22.03.2019 - 15:30 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Frauenkloster ertrinkt am Ende in Schulden

Seit der Aufhebung 1802 muss das Kloster der Dominikanerinnen verschiedene Nutzungen erleben, jetzt steht der Komplex wieder leer und bereitet dem Markt Kopfzerbrechen. Ein Fachmann gibt Auskunft.

Der Historiker Dr. Stefan Benz von der Uni Bayreuth (Mitte) mit dem Vorsitzenden des Kulturförderkreises Schwarzhofen, Bürgermeister Maximilian Beer (links), und Ortsheimatpfleger Alfred Wolfsteiner.
von Adolf MandlProfil

Zu einem Vortrag luden der Kulturförderkreis Schwarzhofen und die Regionalgruppe Schwandorf des Historischen Vereins für die Oberpfalz und Regensburg in die Aula der Dr.-von-Ringseis-Schule ein. Sie wurden mit einem gutem Besuch interessierter Zuhörer belohnt.

Der Historiker Dr. Stefan Benz von der Uni Bayreuth referierte über "Schwarzhofen - ein ländliches Dominikanerkloster" und hatte eine Fülle von neuen und zum Teil überraschenden Informationen auf Lager. Er gehört zu den besten Kennern der Geschichte der Frauenklöster in Mitteleuropa. Seit vielen Jahren lehrt und forscht der Geschichtsdidaktiker zu dieser Thematik. Er unterlegte seine Ausführungen mit anschaulichen Bildern von Dokumenten per Power-Point-Präsentation.

Bürgermeister Beer berichtete über die wechselhafte Geschichte des Klosters in der jüngsten Vergangenheit und die Versuche, auch mit Hilfe eines teuren Gutachtens eine neue Nutzung dafür zu finden. Da alle scheiterten, verkaufte man es 2004. "Massig wirkt der Gebäudekomplex mitten in der Marktgemeinde Schwarzhofen, der einst ein Dominikanerinnenkloster barg", leitete Benz ein. Seit der Aufhebung 1802 musste es verschiedene Nutzungen erleben, jetzt steht der Komplex wieder leer und bereitet dem Markt Kopfzerbrechen.

Benz widmete sich der glänzenden Vergangenheit der Gebäude. Zunächst relativierte er die Legende vom mittelalterlichen Kloster in Schwarzhofen. Ein solches hat nach Ausweis der Quellen nie bestanden (damit schwindet auch die Legende vom Aufenthalt der Kaiserin Elisabeth hier). Denn nur vorübergehend hielten sich im 13. Jahrhundert Regensburger Nonnen vom Kloster Heilig Kreuz hier auf, nachdem sie vom Grafen Ortenburg in Schwarzhofen ein Grundstück geschenkt bekommen hatten.

Ein Kloster wurde erst 1691 gegründet, als sich einige Nonnen des Regensburger Dominikanerinnen-Kloster auf ihrem alten Klosterbesitz Schwarzhofen niederließen. Die Initiative dazu ging vermutlich von einigen Spitzendiplomaten des "Immerwährenden Reichstags" in Regensburg aus. Jedenfalls war die Gründung eines Dominikanerinnen-Klosters - noch dazu auf dem Lande - ungewöhnlich.

Ein Kloster konnte im 18. Und 19. Jahrhundert viel Potenzial entfalten. In Schwarzhofen verlief die Geschichte jedoch anders. Benz erläuterte die Herkunft und die soziale Zusammensetzung der Nonnen. Oberpfälzerinnen waren in der Minderzahl, die Nonnen kamen meist aus der Stadt. Die "Morgengabe" lag beim Eintritt ins Kloster im Schnitt bei 1000 Gulden - was also den Jahresgehalten von Beamten mit höheren Dienstgraden entsprach. Die meisten Schwestern stammten daher aus den wohlhabenden Wirts-, Bäcker- und Metzgershaushalten. Auch Beamten- und Offizierstöchter waren häufiger. Unter den 71 in Schwarzhofen eingetretenen fanden sich nur drei Bauerntöchter. Eine davon brachte dem neuen Kloster Vieh als "Morgengabe" mit.

Noch sichtbar sind das bescheidene Beichtvaterhaus und Reste des einst weitläufigen Gartens, der den Schwestern zur Erholung diente. Die von den Zeitgenossen sehr gelobte Kirche, die 1795 endgültig geweiht worden war, wurde zum allgemeinen Bedauern bei der Aufhebung des Kloster 1802 abgerissen. Nur Teile der Innenausstattung haben sich erhalten und finden sich meist in der Pfarrkirche. Das Kloster war 1760 in schwere Schulden geraten, konnte jedoch durch Sparsamkeit diese großteils zurückzahlen. 1802 klopfte ein Aufhebungskommissar an, um allen Besitz zu inventarisieren. Der Verkaufserlös des Klosterbesitzes reichte, um die verbliebenen Schulden zu bezahlen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.