19.11.2020 - 17:37 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Antwort der Molkerei für Milchbauern "nicht lustig"

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"Schluss mit lustig" hatte die Aktionsgemeinschaft einiger Bauernverbände am 11. November angekündigt. Eine Woche später nun die Antwort auf die Forderungen von der Privatmolkerei Bechtel: im verschlossenen Briefumschlag.

Bechtel-Bereichsleiter Georg Müller übergibt den Milchbauern seine Antwort auf die BDM-Forderungen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der Inhalt des Briefes, den Bechtel-Einkaufschef Georg Müller den Vertretern des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Donnerstag übergab, bleibt vorerst dessen Geheimnis. Was Müller in der Diskussion mit rund einem Dutzend Milchbauern durchblicken lässt, kann die Mienen der Landwirte nicht aufhellen.

"Gastronomie hat zu, Milch drückt rein"

"Wir haben uns bei der Antwort an Angebot und Nachfrage orientiert", beginnt der Unternehmenssprecher wenig verheißungsvoll. "Die Gastronomie hat zu, die Milch drückt rein", beschreibt er die Lage. Um die in der Krise übrig gebliebene Milch abzusetzen, würden sich Landwirte gegenseitig unterbieten.

Die Forderung des BDM nach einer Mengenbeschränkung lasse sich im bestehenden System nicht umsetzen. "Für uns ist der BDM kein Feind, wir versuchen mehr zu bezahlen als andere, auch wenn das durch mehr Aufwand für Tierwohl und Nachhaltigkeit verbunden ist."

Am 11,11, um 11 Uhr 11 wollten die Milchbauern ein Zeichen setzen.

Bayern

Für die Milchbauern ist das kein wirklicher Trost: "Wir fordern nicht mehr als einen kostendeckenden Preis", sagt BDM-Sprecher Hubert Meiler aus Störnstein. "Stattdessen schwemmt das Mercosur-Abkommen weitere Lebensmittel ins Land." Die kleinen Familienbetriebe würden sich in den nächsten zehn Jahren noch einmal halbieren, sagt Matthias Irlbacher aus Unteraich: "Wir brauchen den kostendeckenden Milchpreis, wenn wir wollen, dass die Jungen weitermachen."

"Großes Molkerei-Sterben"

Aber auch die Molkereien kämpfen ums Überleben, gibt Müller zu bedenken: "Wir werden noch ein großes Molkerei-Sterben erleben." Er appelliert an die Milchbauern: "Macht mit uns einen Vertrag, lasst uns im kleinen Kreis weiterreden."

BDM-Sprecher Johannes Hösl aus Oberviechtach geht so eine bilaterale Absprache nicht weit genug: "Wir sehen doch alle, wie weit wir mit diesem System gekommen sind, die Landwirtschaft dem freien Markt zu überlassen." Und Werner Reinl ergänzt: "Hoffen wir, dass in Ihrem Papier Lösungen stehen."

Die Auswertung der Antwort soll zentral im Laufe der kommenden Woche erfolgen.

Die Forderungen der Landwirte:

In allen landwirtschaftlichen Bereichen und insbesondere bei den Tierhaltern brennt derzeit die Hütte. Schlachtkapazitäten brechen weg, seit Monaten ruinöse Preise für Rinder und Schweine und Milchpreise, die gerade mal noch zwei Drittel der Kosten decken. Und mit weiteren Auflagen steigen die Kosten weiter, während die Erlösseite stagniert oder sich rückwärts entwickelt.

Die Ursachen dafür mögen von Sektor zu Sektor unterschiedlich sein – gemeinsamer Fakt ist: Das halten unsere Betriebe nicht länger aus! Wir brauchen zwingend deutlich höhere Markterlöse – für Milch, Rinder, Schweine und Geflügel! Um unsere Betriebe erhalten und wirtschaftlich nachhaltig weiterentwickeln zu können, brauchen wir jetzt von unseren Verarbeitern in einem ersten Schritt:

  • für den Liter Milch mindestens 15 Cent mehr
  • für das Kilo Rindfleisch mindestens 1 Euro mehr
  • für das Kilo Schweinefleisch mindestens 50 Cent mehr
  • für das Kilo Geflügel mindestens 20 Cent mehr.
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