17.08.2021 - 17:38 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Mit dem 1. FC Schwarzenfeld als Vorstopper gegen Gerd Müller

Wovon Hunderttausende junge Kicker träumen, wurde für Hans-Ludwig Pflamminger 1970 Wirklichkeit: Ein Spiel gegen den FC Bayern. Der Gegenspieler des Schwarzenfelder Vorstoppers war der beste Stürmer der Welt.

Hans-Ludwig Pflamminger erinnert sich noch gut an das Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern am 2. August 1970. Sein Gegenspieler: Gerd Müller.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

50 Jahre 1. FC Schwarzenfeld: Das Jubiläum im Jahr 1970 wird groß gefeiert. Vorsitzendem Rudolf Bauer und Fußball-Abteilungsleiter Sepp Merdan gelingt ein Coup: Der FC Bayern München kommt am 2. August 1970 zu einem Freundschaftsspiel in die Oberpfalz. Mit allen Stars: Franz Beckenbauer, Sepp Maier, "Katsche" Schwarzenbeck. Und natürlich: Gerd Müller, "Bomber der Nation", der am vergangenen Sonntag im Alter von 75 Jahren verstorben ist. Vorstopper auf Seiten der Schwarzenfelder und Gegenspieler der Münchner Nummer 9: Hans-Ludwig Pflamminger.

"Wir haben auf das Spiel natürlich hin gefiebert", erinnert sich der heute 71-Jährige an das "größte Spiel" seiner langen Fußballkarriere. Der ehemalige Buchtal-Repräsentant blättert im Wintergarten seines Hauses am Badeanger sein Fotoalbum auf. Franz Beckenbauer führt die Bayern aufs Spielfeld, Franz Flor die Schwarzenfelder. "Es waren wohl so 7500 Zuschauer da", erinnert sich Pflamminger. Weit mehr, als Schwarzenfeld damals Einwohner hatte. Die Tribünen am ehemaligen Fußballplatz – heute ist hier das Flora-Baugebiet – sind natürlich voll. Auf der Bayern-Bank: Trainer-Legende Udo Lattek. Und Manager Robert Schwan.

"Unglaublich schnell"

"Die haben das nicht locker gesehen, sondern schon gezeigt, wer sie sind", erinnert sich Pflamminger. Die Überlegenheit der Stars, die gerade noch in Mexico WM-Dritter geworden waren, wird schnell deutlich. "Das Tempo, die Genauigkeit der Pässe", das ist dem ehemaligen Vorstopper noch heute präsent. "Der Beckenbauer hat genau gesehen und gewusst, wer wohin läuft." Pflammingers Aufgabe: Gerd Müller decken. Den damals besten Stürmer der Welt, frisch gekürter Torschützenkönig der WM 1970 mit zehn Treffern. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Hans-Ludwig und sein Bruder Werner Pflamminger Müller nicht aus den Augen lassen.

"Der Gerd Müller war unglaublich schnell und beweglich", erinnert sich der 71-Jährige. Dann zeigt er auf ein Bild. "Da ist das Tor." Pflamminger ist zu sehen, wie er dem Ball nachsieht. Müller dreht zum Jubel ab. "Ich hab auf den Kopfball gewartet. Da kam der plötzlich vor mir an den Ball, ist höher gesprungen als ich, obwohl er kleiner war." Für Pflamminger war die 0:9-Niederlage gegen die Bayern ein persönlicher Erfolg. "Er hat nur zwei Tore geschossen. Den Kopfball und einen Elfmeter", erzählt er. "Mehr habe ich nicht zugelassen," lacht der ehemalige Fußballer. Dass die Niederlage nicht zweistellig wurde, hatten die Schwarzenfelder Bezirksligisten ihrem Tormann zu verdanken: Hans Muckenschnabel. "Der war der beste Mann", lobt Pflamminger seinen Mannschaftskamerad.

Anruf beim "Kaiser"

Für den FC Schwarzenfeld war das Spiel gegen Bayern München natürlich ein absoluter Höhepunkt. Dabei wäre es beinahe noch abgesagt worden: Am Mittwoch nach dem geplanten Freundschafts-Kick war überraschend ein Pokalspiel angesetzt worden. Viertelfinale gegen den Club. Die Bayern wollten nicht so recht. Das Schwarzenfelder Vorstandsteam fuhr nach München, um das Spiel zu retten. Pflamminger wollte auch mithelfen: "Ich hab den Franz Beckenbauer angerufen". Die Nummer hatte er über die Mutter des "Kaisers" herausgefunden. Beckenbauer verwies zwar auf Manager Robert Schwan, versprach aber, ein gutes Wort einzulegen. "Wir haben uns ganz nett unterhalten", erinnert sich Pflamminger. Auch den Bayern-Manager rief er noch an. "Wir wollten sie überzeugen, dass das Spiel nicht so auf die Kondition gehen wird gegen uns." Das Spiel kam schließlich zustande. Allerdings, nicht wie geplant nachmittags, sondern bereits vormittags um 10.30 Uhr. Egal: Das Stadion platzte aus allen Nähten. Allerdings: Die Stars verschwanden nach dem Kick schnell wieder im Bus. "Ich weiß garnicht, ob die noch geduscht haben", lacht Pflamminger. Trikot-Tausch gab's leider damals nicht.

Die Fußballschuhe hat Pflamminger mit etwa 34 Jahren an den Nagel gehängt, wurde noch Jugendtrainer. Heute spielt er noch Tennis. Fußball-Fan ist er immer noch, und setzt zum Beleg eine FC-Bayern-Kappe auf. "Kann man ja herzeigen", sagt er. "Es war das größte Spiel meiner Karriere."

Die Schwarzenfelder haben die Münchner anscheinend doch etwas gefordert. Das folgende Viertelfinale im DFB-Pokal drei Tage später haben die Roten 1:2 verloren. Gegen den Club aus Nürnberg. "Wegen uns", lacht Hans-Ludwig Pflamminger.

Bundespräsident zeichnet 1 FC Schwarzenfeld aus

Schwarzenfeld
Hintergrund:

FC-Bayern-Kader 1970/71

  • Tor: Sepp Maier, Manfred Seifert
  • Abwehr: Franz Beckenbauer, Johnny Hansen, Herward Koppenhöfer, Peter Pumm, Georg Schwarzenbeck.
  • Mittelfeld: Paul Breitner, Jürgen Ey, Karl-Heinz Mrosko, Franz Roth, Rainer Zobel.
  • Sturm: Dieter Brenninger, Uli Hoeneß, Erich Maas, Gerd Müller, Edgar Schneider.
  • Trainer: Udo Lattek

"Gerd Müller hat zwei Tore geschossen. Mehr hab' ich nicht zugelassen."


Hans-Ludwig Pflamminger über sein Spiel als Vorstopper gegen den "Bomber der Nation"

 

 

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