16.07.2020 - 15:43 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Schwarzenbacher Moossiedlung bekommt neue Kanäle

Welches Wasser soll in die Kläranlage fließen? Der Gemeinderat Schwarzenbach entscheidet sich für eine Trennung von Abwasser auf der einen und Drainagewasser auf der anderen Seite.

Doppelt hält besser: Ingenieur Günter Schwab empfahl, in der südlichen Moossiedlung nicht nur einen neuen Fremdwasserkanal zu bauen, sondern zugleich den Mischwasserkanal zu erneuern. Angesichts der überschaubaren Mehrkosten stimmte der Gemeinderat diesem Vorschlag zu.
von Bernhard PiegsaProfil

Bis Dezember dieses Jahres soll das Ausschreibungs- und Vergabeverfahren abgeschlossen sein. 2021 rücken die Baumaschinen an: Einstimmig gab der Gemeinderat grünes Licht für die Erneuerung der Kanalisation in der Moossiedlung. Rund 1,2 Millionen Euro werden in die beiden ersten Bauabschnitte investiert, die sich auf die Straßen der südlichen Moossiedlung erstrecken.

Notwendig wird diese Baumaßnahme aufgrund von Vorschriften, die verbieten, Drainagewasser in den Mischwasserkanal und damit in die Kläranlage einzuleiten. „An sich war das auch bisher nicht erlaubt, wurde aber noch hingenommen“, erläuterte Bürgermeister Thorsten Hallmann. Die Folge sei allerdings, dass das Fremdwasser derzeit 70 bis 80 Prozent der in die Kläranlage einströmenden Flüssigkeit ausmache. Das belaste die Anlage zu stark. Auch um die im kommenden Jahr fällige Erneuerung der Betriebserlaubnis für das Klärwerk zu erreichen, müssten nun getrennte Leitungen für Regen- und Drainage- sowie für Abwasser verlegt werden. Das Fremdwasser wird nicht mehr in die Kläranlage, sondern in den Schwarzenbach abgeleitet.

Zwei Alternativpläne stellte Ingenieur Günter Schwab vom Planungsbüro Zwick dem Gemeinderat vor. Bestandteile beider Varianten waren eine Erneuerung der Leitung sowie ein Pumpwerk, das unterhalb der Einmündung Moosweiher/Im Moos gebaut werden und das Drainagewasser zum Schwarzenbach hin pumpen soll. Dieses, so Schwab, koste etwa 150.000 Euro und sei so konzipiert, dass es auch für die langfristig denkbare Ausweitung der Fremdwasserkanalisation um einen dritten und vierten Bauabschnitt ausgerüstet werden könne. Mit Blick auf die Leitungsplanung stellte der Referent zur Wahl, entweder nur die Fremdwasserleitung neu zu verlegen oder auch den Mischwasserkanal vollständig zu erneuern.

Geringer Unterschied bei Kosten

Zur Überraschung der Ratsmitglieder fiel der Baukostenunterschied nur gering aus: Für Fremdwasserkanalneubau und Mischwasserkanalerneuerung würden 1,32 Millionen Euro fällig, für die einfachere Version immer noch 1,28 Millionen. Auch bei letzterer Variante würde man an mehreren Stellen nicht umhinkommen, die alten Rohre punktuell zu erneuern. Zudem müsste der neue Fremdwasserkanal streckenweise in kostspieligen „Flüssigboden“ eingebettet werden. Bei einem Neubau beider Leitungen könne dies entfallen, da man die Trassierungen aufeinander abstimmen könne.

Damit nicht genug: Der Mischwasserkanalneubau würde mit mindestens 50 Prozent der Baukosten bezuschusst, so dass sich die Mehrkosten für den „doppelten“ Neubau nach Abzug der möglichen Förderung letztlich auf etwa 40.000 Euro reduzieren: „Die Gemeinde müsste als Eigenanteil etwa 980.000 Euro tragen, bei der Beschränkung auf den Fremdwasserkanalneubau wären es fast 940.000 Euro.“ Die moderate Mehrausgabe berge auch den Vorteil, für voraussichtlich 80 Jahre vor einer Erneuerung des Mischwasser- wie des Fremdwasserkanals sicher zu sein. Nutzte man den vorhandenen Mischwasserkanal weiter, so wäre nur mehr mit einer Lebensdauer von 40 Jahren zu rechnen.

Diskussion um Zahl der Pumpen

Letztlich nicht zur Abstimmung gestellt wurde ein Vorschlag von Markus Thumfart (FWG), das Abpumpen des Drainagewassers auf mehrere Pumpen zu verteilen. Die sollten auf den einzelnen Grundstücken montiert werden. Dies bringe Erleichterungen für Planung und Bau der Kanalleitung mit sich. Ingenieur Günter Schwab gab jedoch zu bedenken, dass diese kleinen Pumpen wartungsanfälliger und kurzlebiger seien als die Großpumpen in einem zentralen Pumpwerk.

Auch einen Kostenvorteil sahen weder Schwab noch Bürgermeister Thorsten Hallmann. Zumal jedes der dezentralen Hebewerke mit 5.000 bis 10.000 Euro zu Buche schlagen würde. Vor allem aber wäre der Aufwand für den Unterhalt kaum zu bewältigen, schätzte Hallmann: „Entweder müssten wir die Verantwortung für die Pumpen den Grundstückseigentümern übertragen, woran wohl niemand interessiert sein wird, oder die Gemeinde müsste einen enormen personellen und technischen Aufwand für die Überwachung und Wartung auf sich nehmen.“

Schon in den beiden ersten Bauabschnitten müssten elf und nach einem etwaigen Ausbau um zwei weitere Bauabschnitte mehr als 30 Pumpen installiert und unterhalten werden. Angesichts dieser Argumente rückte Thumfart von seinem Vorschlag ab und votierte mit den übrigen Ratsmitgliedern für die Variante „Neuverlegung des Fremdwasser- und Mischwasserkanals“. Der für 2021 geplante erste Bauabschnitt soll die westliche „Moosweiher“-Straße und den Moosweg, der baldmöglich folgende zweite Abschnitt den „Moosweiher“ östlich des Mooswegs umfassen.

Die Schwarzenbacher Trinkwasserversorgung

Schwarzenbach bei Pressath

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