09.04.2020 - 18:00 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Es kann trotzdem österlich werden

Das Osterfest mitten in der Corona-Pandemie: An Tagen des Vermissens muss der Osterjubel nicht ganz auf der Strecke bleiben. Warum, das erklärt Pater Lukas Temme aus dem Passionistenkloster in Schwarzenfeld.

Pater Lukas Temme
von Externer BeitragProfil

Wie wird es wohl werden dieses Jahr? Ostern! Kann man es überhaupt feiern und wenn ja wie? Sicherlich wird es ruhiger werden als wir es gewohnt sind, aber das heißt ja nicht unbedingt, dass es nicht österlich werden kann um uns herum und in unseren Herzen. Natürlich vermissen wir liebgewordene Dinge, den Osterbesuch, die Tage der Erholung und nicht zuletzt die festlichen Gottesdienste. Auch ich werde in diesem Jahr vieles vermissen, zum Beispiel Menschen die eigentlich immer mit uns Ostern feiern, der Bergchor St. Barbara, die Ministranten, Mesner und Organisten, alle, die helfen und die vielen Mitfeiernden in den Gottesdiensten, sie fehlen uns.

Und doch sind sie dabei in den Herzen der Mitglieder unserer Klostergemeinschaft. Doch mir kommt in diesen wehmütigen Gedanken auf einmal die Erzählung von Maria Magdalena und dem Auferstandenen in den Sinn. Auch sie war allein am leeren Grab, auch ihr begegnet der Auferstandene ganz persönlich, ohne großen Rummel, in der Stille des Morgens. Im Kleinen und im Stillen bricht aus dem Dunkel des Grabes das Licht der Auferstehung, Christus, der auch heute unsere Tage erhellen möchte, der auch heute mit uns ist.

Wie aber können wir in diesem Jahr Ostern begehen? Wir dürfen in diesen Wochen etwas erfahren was für die ersten Christen ganz selbstverständlich war: Hauskirche zu sein, das Gebet und das Lesen der Heiligen Schrift in der Familie, in unseren Häusern und Wohnungen. Aber auch die Kirchen sind geöffnet und laden zum persönlichen Gebet ein, vielleicht als Abschluss eines einsamen Spaziergangs.

Am Ostersonntag läuten um 12 Uhr Mittag alle Glocken der katholischen und evangelischen Kirchen in ganz Deutschland, hier können wir daheim, oder wo immer wir sind, uns mit in den Osterjubel einklinken, können gemeinsam beten, vielleicht auch ein österliches Lied singen. Dieses Läuten möchte uns wieder bewusst machen, wir sind nicht allein, auch wenn wir in diesem Jahr Ostern als Hauskirche begehen, wenn die Priester allein in den Kirchen die Messen für die ihnen Anvertrauten feiern, so gehören wir doch alle zusammen zur großen Familie Gottes, deren Osterjubel sich über die Grenzen von Wohnungen, Häusern und Ortschaften hinweg verbinden möchte. Und vielleicht können wir ja dann, nachdem wir dem Läuten der Glocken gelauscht und gebetet oder gesungen haben, uns die Heilige Schrift nehmen und, so wie an Weihnachten die Weihnachtsgeschichte, so nun Ostern die Erzählung des Auferstandenen lesen ( Mt 28,1-10).

Ostern - der Tag den Gott gemacht, wie es in einem Kirchenlied heißt, kann nicht von Menschen abgesagt oder durch ein Virus verhindert werden. Auch wenn der Osterjubel in diesem Jahr verhaltener ist, als wir es gewohnt sind. So tritt auch heute der Gekreuzigte und Auferstandene in unsere Welt. Er ist gerade den Kranken, den Einsamen, denen, die unermüdlich für uns arbeiten, nahe und ruft uns heute zu: "Fürchte Dich nicht, ich bin bei Dir." Wir sind es nicht, die Ostern machen, aber wir dürfen Zeugen sein für eine Liebe, die Leid und Tod überwunden hat.

Wir können es in dieser Zeit vielleicht nur zweifelnd, vielleicht nur stotternd glauben, dass er uns auch jetzt in seinen Händen hält, gerade jetzt. Darum dürfen wir uns gehalten fühlen, auch jetzt. Trotz allem Schweren, was wir gerade durchleben, wir fallen nie tiefer als in die offenen Arme Gottes. Aber trotzdem: Sie, die Menschen, die Freunde und die Unbekannten, Sie fehlen mir, aber ich weiß, dass wir uns wiedersehen, darauf freue ich mich.

Auch in diesem Jahr erleben wir Ostern, dürfen wir Auferstehung feiern, anders halt. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien Gesundheit, österliche Freude und Gottes Segen.

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