06.07.2018 - 16:13 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Aus Ruinen auf die Denkmalliste

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird das Kriegerdenkmal am Marktplatz Anfang der 1960er Jahre abgerissen. Fast 40 Jahre danach baut es der Denkmalpflegeverein wieder auf. Nun hat dieser Ort der Erinnerung auch offiziell den Denkmal-Status.

Für das Foto hat Friedrich Brych, Vorsitzender des Denkmalpflegevereins, auf den Stufen des Ehrenmals Platz genommen. Die wiedererrichtete Gedenkstätte ist nun offiziell in die Denkmalliste aufgenommen.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

(mp) In einem Nachtrag hat das Landesamt für Denkmalpflege das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs der Pfarrei Schwarzhofen in die Denkmalliste aufgenommen. Friedrich Brych, Vorsitzender des örtlichen Denkmalpflegevereins, freut sich im Gespräch mit Oberpfalz-Medien über diese "Aufwertung des Bauwerks". Schließlich sei diese Gedenkstätte ein bedeutendes Stück der jüngeren Heimatgeschichte.

Standort war umstritten

Und eines mit bewegter Vergangenheit: Anfang der 1920er Jahre - vermutlich 1922 - war das Denkmal auf dem Marktplatz durch einen Regensburger Architekten namens Dr. Wagner errichtet worden. Der Standort sei allerdings äußerst umstritten gewesen, erzählt Friedrich Brych. Doch wegen der damaligen Inflation und der damit verbundenen Befürchtung, das Denkmal könnte noch teurer werden, habe der Gemeinderat dem Bau zugestimmt.

Doch scheint die Gedenkstätte einigen Zeitgenossen im Weg gewesen zu sein: "Quasi über Nacht" (Brych) sei das Denkmal einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert und die Trümmer fortgeschafft worden. Wann genau dies geschehen ist, ist nicht bekannt: Einmal heißt es, der Vorfall sei Mitte der 1950er Jahre passiert, andere Quellen nennen den Beginn der 1960er Jahre als Zeitpunkt für den Abriss.

Die Bruchstücke seien jahrzehntelang auf einer Gemeindewiese am Weinberg gelegen, schildert Brych. Mitte der 1990er Jahre schließlich kam beim noch jungen Denkmalpflegeverein das Gespräch auf das geschleifte Denkmal. Das Interesse an einem Wiederaufbau wuchs, und auch aus der Bevölkerung wurde das Vorhaben unterstützt: 20 000 Mark kamen bei einer Haussammlung zusammen, auch Marktgemeinde und Kirchenverwaltung stellten Mittel für das Vorhaben bereit.

Größter Förderer war der frühere Schwarzhofener Albert Winderl, der die große Summe von 60 000 Mark für den Wiederaufbau des Denkmals stiftete. "Vier seiner Brüder sind im Zweiten Weltkrieg gefallen" berichtet Friedrich Brych, deswegen sei es Winderl ein besonderes Anliegen gewesen, das Andenken an sie und alle anderen im Krieg gestorbenen Marktbewohner zu bewahren. Für Winderl sei der Abriss des alten Denkmals eine Schande gewesen.


Ein Auge auf Bruchstücke

Ein "Glücksfall" (Brych) sei es für den Denkmalverein gewesen, dass für den Wiederaufbau "unheimlich viel Substanz vorhanden war". Zu verdanken war dies dem früheren Marktrat Anton Ziereis, der über Jahre hinweg ein Auge auf die Bruchstücke gehabt habe, damit sie nicht entfernt wurden. Nach Plänen von Guido Bücherl wurde das Kriegerdenkmal "genauso wie es war" an einem neuem Standort hinterhalb des Friedhofs aufgestellt. Am 18. Juli 1999 wurde es in feierlichem Rahmen beim Bürgerfest eingeweiht.

Mit dem Aussehen eines kleinen Tempels sei das Schwarzhofener Kriegerdenkmal "deutlich außerhalb der Norm anderer Gedenkstätten, die häufig martialischer daherkommen", gibt Friedrich Brych zu verstehen. Das sei auch der Entstehungszeit geschuldet: Als das Denkmal in den 1920er Jahren errichtet wurde, habe der Expressionismus eine große Rolle gespielt. Brych persönlich erinnert es an das Grabmal des persischen Herrschers Kyros II. im Iran.

Nichts mehr zu hören ist mittlerweile von den Diskussionen, die einst der neue Standort des Denkmals "auf grüner Wiese" beim Wiederaufbau ausgelöst hatte. Aus dem Friedhof ist über ein schmiedeeisernes Tor der Zugang zum Ehrenmal möglich, aus Richtung Marktplatz ist es über den Dientzenhofer Weg angebunden. Ein gestaltetes Umfeld mit Granitpflaster, Bepflanzung und Ruhebänken macht den Platz zu einem würdigen Ort für das Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege.

Eine alte Jugendstil-Postkarte mit zwei Ansichten des Kriegerdenkmals am früheren Standort auf dem Schwarzhofener Marktplatz.
Über das Denkmal:

Über das Denkmal

"Hinter'm Friedhof. Kriegerdenkmal, Denkmal für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges der Pfarrei Schwarzhofen in Art eines dorisierenden Kenotaphes, um 1920." - so der Wortlaut des Eintrags in die Denkmalliste. In seiner offiziellen Mittelung über den Nachtrag schreibt Oberkonservator Dr. Christian Dümler dem Schwarzhofener Ehrenmal "große ortsgeschichtliche Bedeutung" zu. Sein Erhalt sei "erforderlich und im Interesse der Allgemeinheit". (mp)

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