10.01.2020 - 16:02 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Englisch lehren in Peru: Schwarzhoferin erlebt Abenteuer in Arequipa

Fünf junge Menschen aus Bayern absolvieren einen Freiwilligendienst an Schulen und in Kinderheimen in Peru. Unter ihnen ist Alexandra Fröhlich aus Schwarzhofen. Sie berichtet über ihren Alltag und was sie an der Oberpfalz vermisst.

Alexandra Fröhlich aus Schwarzhofen (Zweite von links, hinten) lebt und arbeitet für ein Jahr in Arequipa und bringt den Kindern dort nicht nur Englisch bei, sondern auch viel für ihr späteres Leben.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Alexandra Fröhlich aus Schwarzhofen ist studierte Sonderpädagogin mit Förderschwerpunkt Körperbehindertenpädagogik. Nach ihrem Studium in Würzburg entschied sie sich, Auslandserfahrung zu sammeln, bevor es in das Referendariat geht. Sie wählte Peru, genauer gesagt die zweitgrößte Stadt, Arequipa. Dort unterrichtet sie Kinder und bereitet sich auf ihr Berufsleben vor. Mit ihr gereist sind vier junge Freiwillige aus ganz Deutschland. Für die Organisation Circa Mas absolvieren die Abiturienten, Studenten und Erzieher ein freiwilliges Jahr, um den Kindern in den Circa-Schulen Arequipas Englisch beizubringen. Viele der Schüler kommen aus sehr armen Verhältnissen, für diese Kinder kann die Sprache Englisch ein Türöffner sein und ganz neue Wege ebnen. Aber nicht nur das. Nachmittags helfen sie den Betreuern in den Kinderheimen der Organisation Circa, die in der Landessprache "Sumac Wasis" (schönes Haus) genannt werden. Dort muss sich eine Aufsichtsperson 24 Stunden, sieben Tage die Woche um etwa 30 elternlose Kinder kümmern. Eine Mammutaufgabe, die die Freiwilligen mit ihrem Engagement etwas erleichtern können.

ONETZ: Seit 8. August sind Sie in Arequipa. Können Sie nochmal beschreiben, wie Sie sich am Tag der Abreise gefühlt haben?

Alexandra Fröhlich: Ich war sehr aufgeregt und nervös, vor allem aber gespannt, was mich alles erwartet. Ich habe noch den halben Tag lang überlegt, was ich alles brauche und was ich wohl vergessen hatte. Für ein Jahr zu packen, ist wirklich nicht einfach.
Nach dem letzten gemeinsamen Mittagessen mit der Familie sind wir nach München zum Flughafen gefahren, damit wir rechtzeitig dort sind. Dort haben wir Fünf uns mit allen Familien und Freunden, die uns noch begleitet haben, getroffen und dann wurde es schon bald ernst. Wir mussten unser Gepäck aufgeben, haben uns lange von allen verabschiedet und mussten uns zur Sicherheitskontrolle aufmachen.

Zur Begrüßung führten die Kinder Tänze in traditionellen Gewändern vor.

ONETZ: Was ist für Sie der größte Unterschied zu ihrer Heimat und was ist vielleicht gar nicht so anders?

Alexandra Fröhlich: Was wir wohl als Erstes lernen mussten, war das Bus- beziehungsweise Combifahren. Denn Combifahren bedeutet hier, dem Busfahrer ein Handzeichen zu geben, um dann mitten auf der Straße in einen oft noch fahrenden Bus reinzuspringen. Im Fahrzeug selbst gibt es natürlich keine Gurte, die Türe ist stets offen und einen Tüv gibt es hier vermutlich auch nicht. Will man aussteigen, schreit man nur „bajo“, der Bus hält an und man steigt direkt an der gewünschten Stelle aus anstatt an einer Bushaltestelle, die 500 Meter weiter weg liegt. Das war für uns der erste große Unterschied, an den wir uns gewöhnen mussten. Ein weiterer großer Unterschied, welcher erst gelernt werden muss, ist, dass das Toilettenpapier nicht in die Toilette kommt, sondern in den Mülleimer daneben, weil sonst die Überschwemmungsgefahr um hundert Prozent steigt.
Dahingegen ist die Schulorganisation gar nicht so anders. Der Unterricht beginnt auch um 8 Uhr, eine Schulstunde dauert meistens auch 45 Minuten und um 13.15 endet der Schultag.

In Arequipa ist Alexandra nicht nur Lehrerin. Die 23-Jährige ist auch in der Freizeit für die Kinder im Heim da.

ONETZ: Wie haben Sie sich Ihre Arbeit in Arequipa vorgestellt und ist es dann anders gekommen?

Alexandra Fröhlich: Etwas, das auf jeden Fall anders gekommen ist, ist die Arbeit in den Schulen. Normalerweise unterrichten die Freiwilligen an drei verschiedenen Schulen Englisch. Da ich aber schon Sonderpädagogik studiert habe, bin ich nur an zwei Schulen eingesetzt und arbeite dort mit Schülerinnen und Schülern, die Unterstützung und Förderung beim Lesen, Schreiben und Mathematik benötigen, in Kleingruppen beziehungsweise in Einzelarbeit.

ONETZ: Die Staatssprache in Peru ist Spanisch. Konnten Sie das sprechen?

Alexandra Fröhlich: Ich hatte nie Spanisch in der Schule, das heißt ich musste hier erst einmal alles von Beginn an lernen. Besser gesagt muss ich das immer noch, meine Spanischkenntnisse sind leider noch sehr ausbaufähig.

ONETZ: Erzählen Sie doch mal, wie so ein Tag bei Ihnen aussieht...

Alexandra Fröhlich: Unser Tag beginnt meistens schon sehr früh, da einige von uns einen Schulweg von eineinhalb Stunden einfach haben. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr und endet um 13.15 Uhr. In dieser Zeit unterrichten meine vier Mitfreiwilligen in unterschiedliche, Klassen der Primaria - erste bis sechste Klasse - Englisch. Ich unterstütze in dieser Zeit schwächere Schüler in Form von Individualbetreuung. Unsere Nachmittage verbringen wir in den unterschiedlichen Sumac Wasis. Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Spielen, Basteln, Zuhören und miteinander reden sind hier unsere Hauptaufgaben.

ONETZ: Aber an den Wochenenden ist Pause, oder?

Alexandra Fröhlich: An den Wochenenden finden auch immer wieder verschiedene Aktionen statt, bei denen wir mithelfen. Regelmäßig werden bei sogenannten „repartos“ Lebensmittel an hilfsbedürftige Menschen ausgeteilt. Dies findet von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags statt, dies kann nach einer gewissen Zeit auch einmal anstrengend werden. Außerdem finden in den Kinderheimen immer wieder Aktionen statt. Dazu gehören Tanz- oder Talentwettbewerbe, bei welchen die Kinder gegeneinander antreten, aber auch Wochenendcampingausflüge.

ONETZ: Können Sie zwischendurch mal Urlaub machen?

Ja, das können wir. An unseren freien Wochenenden haben wir Ausflüge nach Puno zum Titicacasee und nach Cusco unternommen. Außerdem haben wir nach unserem Zwischenseminar im Januar Urlaub. Anfang März fängt dann wieder die Schule an. Aber nach Hause fliegen wir das ganze Jahr nicht, unseren Urlaub verbringen wir in Peru, um so das Land und die Leute noch besser kennen zu lernen.

ONETZ: Warum ist die freiwillige Arbeit in Peru so wichtig?

Alexandra Fröhlich: Wir bringen nicht nur das Englisch in die Klassenzimmer. Wir kommen aus einer anderen Kultur und bringen somit ganz andere und für viele Schüler neue Dinge mit. Dazu gehört anderes Essen, andere Märchen, Geschichten, Bräuche und vieles mehr. Diese Dinge auszutauschen und zu erfahren, ist eine große Bereicherung für beide Seiten, Schüler und uns Freiwillige.

ONETZ: Was vermissen Sie am meisten an Ihrer Heimat, der Oberpfalz?

Alexandra Fröhlich: Meine Familie und meine Freunde vermisse ich am meisten. Aber auch die KLJB, in welcher ich bis August sehr aktiv war. Und mir fehlt die grüne Landschaft sehr. Hier ist alles sehr trocken und braun. Und natürlich das gute bayerische Essen.

ONETZ: Was wird das Erste sein, was Sie tun, wenn Sie wieder daheim sind?

Alexandra Fröhlich: Ganz viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen, Fotos und Geschichten austauschen und alles erzählen. Ich freue mich schon auf die Pierogi von meiner Mama - das sind polnische Teigtaschen, meine Familie kommt aus Polen - und auf das bayerische Bier.

ONETZ: Was wollen Sie noch unbedingt erleben, bevor es wieder nach Hause geht?

Alexandra Fröhlich: Mit dem Sandbuggy durch die Wüste fahren, auf über 5000 Meter wandern gehen, Tiere im Dschungel beobachten und, und, und. Peru hat so viel zu bieten. Vermutlich kennt jeder Machu Picchu - das kann ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen. Aber es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Von Küste bis Wüste, Regenwald und den Anden mit einigen 6000ern findet man hier alles, auch sehr viele archäologische Stätten vieler verschiedener Kulturen, nicht nur die der Inka. Am liebsten würde ich alles sehen, aber das ist natürlich unrealistisch. Ich hoffe einfach so viel es geht, aus dieser Zeit mitzunehmen.

ONETZ: Was noch?

Alexandra Fröhlich: Ein paar Alpakas und Vicuñas würde ich gerne noch in freier Wildbahn sehen.
Das Meerschweinchen-Essen habe ich zum Glück schon hinter mir - Meerschweinchen sind hier eine Spezialität - , das stand auch auf meiner To-Do für dieses Jahr, aber das wird eine einmalige Erfahrung bleiben, das muss ich nicht noch einmal erleben.

Spenden:

Die Freiwilligen beteiligen sich jedes Jahr an verschiedene Projekten, die durch Spendengelder ermöglicht werden. Das können Ausflüge in den Zoo oder ins Kino sein, Nachrüsten der medizinischen Versorgung, die Her- und Einrichtung eines Hausaufgabenraumes oder ähnliches. „Die Kinder haben ansonsten nicht die Möglichkeit, dies zu erleben, dabei stellt es eine große Bereicherung für sie dar“, betont Alexandra Fröhlich im Interview.

Die Organisation ist auf Spenden angewiesen. Wer will, kann das Projekt mit einer Spende unterstützen: Diözese Passau Missionsreferat; Iban: DE 49 750 903 000 004 303 520 ; Verwendungszweck: Peru-Arequipa-Alexandra.

Schwarzhoferin macht Freiwilliges Jahr in Peru.
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