23.10.2018 - 18:51 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Landräte: Mit nur einem Ticket durch die Oberpfalz

Es gibt Waben und Zonen, manche Gemeinden oder Kreise sind Mitglied in einem oder zwei großen Verkehrsverbünden. In der Oberpfalz ist der öffentliche Nahverkehr ein Flickenteppich. Das soll sich ändern.

Künftig soll es einen gemeinsamen Nahverkehrsverbund in der Oberpfalz gebeben, wünschen sich die Oberpfälzer Landräte.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Oberpfälzer Landräte haben bei ihrem Treffen eine Herkulesaufgabe ins Visier genommen. Sie wollen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der Region stärken und zusammenführen. Das Ziel: Mit einem Ticket quer durch die Oberpfalz reisen. Also mit einem Fahrschein von Waldsassen (Kreis Tirschenreuth) nach Teunz (Kreis Schwandorf) fahren?

"Eine weite Reise", antwortet Landrat Richard Reisinger (Kreis Amberg-Sulzbach) am Montagabend bei der Pressekonferenz in Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf). Dabei meint der Sprecher der Oberpfälzer Landräte nicht die Fahrt quer durch die halbe Oberpfalz, sondern den langen Weg bis zur Vereinheitlichung, den Landkreise und kreisfreie Städte noch hinter sich bringen müssen. Zur Erläuterung verweist Reisinger auf seinen eigenen Landkreis, der sowohl im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) als auch im Regensburger Verkehrsverbund (RVV) ist.

In der Oberpfalz gebe es je nach Art des Tarifsystems Waben oder Zonen. Vor allem aber, so macht Reisinger deutlich, werde von den Verbünden mit spitzer Feder gerechnet. Sie wollten etwaige Tarifverluste ausgeglichen haben. Das bedeutet, am Ende müssen die Kreistage bereit sein, mögliche Kosten zu übernehmen. Über einen Zuschuss vom Freistaat wären die Landräte deshalb nicht unglücklich, zumal von diesem auch der Anstoß zur Vereinheitlichung kam. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) brachte vor einigen Wochen ein bayernweites ÖPNV-Ticket ins Spiel. Das solle bis zum Jahr 2030 umgesetzt sein.

Die Oberpfälzer Landräte wollen noch kein Datum für die Umsetzung in ihrem Bereich nennen, da sie bei der Tagung am Montag das Thema erst in Angriff genommen haben. Aber sie übernehmen funktionierende Modelle von einander, um den ÖPNV auszubauen. Im Landkreis Schwandorf gibt es künftig auch ein Rufbussystem. Es soll wie in Tirschenreuth Baxi heißen, sagt Thomas Ebeling, Schwandorfer Landrat und Gastgeber der Landrätetagung.

Nicht nur beim ÖPNV haben die Landräte Wünsche an die bayerische Staatsregierung, sondern auch bei der Kostenerstattung für die staatlichen Verwaltungsaufgaben, die die Landratsämter für den Freistaat übernehmen. Auf 144 Millionen Euro beziffert der Landkreistag die Kosten bayernweit. Im Kreis Schwandorf sind es zwei Millionen Euro, sagt Landrat Ebeling. Bei den anstehenden Verhandlungen über den kommunalen Finanzausgleich 2019 werden die Kreise dem Freistaat diese Rechnung auf den Tisch legen.

Bei ihrer Besuch in Berlin haben die bayerischen Landräte bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und beim Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel, auf die besonderen Probleme des ländlichen Raums bei der medizinischen Versorgung aufmerksam gemacht. In Nordrhein-Westfalen gebe es im Umkreis von 20 Kilometern drei oder vier Krankenhäuser, meist in privater oder kirchlicher Trägerschaft. Politiker von dort hätten einen ganz anderen Blick auf das Gesundheitssytem, sagt Johann Keller, geschäftsführendes Präsidialmitglied des bayerischen Landkreistages. Dagegen sind im Flächenland Bayern die Krankenhäuser meist im kommunalen Besitz. "Daher ist es ganz wichtig, dass wir unserer Themen anbringen", sagt Keller. Dazu gehörte auch ein eineinhalbstündiges Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Von den 71 bayerischen Landräten waren in der Woche vor der Landtagswahl knapp 60 in Berlin.

Die Oberpfälzer Landräte wollen das Oberpfalz-Marketing weiter stärken, um nach außen für den Standort und die Dachmarke Oberpfalz zu werben. Dazu gehört für Reisinger auch, das gewandelte Selbstbewusstsein der Oberpfälzer widerzuspiegeln: Die Oberpfalz sei inzwischen nicht mehr nur die heimliche, sondern die unheimliche Boomregion.

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