23.08.2019 - 14:34 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Attentäter mit Schwarzenfelder Wurzeln

In München macht Martin Irl eine bemerkenswerte Entdeckung, sie führt ihn auf eine biografische Fährte. Am Ende stellt sich heraus: Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat direkte Vorfahren in Schwarzenfeld.

Martin Irl kam durch Recherchen dahinter, dass der berühmte Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg direkte Vorfahren in Schwarzenfeld hatte.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Seit 1985 ist Martin Irl für die Erhaltung und den Aufbau des Familienarchivs der Grafen von Holnstein aus Bayern verantwortlich. Der Schwarzenfelder Gräflich von Holnstein'sche Hausarchivar ist besonders stolz, dass sich seine Sammlung zu einem der besten Privatarchive Bayerns entwickelt hat, das auch immer wieder wissenschaftlich genutzt wird.

Dabei ist Irl auch an vielem interessiert, was mit der Historie Schwarzenfelds und nicht nur mit der Grafenfamilie zu tun hat. So ist er 75 Jahre nach dem Attentat auf Adolf Hitler, das in diesen Wochen in allen Medien noch einmal groß beleuchtet wurde, darauf gekommen, dass der Stammbaum von Claus Schenk Graf von Stauffenberg in der Marktgemeinde wurzelt.

In fünfter Generation

Die Spur aufgenommen hat Irl bei einer Bekannten in München, wo er ein kleines Porträt entdeckte, das eine Frau aus dem 19. Jahrhundert zeigt: Eleonore Schenk Freifrau von Stauffenberg, die von 1807 bis 1861 in Franken lebte. Sie war eine geborene Gräfin Butler, und bei dieser Information wurde Irl hellhörig. Denn es gibt in der alten Pfarrkirche einen Epitaph, also eine Gedenktafel mit Inschrift für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand, die sich auf einen Grafen Butler bezieht, der ungefähr zu jener Zeit verstarb, in dem Eleonore von Stauffenberg auf die Welt kam. Es handelt sich dabei um den "hochgeborenen Herrn Theobald Graf von But(t)ler (1746 bis 1809)", ein Kämmerer des damaligen bayerischen Königs. Dieser Theobald ist, wie Irl herausfand, der Großvater von Eleonore auf dem kleinen Porträt. Von Eleonore Schenk Freifrau von Stauffenberg zum Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg war es dann nur noch ein kurzer Weg - sie ist seine Ur-Großmutter. Folglich ist Theobald Graf von Butler, dem in Schwarzenfeld die Ehre einer beschrifteten Platte in der Kirche zuteil wurde, der direkte Vorfahr des berühmten Stauffenberg in fünfter Generation.

"Redlicher Bürger"

Der Ur-Ur-Ur-Opa wurde bei seinem Tod als "Menschenfreund und redlicher Bürger des Staates" tituliert, wie man auf dem Epitaph für den adeligen Kämmerer nachlesen kann, das Irl zwischenzeitlich in eine zeitgenössische deutsche Schrift übersetzt hat. Seinem militärischen Nachfahren - von Stauffenberg (1907 bis 1944) war am Ende seines kurzen Lebens Oberst der Wehrmacht - wurde lange so eine würdigende Beschreibung verwehrt, manchen galt er manchen gar als Verräter. In der Bundesrepublik setzte sich aber langsam eine andere Sicht durch, die die Ehre des Offiziers wieder herstellte. Die Deutsche Bundespost widmete bereits 1964 von Stauffenberg zum 20. Jahrestag des Attentats eine Briefmarke, im Jahr 2007 eine weitere.

Noch eine Schlussbemerkung, die dann doch den Bogen spannt zur Familie der Grafen von Holnstein, Irls Spezialgebiet: Fast auf den Tag genau vor 13 Jahren ist eine Bekannte von Martin Irl in betagtem Alter verstorben, Oculi Schenk Gräfin von Stauffenberg. Sie war eine Großcousine des Attentäters, und sie erinnerte sich im Gespräch mit Irl noch gut daran, wie die ganze Familie nach der Tat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg unter den Nazis zu leiden hatte.

Aber einen gab es, der den Bedauernswerten solidarisch zur Seite stand und sie in den letzten Kriegsmonaten unter anderem mit Lebensmitteln und Wild versorgte. Das war Ludwig Graf von Holnstein aus Bayern (1873-1950). Er hatte sich schon ein Vierteljahrhundert vor dem Attentat Stauffenbergs in die Geschichte eingeschrieben, da er nach dem Ersten Weltkrieg mit dafür gesorgt hat, dass die bayerische Herrscherfamilie im November 1918 wegen der Revolution München verlassen und nach Schloss Anif bei Salzburg flüchten konnte.

Portrait der Eleonore Schenk Freifrau von Stauffenberg, der Großmutter von Claus Schenk Graf von Stauffenberg (nach einer Aufnahme von Martin Irl).
Epitaph von Stauffenbergs Ur-Ahnen Theobald Graf von Butler in der alten Pfarrkirche in Schwarzenfeld (nach einer Aufnahme von Martin Irl).
Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) war ein deutscher Offizier der Wehrmacht. Er begrüßte zwar die Ernennung von Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler, wurde jedoch während des Zweiten Weltkriegs eine der bekanntesten Persönlichkeiten des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. Sein Stammbaum wurzelt in Schwarzenfeld.
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