15.04.2019 - 16:43 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Geldautomat gesprengt

Mit einem lauten Knall wird am frühen Morgen des Montag ein Geldausgabeautomat gesprengt. Die Täter können aber den Tresor im Gerät nicht knacken. Eine Zeugin beobachtet, dass drei Männer weglaufen und mit einem dunklen SUV flüchten.

Der Geldausgabeautomat im SB-Center der Commerzbank wurde bei der Sprengung zerstört.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Es ist 4.15 Uhr am Montag und noch dunkel, als die Beschäftigten einer Bäckerei an der Neue Amberger Straße durch einen lauten Knall alarmiert werden. Wie sich zeigt, stammt das ungewöhnliche Geräusch von der Straßenseite gegenüber. Dort ist ein SB-Center der Commerzbank, in dem sich ein Kontoauszugsdrucker und ein Geldautomat befinden. Auf diesen Geldautomaten haben es die vermutlich drei Täter abgesehen, die den Metallkasten sprengten und bei ihrer Flucht beobachtet wurden. Wie es aussieht, mussten sie ohne Beute abrücken, da der innen liegende Tresor nicht aufging. Kriminalpolizei Amberg und Beamte des Landeskriminalamts München nahmen die Ermittlungen auf.

Aufmerksam auf die Sprengung wurden nicht nur die Bäckerei-Beschäftigten und Anwohner, sondern auch der zuständige Wach- und Schließdienst, bei dem ebenfalls um 4.15 Uhr ein Alarm einging. Sensoren am Automaten hatten die Gewalteinwirkung automatisch weitergemeldet, so dass sich der zuständige Revierfahrer sofort auf den Weg nach Schwarzenfeld machte. Sein Kollege wies darauf hin, dass vermutlich nicht viel Geld im Tresor des Geräts liegt – denn es wurde Freitag letztmals gefüllt und hätte erst wieder am Montag mit Scheinen bestückt werden sollen. Da es ein reiner Ausgabeautomat ist, dürfte die Barsumme über das Wochenende abgeschmolzen sein.

Nicht nur der Zeitpunkt der Tat deutet auf dilettantische Verbrecher hin. Die Ausführung lässt ebenfalls Professionalität vermissen. Auch wenn das Landeskriminalamt bis dato nicht mitgeteilt hat, wie genau die Explosion ausgelöst wurde – wahrscheinlich mit Gas – so war das Ergebnis doch nicht zielführend: Der Automat ist zerstört, das SB-Center und seine Scheiben sind ebenfalls schwer in Mitleidenschaft gezogen, und selbst eine in diesem Gebäude angrenzende Anwaltskanzlei hat noch Schäden zu verzeichnen; aber die Beute dürfte vermutlich gegen null gehen.

Bastian Wild und Roland Hintermeier von der Commerzbank Zentrale in Schwandorf, von wo aus das SB-Center betreut wird, waren am Morgen vor Ort, durften aber den Tatort nicht betreten. Wie Wild berichtete, sei das SB-Center Tag und Nacht zu betreten, die Tür zu dem Raum mit den Automaten werde nicht verschlossen.

Die Ermittlungen wurden zuerst von der lokalen Polizei, dann von der Kriminalpolizei Amberg und ihrer Spurensicherung und schließlich von Leuten des Landeskriminalamts in München übernommen, die gegen 9.30 Uhr in Schwarzenfeld eintrafen. Die Experten des Waffen- und Sprengstoffsachgebiets des Bayerischen Landeskriminalamts gehen davon aus, dass ein explosionsgefährlicher Stoff zur Sprengung verwendet wurde. Untersuchungen dazu finden in den kommenden Tagen im Kriminaltechnischen Institut des LKA in München statt.

Laut einem Amberger Kripomann sind solche Vorfälle in der Mittleren Oberpfalz nicht an der Tagesordnung. Er konnte sich lediglich an einen ähnlichen Raubversuch im vergangenen Jahr in Gebenbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) erinnern. Dabei wurde sogar ein Brand ausgelöst.

Wie Commerzbanker Wild erläuterte, sei so ein Vorfall noch nicht vorgekommen, seit sein Unternehmen 2002 die damalige Schmidt-Bank in Schwarzenfeld übernommen und in ein SB-Center mit Auszugsdrucker und Geldautomat umgewandelt hat. Da das SB-Center nur einen Teil der früheren Bank benötigt, hat den Rest eine Anwaltskanzlei übernommen. Sie grenzt also direkt an das SB-Center an, eine der Trennwände ist eine abgedunkelte Panzerglasscheibe. Sie hat dem Explosionsdruck standgehalten, ihn aber nicht komplett absorbiert. So gibt es in den Büroräumen Schäden zu verzeichnen, wenn auch keine gravierenden.

Commerzbank-Filialleiter Bastian Wild besieht sich von der Polizeiabsperrung aus den Schaden an dem SB-Center in Schwarzenfeld, den die Sprengung des Geldautomaten im Innern des Gebäudes angerichtet hat.
Zeugenaufruf:

Das Bayerische Landeskriminalamt bittet die Bevölkerung um Mithilfe und stellt folgende Fragen: Wem sind in den frühen Morgenstunden im Bereich der Neuen Amberger Straße in Schwarzenfeld verdächtige Personen aufgefallen? Wer hat im Vorfeld in der näheren Umgebung verdächtige Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit der Sprengung des Geldautomaten stehen könnten? Wer kann sonst sachdienliche Hinweise zur Tat oder den Tätern geben? Hinweise nimmt das Bayerische Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 089/12120 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Das blaue Gebäude in der Mitte des Bildes beherbergt im Erdgeschoss das SB-Center der Commerzbank mit dem gesprengten Geldautomaten. Eine Absperrung der Polizei sollte Neugierige fernhalten, solange die Kriminalpolizei Amberg und das Landeskriminalamt München die Spuren sicherten.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.