Schwarzhofen
01.02.2019 - 15:51 Uhr

Geburtswehen einer Großgemeinde

Es war vor vier Jahrzehnten eine schwere Geburt, bis die Marktgemeinde Schwarzhofen auf den Beinen stand. Aus der zeitlichen Distanz wird das heute gelassen gesehen. Freude herrscht über das neue "Wir-Gefühl".

Alfred Wolfsteiner. Bild: mad
Alfred Wolfsteiner.

Zu einem hoch interessanten Vortrag über die Gebietsreform in Bayern - eine der einschneidendsten und umstrittensten Verwaltungsreformen - mit dem Untertitel "Geburtswehen einer Großgemeinde" hatten der Markt, der Kulturförderkreis und der Historische Verein Oberpfalz in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Sie wurden mit erfreulichem Besuch belohnt. Alfred Wolfsteiner hieß als Ortsheimatpfleger, Zweiter Bürgermeister und Regionalvorsitzender des Historischen Vereins, die Besucher willkommen.

Er ging auf die Tendenz der Autohalter nach der Zulassung der alten Kennzeichen ein und deutete sie als Zeichen des "neuen Patriotismus", vor allem junger Leute. Er erinnerte daran, dass das Landedikt von 1808 den kleinen Gemeinden gewisse Verwaltungsbefugnisse gab. Bürgermeister Maximilian Beer hatte umfassende Vorarbeit geleistet und zahlreiche Karten, Broschüren und Aktenauszüge mitgebracht. "Zusammen sind auch die Schwachen stark", das war der Gedanke, der seinen Worten zufolge hinter dem Thema Gebietsreform steckte. Diese wurde vom damaligen Ministerpräsidenten Goppel und seinem Innenminister Merk angestoßen und auf den Weg gebracht. Widerstände, Ängste, Vorurteile waren stark ausgeprägt. Doch die Verbesserung der Effizienz der Verwaltung war eine objektive Notwendigkeit.

Mit viel "Hick-Hack"

Es gab in Bayern über 40 000 Gemeinden, zwei Drittel davon hatten weniger als 1000 Einwohner und so gut wie keine hauptamtlichen Verwaltungsbeamten, es herrschten "mittelalterliche Strukturen" und finanzielle Probleme. Es gab keine Infrastruktur, keine geregelte Wasser- und Abwasserversorgung, keine Müllabfuhr, kaum ausgebaute Straßen, Landflucht setzte ein. Bayern als Agrarstaat war rückständig, brauchte Mittel aus dem Finanzausgleich der Länder. Die Zahl der Gemeinden sollte von rund 40 000 deutlich reduziert werden - übrig blieben dann gut 2000; die Zahl der Landkreis sank von 143 auf 71.

Für den Landkreis Neunburg wurden viele verschiedene "Varianten" angedacht und vorgeschlagen, konnten aber nicht verwirklicht werden, so dass man schließlich in den neuen Großlandkreis Schwandorf integriert wurde. Besonders interessant war das "Hick-Hack" um die Bildung der Großgemeinde Schwarzhofen. 1972 schlossen sich Haag und Uckersdorf Schwarzhofen an. Nach einer Verfügung der Regierung gab es 1975 in Zangenstein eine Bürgerabstimmung, die eine knappe Mehrheit für den Beitritt zu Schwarzhofen ergab; der Gemeinderat Zangenstein schloss sich dem Votum an, das 1978 rechtskräftig wurde.

Mit Überraschungen

Bei den Marktratswahlen 1978 gab es gleich zwei Sensationen: Erst wurde der damalige Bürgermeister Matthias Weiß von der eigenen Partei "abgesägt", der ehemalige Zangensteiner Bürgermeister Josef Scheck war auf einmal CSU-Kandidat. Schließlich setzte sich dieser gegen zwei "einheimische" Kandidaten schon im ersten Wahlgang durch.

Fast "parallel" lief auch die Suche nach einer neuen Verwaltungsgemeinschaft, da auch Schwarzhofen und die umliegenden Gemeinden nicht über das nötige Verwaltungspersonal verfügten. Auch hier wurden verschiedene "Denkmodelle" vorgestellt - mit oder ohne Neunburg oder Altendorf; es wurde viel "taktiert". Doch schließlich wurde am 1. Juli 2016 die heutige Verwaltungsgemeinschaft Neunburg mit den Mitgliedsgemeinden Dieterskirchen, Neukirchen-Balbini, Schwarzhofen und Thanstein aus der Taufe gehoben, der Schwarzhofener Bürgermeister Weiß erster VG-Vorsitzender.

Auch in Schwarzhofen gab es lange "Nachwehen", doch mittlerweile sieht Bürgermeister Beer ein deutlich gewachsenes "Wir-Gefühl", worüber er seine Freude ausdrückte. Er bat aber um weitere Unterstützung durch Bürger und Vereine. Marktrat Franz Stockerl aus Zangenstein sprach Bürgermeister Beer den Dank aus dafür, dass eben das "Wir-Gefühl" so gewachsen sei, wofür er reichlich Zustimmung fand.

Der Altlandkreis Neunburg, zu dem der Markt Schwarzhofen gehörte, ist zum Museumsstück geworden: Im Schwarzachtaler Heimatmuseum hängt diese frühjere Behördentafel des Neunburger Landratsamtes. Bild: mp
Der Altlandkreis Neunburg, zu dem der Markt Schwarzhofen gehörte, ist zum Museumsstück geworden: Im Schwarzachtaler Heimatmuseum hängt diese frühjere Behördentafel des Neunburger Landratsamtes.
 
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