24.03.2020 - 13:46 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Knapp 9000 Herzen für Ludwig

Ein Zeitungsartikel bleibt nicht ohne Folgen: Ludwig Biebl aus Schönau bekommt zwar keinen kostenlosen Therapieplatz, aber die Familie des kranken Jungen gewinnt viele neue Kontakte. Auch der Bundesgesundheitsminister meldet sich.

Simone Biebl dankt den Lesern von „Der neue Tag/Oberpfalz-Medien“, die mit vielen Klicks beim Internetwettbewerb mithalfen, „Herzen“ für ihren Sohn zu sammeln. Ende nächster Woche feiert Ludwig seinen vierten Geburtstag.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

"8995 Herzen für Ludwig." Simone Biebl dankt in einer Mail allen Lesern von "Der neue Tag/Oberpfalz-Medien", die sich am Internetwettbewerb beteiligten. Unsere Zeitung hatte in der Ausgabe vom 26. Februar über das Schicksal von Ludwig Biebl aus Schönau bei Schwarzhofen berichtet. Und auch darüber, dass Leser die Familie mit Klicks unterstützen können, damit sie eine Chance auf einen kostenlosen Therapieplatz haben. Denn das Adeli-Medical-Center, eine Spezialklinik in der Slowakei, lobte anlässlich des 15-jährigen Bestehens 15 Preise aus.

Leser wollen noch mehr helfen

"Ludwigs Foto hat sensationelle 8995 Herzen bekommen. Leider hat es nicht für einen der 15 Preise gereicht", berichtet Simone Biebl. Die Teilnahme an der Abstimmung war so groß, dass die Website teilweise überlastet und nicht erreichbar war. "Man musste oft sehr viel Geduld aufbringen, um abstimmen zu können", betont sie. Das teilten auch einige Anrufer der Lokalredaktion mit. Der Gewinner des ersten Preises erreichte 119 096 Herzen und der 15. Platz noch 28 338 Herzen/Klicks. Aufgrund der technischen Schwierigkeiten wurden zwei weitere Preise zur Verfügung gestellt: Ein Kreativpreis und als "Trostpreis" ein zweiwöchiger Therapieaufenthalt. Diese wurden unter allen Teilnehmern verlost; die Schönauer hatten jedoch kein Glück.

Trotzdem ist Ludwigs Familie sehr dankbar für die Resonanz nach dem Zeitungsbericht. "Es haben sich tolle und hilfreiche Kontakte mit Familien ergeben, die auch ein krankes Kind haben", berichtet Simone Biebl. Einige davon kamen über die NT-Redaktion zustande, welche etliche Anfragen an die Biebls weiterleitete. In einer Mail heißt es beispielsweise: "Mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht über die Familie Biebl und den kleinen Ludwig gelesen und aktiv bei der Abstimmung teilgenommen. Leider teilen wir das Schicksal mit der Familie, denn unser kleiner Sohn hat ebenfalls eine schwere Hirnschädigung. Gerne würden wir daher einen Kontakt aufbauen um Erfahrungen auszutauschen, von der beide Familien profitieren könnten. Vielleicht entsteht ja sogar eine Freundschaft." Es haben aber auch etliche geschrieben, die Stellen und Adressen kennen, wo es Hilfe und Unterstützung gibt. Eine Leserin teilte der Redaktion mit, dass sie die Abstimmung in ihren Whatsapp-Status gestellt hatte. Dadurch habe sich eine Bekannte bei ihr gemeldet und mitgeteilt, dass die Mutter ihrer Chefin mit Infos helfen könne, da es in ihrer Familie einen ähnlichen Krankheitsfall gibt.

Weiterer Artikel über Ludwig Biebl

Schönau bei Schwarzhofen

Schreiben an Jens Spahn

Die jungen Eltern Simone (36) und Rainer (41) Biebl wollen nichts unversucht lassen, damit ihr Sohn die bestmögliche Förderung erhält. Doch die Bürokratie im Gesundheitswesen, insbesondere der Kampf den Krankenkassen, ist für sie oft unverständlich. So werde beispielsweise die Kostenübernahme für notwendige Hilfsmittel abgelehnt, wenn diese über keine Hilfsmittelnummer verfügen. Dies war beispielsweise schon acht Monate nach der Geburt bei einer "Spio-Weste" für 472 Euro der Fall, die dem Rumpf von Ludwig mehr Stabilität geben sollte. Die Mutter sieht ein "System" dahinter. Denn vieles werde erst einmal abgelehnt und dann entscheide der Medizinische Dienst nach Aktenlage, "kennt aber das Hilfsmittel oft gar nicht". Nachdem sich noch niemand vor Ort ein Bild gemacht hat, kümmert sich jetzt ein Rechtsanwalt um den Schriftwechsel.

Vor einigen Wochen hat sich die Familie entschlossen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von den Missständen im Gesundheitssystem zu berichten und die Probleme zu schildern, die sie mit Kranken- und Pflegekasse haben. Und auch davon, dass Reha-Aufenthalte ihrem Sohn gut tun, aber ihrer Meinung nach vor allem die Therapie im "Adeli-Medical-Center", einem internationalen Rehabilitationszentrum in der Slowakei, Fortschritte bringen würde. Denn aus eigener Erfahrung wissen sie, dass dort die Patienten individuell und intensiv von einem Team aus Ärzten, Therapeuten, Masseuren und Logopäden betreut werden. "So ein Therapieprogramm gibt es in ganz Deutschland nicht", erklärt Vater Rainer. Das Problem: Die Kasse zahlt nur etwa ein Drittel der dort anfallenden Kosten.

Inzwischen ist im Schwarzhofener Ortsteil ein Brief aus Berlin eingetroffen, verfasst von einer Mitarbeiterin des Bundesministeriums für Gesundheit. "Leider ist diese Antwort nicht zufriedenstellend, da auf keines unserer Probleme eingegangen wird", zeigt sich Simone Biebl etwas enttäuscht. Und ihr Mann ergänzt: "Es ist ein 0815-Schreiben. Aber in Zeiten von Corona macht es jetzt keinen Sinn, da nachzubohren. Wir werden noch einmal Kontakt aufnehmen, wenn die Seuche wieder weg ist."

Das Coronavirus ist auch für die Familie Biebl eine Herausforderung. Denn der SVE-Kindergarten im Heilpädagogischen Zentrum (HPZ) Irchenrieth hat geschlossen. Das bedeutet, Ludwig muss zu Hause betreut werden. Und zwar von Papa und Mama allein: "Es soll ja jeder Kontakt vermieden werden". Der knapp Vierjährige kann weder selbstständig sitzen, den Kopf halten oder sich drehen, und auch nicht alleine essen. Aber er ist nicht gelähmt, es fehlen die Muskeln. Ursächlich ist eine Infektion mit B-Streptokokken-Bakterien. Nach der Nottaufe im Alter von fünf Tagen kämpfte er sich zurück ins Leben, doch die Schäden nach Hirnhautentzündung und Gehirnentzündung sind enorm. Mittlerweile wiegt Ludwig knapp 19 Kilogramm und ist ein fröhliches Kind, dem man die Behinderung beim Spazierengehen im Buggy nicht gleich anmerkt. Der kürzliche Reha-Aufenthalt in der "Schön Klinik" bei Rosenheim diente vor allem dazu, an neue Hilfsmittel zu kommen. Die Klinik verordnete dann auch eine neue, rumpfunterstützende Weste, welche die Kasse sofort anerkannte. Zwecks Muskelaufbau bleibt das nächste Ziel die Spezialklinik im 600 Kilometer entfernten Piestany in Slowenien. Auch ohne kostenfreien Jubiläumsaufenthalt will die Familie Biebl dort eine Therapie starten. Denn nichts soll unversucht bleiben, damit Ludwig einmal ein etwas selbstständigeres Leben führen kann. Die Luft ist deshalb nur im "Adeli-Jubiläumsluftballon" auf der Krabbeldecke im Wohnzimmer raus. Für die Zuversicht der jungen Eltern gilt das nicht. Sie setzen weiterhin ihre ganze Kraft für ihren Buben ein.

Kontaktaufnahme

Wie Simone Biebl mitteilt, ist aufgrund der großen Nachfrage ein Spendenkonto eingerichtet (siehe Kasten). Und mittlerweile gibt es auch die Internetadresse "einherzfuerludwig[at]gmx[dot]de". Hier kann sich jeder melden, der weitere Informationen zur Therapie in der Slowakei benötigt, oder der Kontakt zur Familie aufnehmen möchte.

Spendenkonto:

Konto eröffnet

"Wir haben nicht vor, Geld zu sammeln, sondern freuen uns über viele Klicks als Chance auf einen kostenlosen Therapieplatz." Dies betonte Simone Biebl ausdrücklich beim Redaktionsbesuch am Faschingssonntag. Doch viele Privatpersonen und Vereine meldeten sich und wollten helfen. Deshalb hat das Ehepaar Biebl seine Meinung geändert.

Eine Spende ist über folgendes Bankkonto möglich:

Empfänger:           Soziales Netzwerk e.V. der Stadt Neunburg v. W.; IBAN:                   DE 87 750 510 400 031 556 186. Verwendungszweck:             Spende "Ein Herz für Ludwig"; Spendenbescheinigung ja/nein.

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Kommentare

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Thomas Vitzthum

Sehr geehrte Damen und Herren,

mir ist aufgefallen, dass erst geschrieben wird, dass sich die Klinik in der Slowakei befindet, jedoch am Ende des Artikels angegeben ist, die Klinik befände sich in Slowenien.
Man kann es natürlich per Suchmaschine ermitteln, welche Angabe stimmt(Slowakei), jedoch sollte vor Veröffentlichung eines Artikels gegen gelesen werden, um solch falsche Angaben zu verhindern.
Es tut mir leid, dass ich meine Kritik zu einem so traurigen Thema verfassen muß, es ist mir allerdings schon einige Male aufgefallen, dass mit der Nach-(Vor-)Kontrolle auf dieser Web-Site etwas geschlampt wird.
Unabhängig davon wünsche ich natürlich, dass dem Jungen zumindest etwas geholfen werden kann. Jeder kleine Schritt, hin zu einer leichten Verbesserung, hilft da sicherlich weiter.

24.03.2020