22.07.2021 - 16:08 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Nazi-Rock: Wenn Musik blanken Hass transportiert

Neonazi-Konzerte gab es auch schon in der Region. Und – frei nach Bertolt Brecht – dieser Schoß ist auch noch fruchtbar. Ein „Überraschungsgast“ bei einer Filmvorführung in Schwarzenbach führte dies vor Augen.

Peter Ohlendorf (links) zeigte in der Schwarzenbacher Sporthalle den Film „Blut muss fließen - Undercover unter Nazis". Begrüßt hatte ihn Rupert Seitz, der Vorsitzende des Kreisjugendrings Neustadt/WN.
von Redaktion ONETZProfil

„Sieg Heil“-Rufe, Adolf Hitler und Rudolf Heß verehrende Liedtexte, judenfeindliche Tiraden – es war ein übler Moloch, in dem sich der Journalist Thomas Kuban mit versteckter Kamera bei Neonazi-Konzerten aufhielt. Entstanden ist daraus der Dokumentarfilm „Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" des aus München stammenden Film- und Fernsehregisseurs Peter Ohlendorf. Dieser war mit dem Streifen auf Einladung des Kreisjugendrings Neustadt/WN und der Katholischen Landjugend Schwarzenbach im Rahmen des Projekts „Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Neustadt“ zu Gast in der Schwarzenbacher Sporthalle.

Angelockt davon wurden auch der Szene-bekannte Patrick Schröder und ein Gesinnungsgenosse, die Veranstalter Arno Speiser aufgrund der offensichtlich extremistischen Gesinnung und eines dubiosen „Presseausweises“ noch vor Beginn von der Veranstaltung ausschlossen. Das sei schon fast eine „Liveschaltung ins rechtsextreme Zentrum“, kommentierte Ohlendorf den Auftritt Schröders.

In dem Film, der bereits 2012 erschienen ist und bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat, wurde den Zuschauern demonstriert, wie Neonazis für ihre Musikkonzerte werben und sie tarnen, wie unterschiedlich Behörden in den einzelnen Bundesländern damit umgehen, beziehungsweise sie komplett ignorieren, welche Rolle die Polizei einnimmt und wie grenzüberschreitend die Neonazi-Musikszene in Europa organisiert ist.

Neben beängstigenden Liedtexten und mit aufgeheizten Stimmungsbildern wurde in den Aufnahmen Kubans dem aufmerksamen Betrachter freilich auch deutlich vor Augen geführt, wie weit die anwesenden Konzertbesucher selbst körperlich und mental von einer wie auch immer gearteten vermeintlichen „arischen Herrenrasse“ entfernt sind und sich damit selbst karikieren.

Die Diskussion nach dem Film fiel recht kurz aus und wurde aus Sicherheitsbedenken der Veranstalter beendet: Mittlerweile hatte nämlich der abgewiesene Patrick Schröder die Polizeiinspektion Eschenbach verständigt und beklagt, dass ihm als Pressevertreter der Zugang zu der Veranstaltung verwehrt wurde. Die Beamten seien dann auch angerückt, so stellvertretender PI-Leiter Thorsten Fiebiger auf Anfrage. Die Beamten hätten vermittelnd gewirkt.

In einem Gespräch betonte Ohlendorf, der schon unzählige Morddrohungen erhalten hatte, dass er sich in Anwesenheit von Rechtsextremen nicht wohl fühle. „Ich habe meine eigenen Mechanismen entwickelt, um mich zu schützen.“ Es sei ihm klar gewesen, dass die Neonazis nach der Corona-Pause auch wieder auftauchen würden. „Wir standen und stehen unter deren Beobachtung“, so der Regisseur.

Trotz der Erkenntnisse durch den Film und mancher Aktionen der Strafverfolgungsbehörden müsse man zur Kenntnis nehmen, dass die Neonazi-Konzertszene weiterlebe. „Diese Landschaft ist extrem schwer zu knacken“, sagte Ohlendorf. Dies hänge auch damit zusammen, dass immer mehr in private Immobilien ausgewichen werden könne, die Funktionären der Szene gehören.

Umso wichtiger sei es, aufzuklären und zu sensibilisieren, sich mit den Texten zu beschäftigen und genau hinzuhören. „Man muss mit den Kindern darüber sprechen, auch auf dem Schulhof“, forderte Ohlendorf. Dort werde solche Musik freilich auch gehört, oft erst einmal aus blanker Neugier. Die Musik als „Trägermedium“ von Hass, Rassismus und Aufrufen zur Gewalt – und zum Einstieg in die Neonazi-Szene – dürfe man allerdings nicht unterschätzen.

Bündnis gegen das Vergessen erinnert an Mord durch Neonazis

Amberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.