Schwarzenbach. (bjp) „Wer sein Ziel kennt, findet den Weg. Und wir haben den Weg gefunden und stehen heute am Ziel.“ Begeisterung und Erleichterung sprachen aus Bürgermeister Thorsten Hallmanns Worten bei der Eröffnung des Schwarzenbacher Dorfladens: Erleichterung über den Abschluss eines langen Wegs, der „manche schlaflose Nacht“ gekostet und die Beteiligten „manchmal bis an die Grenze der Belastbarkeit“ beansprucht habe – und Begeisterung über das solidarische Miteinander vieler Personen und Institutionen, das diesen Erfolg ermöglicht habe.
Eine schmerzlich empfundene Lücke sei geschlossen worden, freute sich Hallmann: „Es ist wieder Leben am Dorfplatz.“ 2010 habe das letzte Lebensmittelgeschäft, 2015 mit der Raiffeisenbankfiliale das letzte Geldinstitut geschlossen – und das in einer „Aufbruchphase der Gemeinde“, die sich damals angeschickt habe, den Ortskern aufzuwerten und Leerständen entgegenzuwirken: „Was nützt ein herausgeputzter Ortskern mit minimierten Leerständen, wenn kein Treffpunkt vorhanden ist, kein Handel mehr vor Ort stattfindet?“
Deshalb, so der Bürgermeister, habe der städtebauliche Arbeitskreis schon 2011 eine Dorfladengründung angeregt. Diese „Vision“ habe die Gemeinde vor Augen gehabt, als sie 2015 das Raiffeisenbankhaus erworben habe. Nach Besuchen bei anderen Dorfläden und einer erfolgreichen ersten Informationsversammlung mit 100 Besuchern habe sich im gleichen Jahr ein Arbeitskreis gebildet. Eine Fragebogenaktion habe belegt, wie groß das Interesse der Einwohner an einer „Verbesserung der Nahversorgung“ sei.
In der Folgezeit hätten 130 „stille Gesellschafter“ das finanzielle Fundament der Dorfladen-Betreibergesellschaft untermauert, die von der Gemeinde als Hauptgesellschafterin mitgetragen werde. Zudem sei das Projekt in die Städtebauförderung und das EU-Leader-Programm einbezogen worden. Dass Dorfladen und Dorftreff-Café schon an den beiden Tagen der „Schnuppershopping-Generalprobe“ vor der offiziellen Einweihung „sehr gut besucht“ gewesen seien, stimme ihn „zuversichtlich“, bekräftigte Thorsten Hallmann.
Sein Dank galt allen Bürgern und Gemeindeverantwortlichen, Planern und Handwerkern sowie Institutionen und Mandatsträgern, die daran mitgewirkt hätten, dass „heute unsere Vision wahr wird“. Viele unermüdliche „Ehrenamtliche“ hätten sich als „Vorbilder“ ausgezeichnet, „an denen sich einige Berufspessimisten und Egoisten ein Beispiel nehmen könnten“. Auch Dorfladen-Geschäftsführer Walter Schäffler äußerte sich zufrieden, dass man dank sorgfältiger Planung, vieler „bis in die Haarspitzen motivierter“ Mitstreiter und der „breiten Unterstützung der Bürger“ ein Projekt verwirklicht habe, das weder im Gemeinderat noch in der Bevölkerung je zum „Politikum“ geworden sei.
Seine etwa 1000 Artikel beziehe der Dorfladen von rund 20 fast durchweg regionalen Lieferanten: „Weil die Bürgerbefragung gezeigt hat, dass die Einwohner auf ein qualitätvolles Sortiment mit starkem regionalem Akzent Wert legen, leisten wir den damit verbundenen erhöhten Organisationsaufwand gern.“ Vor allem bei Fleisch- und Backwaren habe man auf „handwerklich geführte“ Zulieferer Wert gelegt: „Wir wollten keine Back- oder Wurstfabriken.“ Beim Preisniveau könne der Dorfladen „mit jedem normalen Supermarkt mithalten“, zudem sparten die Schwarzenbacher dank kurzer Wege Benzinkosten und Zeit.
Im Juli geht die Post ab
Im Dienst von „Tante Emma“: Fünf Teilzeitkräfte aus Schwarzenbach und Umgebung, darunter zwei Fleischwaren-Fachverkäuferinnen, „schmeißen den Laden“ – und zwar montags bis freitags von 6.30 bis 12.30 Uhr, an Montag-, Mittwoch- und Freitagnachmittagen zusätzlich von 14.30 bis 18 Uhr und samstags von sechs bis zwölf Uhr.
Weitere ehrenamtliche Mitarbeiter für „kleinere Dienste“ und nicht zuletzt für den geplanten Bestell- und Lieferservice sowie stille Gesellschafter, die sich mit einem oder mehreren 200-Euro-Geschäftsanteilen an der Dorfladengesellschaft beteiligen, sind willkommen. Ab Juli wird das Angebot um einen DHL-Shop für Postdienstleistungen und ab Herbst um eine „Stromzapfstelle“ für Elektro-Pkw ergänzt, eine Ladesäule für E-Bikes und ein WLAN-Sender sind schon in Betrieb. Auch können an der Kasse bei Einkäufen im Wert von mindestens zehn Euro bis zu 100 Euro mit der Bankkarte abgehoben werden.
![Zufrieden und erleichtert beschrieb Bürgermeister Thorsten Hallmann (links) den "langen Weg" zum Dorfladen. Von rechts: Pastor Dr. André Fischer, Pfarrer Edmund Prechtl, Dorfladen-Geschäftsführer Walter Schäffler. Bild: bjp Piegsa, Bernhard [BJP]](https://www.onetz.de/f/ic/Detailed/articlemedia/2018/06/13/c446210e-00ea-4903-9f33-a8ab4398d8ae.jpg)












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