20.08.2021 - 15:21 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Falschparker im Seenland bei Schwandorf im Visier

Der Fluch des guten Rufs: Der Murner und der Steinberger See werden bei schönem Wetter von Besuchern überlaufen. Manche stellen ihr Auto irgendwo ab, bei Notfällen kommen die Helfer dann nicht richtig durch. Das soll sich jetzt ändern.

Millimeterarbeit bedeutete es für die Schwarzenfelder Feuerwehr an dieser Stelle, als sie am letzten Sonntag zum Einsatz an den Murner See gerufen wurde. Die beiden Fahrzeuge mit Kennzeichen aus anderen Landkreisen gehörten Badegästen, die ihre Autos unsachgemäß abgestellt hatten.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Eine Großaktion der Rettungskräfte am Murner See bei Wackersdorf, als am vergangenen Sonntag nach einem verschwundenen jungen Mann gesucht werden musste, offenbarte das Manko: Fahrzeuge, die nicht auf den regulären Parkplätzen abgestellt waren, machten Feuerwehr und Wasserwacht an manchen Stellen das Durchkommen schwer.

Der Schwarzenfelder Feuerwehrkommandant Stefan Sattich fertigte eigens ein Foto an, das einen seiner Lkws unweit des Nordgrabens, einer kleinen Straße am Nordufer des Sees, in einer prekären Situation zeigt. Links und rechts an der Fahrbahn, die an dieser Stelle sogar einigermaßen breit ist, wurden Autos abgestellt. Für ein weiteres Auto wäre die Restbreite ausreichend zum zwischendurch Fahren gewesen - aber für das große Feuerwehrauto wurde es kritisch.

Viele zuständig am Murner See

Das Problem ist nicht neu und hat vor kurzem schon zu einem Krisengipfel geführt. Im Wackersdorfer Rathaus kamen dazu Vertreter der beiden Gemeinden Wackersdorf und Schwarzenfeld zusammen, flankiert von Repräsentanten der Polizei, Feuerwehr und anderer Einsatzorganisationen, aber auch vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz, dem die zwei Orte angehören. Er hat die hoheitliche Aufgabe, Falschparken zu ahnden.

Dass sowohl Wackersdorf wie auch Schwarzenfeld Interesse daran haben, das Problem am Murner See in den Griff zu bekommen, hat mit dem Kuriosum zu tun, dass die nördliche Hälfte des Gewässers auf Schwarzenfelder Gebiet liegt, die südliche auf Wackersdorfer. Auch die polizeiliche Zuständigkeit wechselt mitten im See: oben ist die Polizeiinspektion Nabburg zugange, unten die Schwandorfer PI. "Bei uns im Norden ist alles etwas enger und nicht so strukturiert wie im Süden," erklärt der Schwarzenfelder Bürgermeister Peter Neumeier, der ein massives Interesse an der Ordnung des häufigen Parkchaos hat.

"Es gibt genügend Stellplätze"

Mit dem Thema befasst ist auch Tobias Reitmeier, der sich im Schwarzenfelder Rathaus um Öffentlichkeitsarbeit und Tourismus kümmert. Er kann sich erinnern, wie sich am letzten Sonntag zwischen 13 und 14 Uhr die Lage am Murner See zugespitzt hat. "Die Wackersdorfer waren federführend und haben Abschleppdienste alarmiert, weil Feuerwehr und Wasserwacht schlecht durchkamen. Dann ging die Suchaktion los. Zeitweise mussten sogar die Abschlepper zurückgezogen werden, damit nicht sie ihrerseits die ankommenden Retter behindern", berichtete Reitmeier.

Michael Weiß, der Pressesprecher der VG Wackersdorf, betrachtet die Mentalität der Parkplatz Suchenden ganz pragmatisch. "Es gibt schon genügend Stellplätze", versichert er, "aber jeder will bis vor zum Strand fahren - das ist das Problem". Weiß glaubt, dass jeder, der in einer Zufahrtszone steht, dies ganz bewusst tut, weil ihm die 300 Meter zum Parkplatz zu weit sind.

Neue Schilder, teure Knöllchen

Bei der erwähnten Zusammenkunft im Wackersdorfer Rathaus ging es unter anderem um das elementare Thema der Kommunikation untereinander. "Bislang," so Weiß, "gab es verschiedene Kanäle, über die sich Polizei, Bauhof, Feuerwehr und andere mitgeteilt haben". Das führte dazu, dass nicht alle auf dem gleichen Stand waren, wenn es um die Lage am See ging. Das wurde geändert. Jetzt gibt es Handygruppen der Verantwortlichen auf der Plattform Signal. "Wir haben dadurch die Kommunikation erleichtert und jetzt wissen mit einer Info alle, was los ist vor Ort." Dazu komme ein umfangreiches Beschilderungskonzept, es wurden viele neue Halteverbotsschilder aufgestellt.

Dieter Jäger, bei der Polizeiinspektion Schwandorf zuständig für Verkehrssicherheitsfragen, weist darauf hin, wie teuer es werden kann, sich an den Seen verkehrswidrig zu verhalten. Er spricht von mindestens 200 Euro für das Abschleppen eines Autos, das Rettungswege versperrt, und von 55 Euro für einen Strafzettel, wenn man gesperrte Wege fährt, die es am Steinberger See gibt - die aber auch entsprechend ausgeschildert sind. Am Murner See gebe es viele kostenlose Parkplätze, etwa den Großparkplatz am letzten Kreisverkehr vor dem See. Am Steinberger See sei unweit des Movin' Ground in dieser Woche sogar ein weiterer Parkplatz aufgemacht worden.

Großaufgebot an Wasserwachtkräften und Feuerwehr

Wackersdorf
Dieter Jäger, bei der Polizei Schwandorf zuständig für Verkehrssicherheitsfragen, hat die Lage am Murner und am Steinberger See genau im Blick. Er weist auf Verkehrskontrollen und das Abschleppen von Falschparkern hin.
Hintergrund:

Parkplätze im Seenland

  • Murner See (Seite Wackersdorf): 900 Stellplätze, meist gratis
  • Uferparkplatz ca. 200 Stellplätze (privat)
  • Großparkplatz ca. 500 Stellplätze
  • Erlebnispark knapp 200 Stellplätze
  • Steinberger See: 1500 Stellplätze, meist kostenpflichtig
  • Bereich Erlebnisholzkugel ca. 400 Stellplätze
  • Bereich Wakeboard ca. 230 Stellplätze
  • Bereich Damm ca. 150 Stellplätze
  • Bereich Liegewiese, Pump Track ca. 500 Stellplätze
  • Bereich Südufer ca. 120 Stellplätze
  • Bereich Segelschule ca. 150 Stellplätze

 

 

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