Die Ladenzeile an der Neuen Amberger Straße hat vor etwas mehr als einem halben Jahr den Eigentümer gewechselt. Gekauft hat sie damals der Schwarzenfelder Unternehmer Wolfgang Meier. Nun nutzte Meier den zugehörigen Parkplatz, um dort zwei überdimensionale Transparente anzubringen, die von der Hauptverkehrsstraße aus zu lesen sind, und zwar aus beiden Richtungen. Ein weiteres dieser Transparente hängt ortsauswärts in Richtung Kögl, ein viertes an der Fassade des früheren Gasthofs Bauer – immer also an Immobilien oder auf Grundstücken, die Meier gehören.
Allerdings wird kaum ein Autofahrer den langen, etwas salopp formulierten Text im Vorbeifahren zur Gänze zur Kenntnis nehmen können, am ehesten noch die Überschrift „Liebe Schwarzenfelder“. Denn genau an die richtet sich Meiers Appell, der in der Coronakrise geboren wurde. Meier schreibt: „Wenn Ihr die kommenden Wochen viel zu Hause bleibt, kauft bitte nicht Online Eure Klamotten und andere Dinge. Wartet, bis unsere Einzelhändler, Handwerker und regionale Geschäfte wieder öffnen und helft ihnen danach, durch Eure Einkäufe diese Krise zu bewältigen! Wir halten zusammen!“
Der 38-jährige Unternehmer befürchtet, dass seine Mitbürger die Corona-Zwangspause nutzen könnten, um sich mit Kleidung, Schuhen und anderem von zu Hause aus am Computer einzudecken, während die Schwarzenfelder Mode- oder Schuhgeschäfte auf ihren Waren sitzen bleiben, weil „nach Corona“ keiner mehr Einkaufsbedarf hat.
Unterstützung findet Meier beim Gewerbeverband, für den Apotheker Thomas Wittleben ebenfalls auf Geschäfte im Ort aufmerksam macht, die ihre aktuellen Kollektionen zwar erwerben, aber nicht weiterverkaufen können – was wiederum dramatische finanzielle Verluste für die betroffenen Geschäftsleute darstellen würde.
Wittleben selbst, ein Apotheker, sieht sich derzeit noch vor ganz anderen Herausforderungen. Etwa der, dass die Menschen Desinfektionsmittel benötigen, die man auf dem freien Markt nicht mehr kaufen kann. So stellen Wittleben und seine Beschäftigten in Eigenregie und zeitaufwendig Desinfektionsmittel her. „Wir verbringen halbe Nächte damit“, sagt er. Nicht einmal Flaschen gebe es mehr, um die Flüssigkeiten abzufüllen. Auch hier sei Improvisationstalent gefordert gewesen.
Wittlebens Frau Gabi, eine bekannte Markträtin, springt ebenfalls für die Händler in die Bresche, „die verzweifelt sind“. Wolfgang Meier wiederum möchte die Handwerker nicht vergessen wissen, die er auf seinen Transparenten ebenfalls nennt – etwa Schwarzenfelder Autowerkstätten, denen derzeit Ersatzteile und Kunden abgehen.













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