Schwarzenfeld
25.07.2019 - 15:44 Uhr

Größere Einkaufsflächen

Rewe, Norma, Edeka und Netto: Die vier großen Märkte in Schwarzenfeld wollen ihre Flächen erweitern. Experte Robert Leiner empfiehlt dem Marktrat, das zu genehmigen – und den Prozess zu moderieren.

Rewe und Norma (Bild) bilden ein Einkaufszentrum, das nahe des Ortskerns liegt. Edeka und Netto bilden das zweite Einkaufszentrum Scharzenfelds. Die beiden Areale kommen sich nicht in die Quere. Bild: Thomas Dobler
Rewe und Norma (Bild) bilden ein Einkaufszentrum, das nahe des Ortskerns liegt. Edeka und Netto bilden das zweite Einkaufszentrum Scharzenfelds. Die beiden Areale kommen sich nicht in die Quere.

Es ist das Dilemma vieler Orte, aber ganz speziell das von Schwarzenfeld: Wie groß sollen und dürfen die Supermärkte und die Discounter sein, dass sie zwar gute Geschäfte machen, aber dem Einzelhandel im Ortskern nicht die Luft abwürgen? "Sie müssen alle Informationen haben, was die Märkte im Ort planen, die Optionen der Eigentümer kennen und die Entwicklung moderieren", schrieb Robert Leiner in einem langen Vortrag den Räten und dem Rathaus ins Stammbuch. Denn die Entwicklung in Schwarzenfeld müsse ausbalanciert fortschreiten.

Der Experte des Unternehmens iq-Projektgesellschaft aus München hielt dem Marktratsplenum ausführlich vor Augen, wo die Stärken und Schwächen des Ortes beim Thema Einzelhandel liegen. Grundlage ist der Erweiterungswunsch der vier großen Einkaufsmöglichkeiten, die sich auf zwei Arealen konzentrieren: Rewe (950 Quadratmeter Verkaufsfläche plus 350 Quadratmeter Fläche für den angeschlossenen Getränkemarkt) und Norma (650 Quadratmeter) finden sich ortskernnah auf dem sogenannten alten AC-Gelände an der Morgenlandstraße, Edeka (1500 Quadratmeter) und Netto (750 Quadratmeter) am westlichen Stadtrand auf dem alten Tyczka-Gelände "Am Gleis". Wollen sie erweitern, gilt für alle vier Märkte das gleiche: die Bebauungspläne für die zwei Grundstücke, auf denen sie stehen, müssen geändert werden, was einer förmlichen Zustimmung des Marktrates bedarf. "Ein Supermarkt braucht heute die doppelte Fläche als früher", versicherte Leiner.

Der promovierte Wirtschaftsgeograf bettete seine Untersuchungen in zwei aktuelle Entwicklungen ein, die beide das Areal "Am Gleis" betreffen. Da ist zum einen die Diskussion in Nabburg, wo ein neues Einkaufszentrum in der Nähe des früheren Krankenhauses entstehen soll; und in Schmidgaden hat sich vor einiger Zeit ein Penny-Markt angesiedelt. "Auf beides müssen Edeka und Netto reagieren, wenn sie nicht an Bedeutung für die Kunden aus dem Umland einbüßen wollen", wusste Leiner. Gleichzeitig müssen aber auch Rewe und Norma an der Morgenlandstraße reagieren, wenn sie nicht an Bedeutung gegenüber der Konkurrenz im Westen Schwarzenfelds verlieren wollen. "Gerade das alte AC-Gelände darf aber wegen seiner Nähe zur Ortsmitte nicht geschwächt werden", urteilte Leiner.

"Erlauben Sie die Erweiterungen, aber sonst nichts", empfahl der Experte. Also kein Ärztezentrum, keine Apotheke oder kein Kleidungsgeschäft zusätzlich auf den beiden Flächen. "Auch wenn sich das die Kunden manchmal wünschen, dass so ein großes Grundversorgungszentrum entsteht." Aber die gleichen Kunden würden auch über Leerstände im Ortskern klagen. "Und deshalb gehören genau dort die Praxen, Apotheken, Metzger und Boutiquen hin."

Der Marktrat machte schließlich den Weg frei für eine Änderung der alten Bebauungspläne. An der Morgenlandstraße dürfen die Märkte statt bisher 1950 Quadratmeter gemeinsamer Verkaufsfläche künftig 3300 Quadratmeter belegen, wobei vier Märkte möglich sein sollen. Für die Fläche "Am Gleis" sieht es so aus: bisher 2250 Quadratmeter, künftig 3100 erlaubt.

Eine Anmerkung hatte Leiner noch für die Räte: Er würde es begrüßen, wenn die Norma umziehe, und zwar in das leerstehende Ladenzentrum - dort hinein, wo früher der Edeka-Markt war. "Sprechen Sie mit den Besitzern", forderte er.

Edeka und Netto müssen reagieren, wenn sie nicht an Bedeutung für die Kunden aus dem Umland einbüßen wollen.

Robert Leiner

Robert Leiner

Supermärkte und Discounter:

Als Supermarktwerden Lebensmitteleinzelhandels-Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von 400 und bis 1500 Quadratmeter bezeichnet, die Lebensmittel einschließlich Frischwaren in Selbstbedienung führen und in denen der Anteil der Verkaufsfläche für Erzeugnisse, die nicht für den Verzehr gedacht sind, nicht über 25 Prozent liegt. Beispiel: Edeka, Rewe. Als Discounter bezeichnet man Unternehmen des Einzelhandels, die sich durch ein relativ schmales und flaches Warensortiment, einfache Warenpräsentation, oft relativ kleine, aber intensiv genutzte Verkaufsflächen und durch geringere Verkaufspreise auszeichnen. Beispiel: Norma, Netto, Penny. (td)

 
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