11.02.2021 - 16:49 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Zweite Chance für Wohnbauprojekt in Schwarzenfeld

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Es ist ein Großprojekt, das bis zu 60 Wohnungen gebracht hätte. Aber der Bau der Blocks in Traunricht wurde still und leise eingestellt, bevor es richtig losgegangen ist. Der Bauträger hat aber noch eine Überraschung parat.

Einen halben Hektar ist das ursprüngliche Baugebiet zwischen Regensburger Straße (im Hintergrund) und Dr.-Cremer-Weg in Traunricht groß. Erste Erdbewegungen wurden dort schon ausgeführt.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Dass es in Schwarzenfeld an Wohnraum mangelt, ist schon lange ein offenes Geheimnis. Das bislang letzte Baugebiet stammt aus dem Jahr 2004, die Flora. Aber nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch Eigentumswohnungen oder Mietwohnungen werden in einer Gemeinde mit rund 6000 Einwohnern immer nachgefragt.

Das Thema wurde unter anderem bei der Erarbeitung des ISEK, also des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts für Schwarzenfeld aus dem Jahr 2018, ausführlich behandelt. Diese Regieanweisung für den Markt spricht deutlich von fehlenden Bauplätzen und fehlendem Wohnbau.

84 Stellplätze gefordert

In diese Lücke stieß vor einigen Jahren die Johann Wirkner GmbH aus Wackersdorf, die in Traunricht zwischen der Regensburger Straße und dem Dr.-Cremer-Weg ein großes Grundstück von rund 150 Metern Länge gekauft hat, wo auf einer Fläche von einem halben Hektar vier Wohnblocks errichtet werden sollten, die insgesamt 56 bis 60 Wohneinheiten aufweisen würden.

Wegen der vom Markt geforderten, hohen Zahl von 84 Auto-Stellplätzen sprach der damalige Plan auch von einer Tiefgarage. Das sollte sich als schwierig zu realisieren erweisen, da der Boden des Baugebiets aus Granit besteht, was Sprengungen nötig gemacht hätte - mit allen Problemen für die Häuser in der Nachbarschaft. Außerdem würde ein Tiefgaragenbau an dieser Stelle die Gesamtkosten des Projekts enorm nach oben treiben.

Laute A 93 in der Nähe

Ein weiteres Manko, und zwar die zu erwartende Lärmbelastung für die künftigen Bewohner, wurde im sogenannten "vorhabenbezogenen Bebauungs- und Grünordnungsplan Dr.-Cremer-Weg" wie folgt beschrieben: "Für die geplante Bebauung selbst besteht durch die nahe liegende Autobahn und das bestehende Gewerbe eine gewisse Vorbelastung in Bezug auf Lärm. Dies ist bei der Planung der Gebäude zu berücksichtigen." Was aber bei der exponierten Lage des Komplexes in unmittelbarer Nähe der A 93 schwer zu verwirklichen sein dürfte.

So verwunderte es nicht, dass das Bauvorhaben, das eine Zeitlang für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte, still und leise zu Grabe getragen wurde. Unter anderem verschwand auch das große Transparent wieder in der Versenkung, mit der ein Wackersdorfer Immobilienbüro an der Regensburger Straße für den Vertrieb der geplanten Eigentumswohnungen warb.

Demnächst Baubeginn?

Johann Wirkner hat auf Nachfrage bestätigt, dass er vom dem Projekt Abstand genommen hat. Der Wackersdorfer führt dafür aber nicht grundsätzliche Probleme wie die Tiefgarage oder den Autobahnlärm an, sondern seinen angeschlagenen Gesundheitszustand. Der 67-Jährige sieht sich zwischenzeitlich nicht mehr in der Lage, das Großprojekt zu vollenden. "Es ist dort schon Grund ausgehoben," verweist er auf erste Arbeiten, "aber so etwas dauert drei bis vier Jahre, bis es fertig ist". In Anbetracht seiner persönlichen Lage "ist mir die Angelegenheit zu groß geworden".

Marktrat behandelt Großprojekt in Traunricht

Wirkner macht aber darauf aufmerksam, dass er das Projekt verkauft habe. Er wolle derzeit zwar nicht verraten, um wen es sich dabei handelt, aber soviel sei klar: Das Bauvorhaben werde weitergehen. "Die Baustelle geht wieder in Betrieb," versichert Wirkner, "im März oder April wird Baubeginn sein".

Das kann auch Bürgermeister Peter Neumeier bestätigen. "Ein Teil der Fläche wurde an einen Dritten verkauft, der jetzt bauen will," betonte er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Etwas Näheres könne er dazu aber noch nicht sagen: "Mit mir hat da noch niemand darüber gesprochen."

"Teuere" Genehmigung

Neumeier, der noch nicht als Bürgermeister amtierte, als das ursprüngliche Bauvorhaben dem Rathaus vorlag, weiß zumindest, "dass Johann Wirkner damals die Genehmigung teuer zu stehen kam". Gemeint sei damit der umfangreiche Stellplatznachweis: "Zwei Stellplätze für eine Wohnung, die größer ist als 50 Quadratmeter, das ist schon ein Brett."

"Mir ist die Angelegenheit zu groß geworden."

Johann Wirkner

Johann Wirkner

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