagen sie lachend auf die Frage, wie diese Menge noch verarbeitet werden kann. Bernhard Schedl und seiner Frau Jacqueline soll's recht sein.

Seit 27 Jahren bieten die Schedls Beerenobst an. Bernhard Schedl hat zwischenzeitlich ein Feld bei Marienbad und noch eines in Mitterteich. Was ihm auffällt: In diesem Jahr sind es besonders viele Kunden, und darunter viele junge Leute. "Vielleicht sind das auch Auswirkungen von Corona. Weil alle mehr Zeit haben, kommen sie pflücken", sinniert er über den Grund. Jetzt hofft Schedl nur noch, dass es "brav" höchstens alle drei Tage regnet. Dann könne bis gut Mitte Juli gepflückt werden. Vorausgesetzt, die Erdbeeren reichen bis dahin bei dem Boom.

Früchte müssen nachreifen

Genauso enttäuscht über den Frost ist Fabian Bösl von "Erdbeer Bösl" in Erbendorf. Auch in der Steinwaldstadt hat die Kälte auf den Feldern die Hälfte der ersten Pflanzungen zerstört. Das Steinwald-Unternehmen hat hauptsächlich Felder im fränkischen Raum, eines in Hirschau und vor Ort in Erbendorf.

Wie in Schwarzenbach werden die Plantagen der Familie Bösl teilweise zugesperrt und wieder geöffnet, wenn die Früchte nachgereift sind. "Sonst holen uns die Leute gleich die fast noch weißen Erdbeeren mit weg," erklärt Fabian Bösl diese Maßnahme, die sein muss. Bösl wie Schedl raten, anzurufen und nachzufragen, wann gepflückt werden kann.

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