24.06.2019 - 17:48 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Viel mehr als süßer Honig

Sie sind ihrer Zeit voraus: Schon vor vielen Jahren erkannten die Imker die Bedeutung der Bienen für eine intakte Umwelt. Inzwischen ist Otto Normalverbraucher sensibilisiert. Dieses Umdenken ist für den Jubelverein das schönste Geschenk.

Diese Mitglieder haben alle das 80. Lebensjahr vollendet und wurden mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet.
von Richard AltmannProfil
Angela und Karl-Heinz Dausch blickten auf die Geschichte des Imkervereins zurück
Die Besucher nutzten die Gelegenheit zu einem Gang durch den Lehrbienengarten.

Der Imkereiverein Schwarzenfeld kann auf eine 140 Jahre lange Vereinsgeschichte zurückblicken. Das Imkereimuseum bringt es auf 25 Jahre. Beide Anlässe waren ein Grund, um zu feiern. Den Festakt gestalteten Luisa Baumann und Dominik Pflaum musikalisch.

Vorsitzender Hermann Bronold ging kurz auf die Bedeutung der Biene für die Artenvielfalt und den Naturschutz ein. Stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl gratulierte zum Doppeljubiläum und dankte allen, die sich schon seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Imkerei engagieren. "Sie helfen damit der Landwirtschaft, dem Garten und Obstbau, der Umwelt, und nicht zu vergessen, Sie produzieren ein gesundes und geschätztes Lebensmittel, den Honig", betonte Kimmerl an die Imker gewandt. Mit 140 Jahren gehöre der Schwarzenfelder Verein zu den ältesten Imkereivereinen im Landkreis und in der ganzen Oberpfalz. In ihm spiegle sich die Geschichte der Imkerei mit ihrer rasanten Entwicklung der Haltungs- und Betriebsformen sowie der Geräteausstattung. Kimmerl erinnerte an die früher übliche Korbimkerei und den Einzug des beweglichen Wabenbaus in Kästen.

"Lerne durch Theorie"

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Biologie und das Leben der Bienen bis hin zu deren Bedeutung im Ökosystem hätten sich erst später im 20. Jahrhundert entwickelt. Der erste Bienenwissenschaftler der Welt, Professor Enoch Zander, habe den Leitsatz geprägt: "Imker, vor allem lerne Theorie, sonst bleibst Du ein praktischer Stümper, dein Leben lang." Genau das werde im Lehrbienenheim praktiziert. Inzwischen habe sich auch ein Bewusstsein der Bevölkerung für den Bienen- und Artenschutz gebildet, nahm Kimmerl auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" Bezug. Die Menschheit verdanke ihre Existenz und evolutionäre Entwicklung der Nutzung der Natur und ihrer Ressourcen, wozu auch die Bienen mit ihrer zentralen Rolle der Bestäubung von 80 Prozent der Nahrungs- und Futterpflanzen gehöre. Allein die Bestäubungstätigkeit und die daraus resultierende Ernte von Früchten, Saatgut und Rohstoffen werde auf einen wirtschaftlichen Wert von fünf Milliarden Euro für Europa und auf 18 Milliarden Dollar pro Jahr für die USA geschätzt.

Durch die weltweiten Veränderungen in Landwirtschaft, Industrie und Verkehr hätten sich die Lebensbedingungen für Insekten rapide verschlechtert. Kimmerl zitierte Papst Franziskus, der "eine ganzheitliche Kultur-Ökologie auf ethischer Basis, die den Wert aller Lebensgrundlagen und Geschöpfe achtet, anerkennt und sie erhält", fordert. Der Vorsitzende der bayerischen Imkervereinigung, Edmund Hochmuth, dankte den Schwarzenfelder Imkern für ihr Engagement in den vergangenen 140 Jahren. Er wünscht sich ein gesellschaftliches Umdenken hin zu mehr Naturschutz. Für den Kreisverband Schwandorf gratulierte Kreisvorsitzender Ingo Schwieder. Bürgermeister Manfred Rodde bezeichnete den Verein als Aushängeschild der Marktgemeinde.

Jubiläum und Geburtstag

Für Hermann Bronold gab es einen Geschenkkorb, für seine Frau Traudl Blumen und ein Geburtstagsständchen, denn sie konnte ihren 70. Geburtstag feiern. Elf Mitglieder, die bereits über 80 Jahre sind, erhielten eine Ehrenurkunde. Dies sind Hans Bierler, Josef Flierl, Anton Forster, Engelbert Hausler, Michael Hermann, Gustav Kohler, Michael Lottner, Josef Messer, Josef Pongratz, Herbert Pronath und Johann Singer.

Aus der Geschichte:

Einen geschichtlichen Rückblick gaben zweiter Vorsitzenden, Karl-Heinz Dausch und seine Ehefrau Angela Dausch. Im Jahre 1879 erging eine Weisung der Regierung der Oberpfalz: Zur Stärkung der Ernährungssituation sollten Imkereivereine gegründet werden. Diese Anweisung fiel in Schwarzenfeld auf fruchtbaren Boden, unter der Führung eines gewissen Dr. Götz machten sich tatkräftige Männer, deren Namen nicht bekannt sind, gemeinsam mit dem Obstbauverein daran, einen Imkereiverein zu gründen. Der Imkerverein war bis zum Jahre 1926 eine Unterabteilung des Obstbauvereins, bevor man sich selbständig machte. Nach den Kriegswirren nahm der Verein eine rasante Entwicklung. Im Jahre 1972 schloss sich der Verband dem Kreisverband Schwandorf an. Bereits Anfang der 60er Jahre trat man der Bayerischen Imkervereinigung bei. Im Jahre 1979 wurde das 100-jährige Bestehen des Vereins gefeiert. Der jetzige Ortsvorsitzende, Hermann Bronold, war bereits Festleiter. Um die Arbeit noch zu intensivieren, kam in den 80er Jahren der Gedanke auf, das Lehrbienenheim zu bauen. Dank der Unterstützung der Marktgemeinde und enormer Eigenleistung wurde das heute Lehrbienenheim 1987 seiner Bestimmung übergeben. 1994 wurde das Imkereimuseum ins Leben gerufen. Seit 1987 wird der Verein von Hermann Bronold geführt, und dies bis heute.

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