12.03.2020 - 18:47 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Flitterwochen und Wiedersehen mit Mutter bedroht: US-Einreiseverbot ärgert Oberpfälzer

Die USA schotten sich wegen des Coronavirus gegen Teile Europas ab. Das 30-tägige Einreiseverbot hat auch Auswirkungen auf die Oberpfalz - große und kleine sowie für viele Oberpfälzer auch private Folgen.

Wegen des Coronavirus werden die Flughäfen immer leerer. Ab Freitag um Mitternacht gilt zudem das Einreiseverbot für die meisten Europäer in die USA.
von Julian Trager Kontakt Profil

Die Flitterwochen auf der Kippe, Reisebüros in finanziellen Nöten, mögliche massive Einschränkungen für Firmen: Der von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch angekündigte Einreisestopp - er gilt ab Freitag Mitternacht für 30 Tage - aus allen Ländern des Schengen-Raums in die USA hat auch Folgen für die Menschen und Firmen in der Oberpfalz. Ein Überblick.

Das Reisebüro

"Alle USA-Reisen bis 12. April - egal ob nur Flug oder Rundreise - werden automatisch storniert", erklärt Verena Schleicher vom Reisebüro Sunshine in Schwarzenfeld. "Gott sei dank, so ist die Rückmeldung von den meisten Reiseveranstaltern, kriegen die Kunden ihr Geld vollumfänglich rückerstattet." Für das Reisebüro geht es allerdings weniger gut aus. "Wir verdienen keinen Cent an Stornierungen." Die Lage für Reisebüros sei gerade "sehr ernst". Nicht nur USA-Reisen werden storniert, zudem gehen keine Buchungen mehr ein, so Schleicher.

Die Urlauber

Die Schwarzenfelderin Anne Mildner ist in Sorge. Die lange geplanten Flitterwochen mit ihren Mann und ihrem gemeinsamen Sohn stehen auf der Kippe. Die Reise nach Honolulu (Hawaii) würde zwar erst Ende Mai beginnen, aber trotzdem besteht bei der jungen Familie die Angst, den Urlaub streichen zu müssen. Das Einreiseverbot könnte ja auch verlängert werden.

"Wir hoffen sehr, dass es bis dahin wieder aufgehoben oder gelockert wird", sagt Mildner. "Ansonsten bleiben wir wahrscheinlich auf den Kosten sitzen, denn wir haben diesmal nicht über einen Reiseveranstalter, sondern alles selber übers Internet gebucht."

Für Anna Rustler aus Neustadt/WN hat der Einreisestopp bereits konkrete Auswirkungen. Die 22-Jährige, die in Regensburg studiert, sollte eigentlich Ende März nach Atlanta fliegen. Sie wollte dort drei Monate lang ihre Masterarbeit schreiben. Das ist jetzt erst mal hinfällig. Wie soll's weiter gehen? "Gerade weiß ich gar nichts, außer dass ich meinen Flug kostenlos umbuchen oder stornieren kann", sagt die Studentin. Wie es ihr geht? "Ich bin zu jung, um etwas Vergleichbares erlebt zu haben." Vor allem die nun getroffenen Maßnahmen verunsichern sie. "Die machen mir mehr Angst als das Virus selbst."

Bei Leola Bilge steht ein Wiedersehen mit der Mutter auf der Kippe. "Meine zwei Brüder und ich hatten geplant mit unseren Partnern nach langer Zeit unsere Mutter und unseren Stiefvater in Florida zu besuchen. Es ist bereits seit mehreren Monaten alles gebucht. Am 5. April würde der Flug gehen. Wir sind also sieben Betroffene. Wir hoffen alle, dass es doch noch klappt."

Die drei sind nicht die einzigen, denen Trump mit seiner Entscheidung einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Eine Familie aus Pressath wollte am Samstag nach Florida fliegen. "Jetzt bleiben wir im verregneten Pressath", schreibt die Familie. Jutta Schulte und ihr Sohn möchten Ende Mai nach Seattle reisen, dort eine langjährige Freundin besuchen. "Wir haben lange darauf gespart und uns riesig gefreut. Und nun das."

Die Unternehmen

"Die USA gehören zu den zehn wichtigsten Zielländern unserer Region", sagt Markus Huber, stellvertretender Abteilungsleiter International bei der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim. Knapp 350 Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Kreis Kelheim unterhielten Geschäftsbeziehungen mit den USA. Mehr als 50 Unternehmen haben dort eine Niederlassung.

"Für Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die USA bedeutet das Einreiseverbot natürlich massive Einschränkungen", sagt Huber. Aus Ostbayern in die USA gelieferte Anlagen könnten etwa von deutschen Servicetechnikern nicht in Betrieb genommen werden. Ein längerer Einreisestopp könne dazu führen, dass das "für viele unserer Mitgliedsunternehmen wichtige USA-Geschäft komplett wegbricht".

Für die Hamm AG aus Tirschenreuth ist "der US-Markt der größte Einzelmarkt überhaupt", sagt Marketing-Leiter Gottfried Beer. Trotzdem habe der US-Einreisestopp "keine konkreten Auswirkungen" auf den Walzenhersteller. "Wir haben in den USA eine eigene große Niederlassung, die selbstständig den amerikanischen Markt bearbeite." Hamm ist seit Dienstag auch auf der Conexpo in Las Vegas, der größten Bau-Messe der Welt, vertreten. Die US-Kollegen regelten den Stand. "Da ist keiner aus Tirschenreuth rüber geflogen", sagt Beer. Dienstreisen seien ohnehin bereits drastisch eingeschränkt worden.

Der Schwandorfer Landmaschinenhersteller Horsch teilt Ähnliches mit: Der Einreisestopp habe keine direkten Auswirkungen. Das Unternehmen besitzt eine Fabrik bei Fargo (North Dakota). "Dort wird konstruiert, gefertigt und auch eine eigene Sales- und Marketing-Mannschaft ist vor Ort", erklärt Marketing-Leiter Daniel Brandt. Dienstreisen in die USA seien deshalb nicht zwingend nötig.

Für den Maschinen- und Anlagenhersteller BHS Corrugated aus Weiherhammer ist der US-Markt ebenfalls sehr wichtig. "Wir generieren knapp ein Drittel unseres Umsatzes in den USA", teilt die Firma, die in Knoxville (Tennessee) einen Standort hat, mit. Konkrete Auswirkungen habe der Einreisestopp aber nicht. "Dienstreisen innerhalb der BHS-Gruppe, also zwischen unseren Niederlassungen und Standorten weltweit, haben wir bereits vorsorglich, vor dem heute festgelegten Einreisestopp der USA für Europäer, stark eingeschränkt, um eine schnelle Ausweitung des Coronavirus einzudämmen und die Gesundheit des Personals zu schützen." Zudem sei das Service- und Montagepersonal auch in vielen Standorten weltweit ansässig. "Die Projekte in den USA werden also – nun verstärkt - durch unser nordamerikanisches Personal durchgeführt. Durch diesen Mix ist es uns möglich, alle Kunden weiterhin bedienen zu können. Lediglich die Flexibilität für unsere interne Planung des Außendienstpersonals ist nun leider etwas eingeschränkt", teilt BHS mit.

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