20.04.2020 - 08:43 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Masken einmal zum Mitnehmen, bitte

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Fünf Tage lang rattert die Nähmaschine von Nina Bickel über verschiedene Stoffe. Mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe zum Detail näht die 39-jährige Schwarzenbacherin Mund-Nase-Masken für sich, ihre Familie – und Fremde.

Familie Bickel trägt stets ihre Mund-Nase-Masken, wenn sie vor die Tür geht.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Das Nähen ist für Nina Bickel wie ein Ventil. Damit kann sie ihren inneren Akku wieder aufladen, erzählt die 39-Jährige. Während der Coronakrise kommt ihre Leidenschaft, die sie sonst nur für sich auslebt, aber auch anderen Menschen zugute. Gut 200 Mund-Nase-Masken hat die Schwarzenbacherin innerhalb von fünf Tagen genäht. Die 15-jährigen Zwillinge Leonie und Lorena halfen ihrer Mutter beim Stoffschneiden und Bügeln. Der Mann in der Familie, Heiko – auch genannt "Bär" –, passte derweil auf die dreijährige Tochter Luisa auf und hielt den Damen so den Rücken frei. "Wir haben die Masken Facies getauft", erzählt Bickel stolz. Die gut 200 Masken hat die Schwarzenbacherin nicht nur an ihre Freunde verschickt, sondern auch Fremden zum Mitnehmen angeboten. An einer Leine vor ihrem Gartenzaun hängte Bickel die Stoffmasken auf – verstaut in einem Säckchen. Erst nur 50 Stück, doch die waren schnell weg.

Die weiteren Masken, die die Familie nähte, wurden ebenso gerne angenommen. "Jetzt habe ich keinen Stoff mehr", sagt Bickel, die sich riesig über die Wertschätzung der Schwarzenbacher gefreut hat. Bürgermeister Thorsten Hallmann habe ihr beispielsweise eine Karte und einen Schoko-Osterhasen hinterlassen, einige Bürger hätten sogar Geld gespendet. Von diesem wolle sich Bickel bald neuen Stoff kaufen. "Manche haben auch Karten in den Briefkasten geworfen, aber nie steht ein Name dabei. Ich kann mich leider bei niemandem bedanken." Sie sei aber schon gespannt, wann sie die ersten Dorfbewohner mit ihren Masken sehe. "Ich denke schon, dass ich sie erkennen würde. Der Stoff, den ich auf einer Messe gekauft habe, ist schon älter." Familie Bickel selbst setze ihre Masken stets beim Einkaufen auf. Auch die Teenager hätten keine Probleme damit. "Das gehört jetzt einfach dazu, und meine Mädels haben sich den Stoff selbst ausgesucht."

Auf die Idee, solche Masken zu nähen, kam Bickel ebenfalls beim Einkaufen. Dort sah sie eine ältere Frau, die sich aus Küchenpapier und Gummibändern, die sie rechts und links festgetackert hatte, eine Behelfsmaske gebastelt hatte. Bis die Frau bei der Kasse angelangt war, sei das Küchenpapier durchgeweicht gewesen. Bickels erster Gedanke bei diesem Anblick: "Man kann alte Menschen so nicht auf die Straße schicken." Ab da fing sie an zu nähen. Die 39-Jährige freut sich auch, dass es nun doch noch eine Masken-Pflicht in Bayern gibt: „Ich glaube, dass es für viele eine große Hürde ist, mit einer Maske aus dem Haus zu gehen. Wenn es Pflicht ist, dann schaut aber keiner den anderen mehr blöd an.“

Info:

Nähtipps für Mund-Nase-Masken

Für ihre Mund-Nase-Masken hat sich Nina Bickel eine Vorlage aus dem Internet ausgesucht. Wer keine Stoffbahnen zu Hause hat, dem rät die Hobbynäherin, einfach alte Bettwäsche in Form zu schneiden. Als Gummi-Ersatz zum Befestigen an den Ohren oder im Nacken würden sich auch Stoffstreifen, geschnitten aus einem alten T-Shirt, eignen. "Jedes T-Shirt besteht aus dehnbarem Jersey", weiß sie. (spi)

An einer langen Leine baumeln die Mund-Nase-Masken, die Familie Bickel für andere Schwarzenbacher genäht hat.
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