23.02.2021 - 16:19 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Neue Teststrecke für Lebensretter

Die Feuerwehren im Landkreis bekommen eine neue Atemschutz-Übungsstrecke. Der Marktrat Schwarzenfeld hat die Entwurfsplanung gebilligt. Die Kosten sind erheblich.

Atemschutz gehört zur essenziellen Ausstattung der Feuerwehren, wie hier bei einem Einsatz bei einem Kellerbrand. In Schwarzenfeld entsteht eine neue Werkstätte für die Geräte sowie eine neue Übungsstrecke.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Kaum ein Einsatz, bei dem Feuerwehrleute nicht unter Atemschutz vorgehen müssen. Die lebenswichtigen Geräte müssen gewartet, desinfiziert, die Druckluftflaschen wieder befüllt, getestet werden. Außerdem müssen die Aktiven den Einsatz mit den Geräten regelmäßig üben und auf einer entsprechenden Strecke ihre Fitness beweisen. Bislang übernimmt diese Aufgabe die Atemschutzwerkstatt in Schwarzenfeld an der Naabstraße. Sie entspricht aber nicht mehr den Vorgaben. Ein Umbau wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten, sagte Bürgermeister Peter Neumeier am Montag in der Marktratssitzung. Dass ein Neubau an der Hertzstraße im Gewerbegebiet West kommen soll, ist lange beschlossene Sache. Nun hat der Rat auch die Entwurfsplanung gebilligt.

Architekt Hermann Hösl und die Fachplaner Christian Müller (Heizung, Lüftung, Sanitär) und Christoph Spörl (Elektro und Telekommunikation) legten ihre Ergebnisse vor. Das rund 16 mal 23 Meter große Gebäude wird zwei Geschosse haben, die Nettonutzfläche liegt bei gut 620 Quadratmetern. Das Erdgeschoss in Massivbauweise wird im Wesentlichen die Werkstatt für die Atemschutzgeräte aufnehmen. Das Team der Werkstatt übernimmt auch die notwendigen Prüfungen, dazu dient ein aufwendiges, computergestütztes System. Allein die Einrichtung der Werkstatt wird laut einem Angebot der Firma "Dräger" knapp 285000 Euro kosten.

Überdachter Anbau

Büro, Personal- und Technik- und Lagerräume finden ebenfalls Platz, natürlich auch sanitäre Einrichtungen. Die Anlieferung und Abholung des Materials erfolgt in einem überdachten Anbau, kommen in einen Raum zur Grobreinigung, dann weiter zu Wartung und Pflege. Ein Lastenaufzug ermöglicht den Transport schweren Geräts ins Obergeschoss. "Ohne den geht's nicht", sagte der Architekt, angesichts von Kosten von etwa 40000 Euro. Den Aufzug schreibe der Arbeitsschutz vor.

Das Obergeschoss wird laut Hösl in Holzständerbauweise ausgeführt. "Das ermöglicht größere Deckenspannweiten", erläuterte der Architekt. Im Obergeschoss findet in erster Linie das Herzstück der Anlage Platz: die Übungsstrecke. Dazu sind die notwendigen Umkleiden samt Duschen und Toiletten für die Feuerwehrleute untergeebracht, außerdem ein Erste-Hilfe-Zimmer. In einem ersten Raum können sich die Aktiven vorbereiten, werden auf Belastung getestet. Über eine Schleuse geht es in die eigentliche Übungsstrecke, eine zweite Schleuse führt nach Ende der Übung wieder in den Vorbereitungsraum. Neben der Strecke ist der Leitstand eingerichtet. Über ihm ist eine Zwischendecke eingezogen, auf der die Abluftanlage für die Übungsstrecke Platz findet. Während der Übungen wird die Strecke künstliche verraucht, um möglichst realistische Bedingungen zu schaffen. Allein die Technik der Übungsstrecke kostet etwa 200000 Euro. Ein Schulungsraum wird ebenfalls untergebracht. Zwei Treppen erschließen das Obergeschoss, eine als Fluchtweg.

Photovoltaik auf Pultdächern

Das Gebäude wird ein versetztes Thermo-Pultdach erhalten, darauf wird eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von knapp 53 Kilowatt untergebracht. Sie sorgt für die Energie für die Fußbodenheizung des Gebäudes, die über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe versorgt wird. "Warmwasser erzeugen wir mit elektrischen Durchlauferhitzern", erläuterte Christian Müller. Das Gebäude wird Kamera-überwacht, außerdem mit moderner Netzwerk-Technik und einem elektronischen Zugangssystem ausgestattet. Die Photovoltaikanlage werde sich in etwa zwölf Jahren amortisieren. Speichermöglichkeiten sind nicht vorgesehen. Sonnenstrom, der in der Anlage nicht gebraucht wird, soll ins Netz eingespeist werden.

Bernd Stangl (ÜPW) äußerte Bedenken wegen der Dachrichtung, die für die Photovoltaik nicht optimal sei, ebenso wenig der Standort des Aufzugs. "Ich bin nicht hundertprozentig glücklich", sagte er, kündigte aber Zustimmung an. Bürgermeister Peter Neumeier entgegnete, dass der Ablauf in der Werkstatt, der Prüfstelle und der Übungsstrecke durchgespielt worden sei. Die Planung sei mit den Mitarbeitern der der Atemschutzwerkstätte, der Feuerwehrführung des Landkreises und den Fachausrüstern abgestimmt.

Zentraler Anlaufpunkt

Die Gesamtkosten schätzte Architekt Hösl auf rund 2,347 Millionen Euro, absehbare Steigerungen für Materialpreise seien mit einkalkuliert. Die Marktgemeinde erwartet zwar einige Zuschüsse (siehe Kasten), sagte der Bürgermeister, auch die Mieteinnahmen vom Landkreis und die Gebühreneinnahmen für die Wartung der Geräte seien zu kalkulieren. "Ein Geschäft wird das aber nie werden", sagte Neumeier. Aber Schwarzenfeld bleibe so, auch aufgrund seiner Lage im Landkreis, der zentrale Anlaufpunkt für die Feuerwehren.

Der Marktrat stimmte der Entwurfsplanung schließlich einhellig zu, auch die nötige Befreiung von den Vorgaben des Bebauungsplans wurde erteilt. Architekt Hösl und die Planungsbüros wurden beauftragt, die weiteren Planungsschritte vorzunehmen und die Ausschreibung vorzubereiten. Haushaltsmittel plant der Markt für das Jahr 2022 ein.

Hintergrund:

Die Finanzierung

Rund 2,347 Millionen Euro wird die neue Atemschutzwerkstatt und Feuerwehr-Übungsstrecke kosten.

  • Zu den Baukosten wird der Freistaat einen Zuschuss von rund 31500 Euro leisten.
  • Für die Ausstattung erwartet der Markt vom Freistaat einen Zuschuss von gut 32700 Euro.
  • Die Atemschutzübungsanlage wird vom Freistaat mit etwa 63000 Euro gefördert.
  • Für die Ausstattung der Übungsstrecke erwartet der Markt vom Landkreis Schwandorf eine Förderung von etwa 200000 Euro. "Das ist aber noch nicht ausverhandelt", sagte Bürgermeister Peter Neumeier.

Gesamt rechnet die Marktgemeinde also mit Zuschüssen von gut 327000 Euro. Bleiben also rund 2,02 Millionen Euro, die der Markt finanzieren muss und auf lange Sicht über Miet- und Gebühreneinnahmen decken will. Über die Gebühren müssen für die neue Anlage erst noch kalkuliert werden.

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