24.05.2019 - 12:30 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Dorfladen Schwarzenbach: "Vorher war alles tot"

Als der Dorfladen in Schwarzenbach vor einem Jahr eröffnete, erfüllte sich der Wunsch vieler Bürger nach einer lokalen Einkaufsmöglichkeit. Die Bilanz zeigt: Der Laden ist ein Glücksgriff und verändert den Ort.

von Tobias GräfProfil

Immer mittwochnachmittags sind sie hier: In der Sitzecke haben sich vier Frauen zum Stricken getroffen. Vor ihnen stehen Leberkäs, Tee und Latte macchiato auf dem Tisch. Dann wird es laut. Am Nachbartisch lässt sich eine Gruppe Radfahrer nieder. Die sieben Herren kommen aus Irchenrieth und machen hier Brotzeit. Man kennt sich auf den ersten Blick, das Gelächter ist groß. Vom Trubel unberührt, mustert währenddessen ein kleines Mädchen im Hintergrund den Süßigkeiten-Schrank. Die Szene zeigt: Der neue Dorfladen ist ein Erfolg und hat sich knapp ein Jahr nach seiner Eröffnung zu einem Gewinn für alle entwickelt.

Dass dies nicht immer so war, weiß Walter Schäffler. Der 57-Jährige ist ehrenamtlicher Geschäftsführer des Dorfladens. "Seit Jahren gab es in Schwarzenbach kein Lebensmittelgeschäft mehr, 2015 schloss die letzte Bank. Der Ruf in der Bevölkerung, wieder vor Ort einkaufen zu können, wurde immer lauter", erzählt der Schwarzenbacher. Als eine Bürgerbefragung über 90 Prozent Zustimmung ergab, war der Weg klar. "Trotzdem haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, das war kein schnell-schnell." Vom Gemeinderatsbeschluss 2015 bis zur Eröffnung im Juni vergangenen Jahres vergingen drei Jahre, sagt der hauptberuflich als Polizeibeamter arbeitende Geschäftsführer.

"Von Bürgern für Bürger"

"Von Bürgern für Bürger" - die Devise gilt auch für Finanzierung und Betrieb. Eine eigene Unternehmens-Gesellschaft (UG) steuerte 35000 Euro bei. Über 100 Schwarzenbacher sind als stille Gesellschafter beteiligt und halfen somit, das alte Raiffeisenbank-Gebäude zu renovieren, um- und anzubauen. Gemeinde, Freistaat, Bund sowie die EU förderten das Projekt zusätzlich. Laut Schäffler läuft der Laden kostendeckend. "Unser Ziel ist eine schwarze Null, und das erreichen wir auch." Auch sei die "Zusammenarbeit zwischen UG und Gemeinde optimal, wir unterstützen uns gegenseitig, das könnte nicht besser sein". Schwarzenbach profitiert vom Dorfladen: "Vorher war hier alles tot, wenn nicht gerade die Kirche aus war. Jetzt tut sich wieder was", findet der Geschäftsführer.

Bei den Einwohnern beliebt ist der Laden vor allem wegen seines breiten Sortiments mit vielen regionalen Produkten. Von der Salatsoße aus Tröstau, dem Wald- und Blütenhonig vom Imker aus Schwarzenbach über Gewürze und Tee aus Oberfranken, frisches Obst und Gemüse bis hin zu Tiefkühlkost, Drogerie- und Schreibwaren für Schüler: "Man kriegt eigentlich alles für den Tagesbedarf", sagt Schäffler. Sogar eine Wurst- und Fleischtheke für die Grillparty am Wochenende gibt es. "Wir haben das Ohr ständig am Kunden und versuchen, Anregungen umzusetzen." Deshalb gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, Bargeld im Laden abzuheben, um die fehlende Bankfiliale zu ersetzen.

Dass den Bewohnern das neue Geschäft am Herzen liegt, zeigt das ehrenamtliche Engagement. Viele würden ohne Bezahlung beim Einräumen helfen, Lieferfahrten übernehmen oder Reparaturen erledigen. Geld bekommen nur die sieben Verkäuferinnen, die als Teilzeitkräfte angestellt sind und den Selbstbedienungsladen montags bis samstags am Laufen halten. Die Abläufe sind dabei laut Schäffler meist gleich: "Morgens geht es mit den Arbeitern und den Schulkindern los. Die holen sich ihre Brotzeit. Später kommen dann die Hausfrauen, und am Nachmittag ist vor allem unser Café stark frequentiert."

Wlan und E-Ladesäule

Der Laden ist inzwischen weit über seine ursprüngliche Bestimmung hinausgewachsen. Das Geschäft entwickelte sich schnell zum sozialen Treffpunkt. "Es ist eine sehr harmonische Atmosphäre mit familiärer Note", sagt Roswitha Landgraf. Die Schwarzenbacherin gehört zur Frauen-Strickgruppe, die sich hier wöchentlich trifft. "Wir wollten wieder einen zentralen Punkt schaffen, an dem man zusammenkommen kann. Viele Senioren sind nicht mehr mobil, da ist das sehr wertvoll." Möglichen Befürchtungen, im Dorfladen würden "nur Alte sitzen", entkräftet sie schnell: "Es ist generationenübergreifend, wir haben genauso kleine Kinder und Jugendliche hier."

Dass tatsächlich auch auf die Jugend geachtet wird, zeigen nicht nur die Schreibwarenecke für Schüler und der Süßigkeitenstand. Mit einem kostenlosen Wlan-Zugang gelangen Alt und Jung ins Internet. Weil der Dorfladen auch eine eigene Webseite hat, kann man sich dort gleich über die neuesten Angebote informieren. Neben Videoüberwachung und elektronisch öffnender Eingangstür gibt es hinter dem Haus sogar Strom-Ladesäulen für E-Biker und Elektroautos. Die zahlreichen Bio-Produkte können somit gleich emissionsfrei nach Hause transportiert werden.

Es ist eine sehr harmonische Atmosphäre mit familiärer Note.

Roswitha Landgraf

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