26.02.2020 - 16:29 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Pionier der Schlüsselloch-Chirurgie verstorben

Der Kummer anderer Menschen hat auch ihn gekümmert. Inoperabel? Für Chirurg Hans Troidl kein Grund aufzugeben. Jetzt ist der gebürtige Schwarzenfelder im Alter von 81 Jahren verstorben.

Der Mediziner Hans Troidl aus Schwarzenfeld ist am 31. Januar verstorben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Mit Professor Hans Troidl hat die Oberpfalz einen ihrer prominentesten Bürger verloren. Der weltweit anerkannte Chirurg hat bahnbrechende Arbeit im Bereich der Endoskopie geleistet.

"Wissen, können, machen, kümmern und der permanente systematische Zweifel sind es!", lautete das Motto des am 5. Juli 1938 in Schwarzenfeld geborenen Mediziners. Troidl besuchte das Erasmus-Gymnasium in Amberg, glänzte mit sportlichen Leistungen im 100-Meter-Lauf beim FC Schwandorf und studierte schließlich Medizin in München.

1964 begann Hans Troidl seine chirurgische Karriere als Assistent des berühmten Herzchirurgen Rudolf Zenker. Marburg und Kiel waren weitere Stationen seiner Laufbahn. Dabei setzte der Arzt Maßstäbe als Pionier einer "Schlüsselloch-Chirurgie", die mit Hilfe optischer Instrumente eine möglichst schonende Operation ermöglicht. Weniger Verletzung, weniger Schmerzen, zunehmend Komfort bei gleicher Sicherheit und leichtere Genesung, so die Vorteile dieser Methode. Großen Wert legte er dabei auf eine Fehleranalyse, einen Problembereich, den er auch mit dem Philosophen Karl Popper diskutierte. Als Chef der Chirurgischen Universitätsklinik Köln-Merheim gelang dem Arzt 1989 die erste laparaskopische Gallenblasenoperation in Köln. 22 Jahre lang, bis zu seinem Ausscheiden 2003, war Troidl in Köln-Merheim außerdem Lehrstuhlinhaber. Im Laufe seines Lebens wurden dem in engem Kontakt zu seinem Heimatort stehenden Arzt zahlreiche Ehrungen zuteil, darunter Honorary Fellowships in Amerika, England, Frankreich und Asien.

Auch viele Oberpfälzer Krebspatienten profitierten von seinem Können. Mit voller Konzentration hat sich Troidl in jeder aktuellen Situation bei der Behandlung von Menschen eingebracht, bestätigen Kollegen, die den am 31. Januar verstorbenen Professor als sehr großzügigen Menschen zu schätzen wissen.

Wie groß der persönliche Einsatz war, den Troidl erbrachte, hat auch seine Sekretärin Hedi Vier erfahren: So sorgte der Chirurg selbst dafür, dass unter Appetitmangel leidende Magen-Patienten etwas zu sich nahmen, finanzierte ihre spezielle Kost aus eigener Kasse und aß mit ihnen gemeinsam an einem Tisch, um sie zu motivieren.

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