18.02.2019 - 17:54 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Der vergessene Widerstandskämpfer

Wer ist "Der stärkste Mann im Katholizismus in Deutschland?" Ortsheimatpfleger und Diplom-Bibliothekar Alfred Wolfsteiner nennt Pater Augustin Rösch.

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von Adolf MandlProfil

Die KLB, der Kulturförderkreis Schwarzhofen sowie der Historische Verein Oberpfalz-Regensburg hatten zu einem Vortrag über den "vergessenen Widerstandskämpfer" ins Pfarrheim eingeladen. Nach langen Recherchen hat Wolfsteiner ein Buch zu Pater Röschs 125. Geburtstag veröffentlicht. Alfred Wolfsteiner schickte voraus, dass Pater Rösch wenig bekannt sei, selbst in seiner Geburtsstadt Schwandorf. Er habe die Verfolgung knapp überlebt, aber nach dem Krieg kaum über seine Rolle im kirchlichen Widerstand gesprochen.

Am 14. September 1912 trat Rösch ins Noviziat des Jesuitenordens in Feldkirch-Tisis in Vorarlberg ein. Gern hätten die Novizen am 7. August 1914 die ersten Gelübde abgelegt, doch brach am 1. August der Erste Weltkrieg aus. Augustin Rösch war "gesund, kriegsverwendungsfähig". Damit war nach Aussage seines Biografen Pater Roman Bleistein eine wichtige Entscheidung für das Leben des Geistlichen gefallen; die Erfahrung des Krieges, der mutige Einsatz, die Verantwortung als Offizier für "seine Leute", der harte Kampf an der Front. Biograf Bleistein resümiert, dass sich das Unerschrocken-Kämpferische seines Charakters ausgeprägt habe, was ihm im Dritten Reich zu Gute gekommen sei. Trotzdem sei Pater Rösch traumatisiert gewesen: "Er hatte Angstgefühle, Depressionen, war menschenscheu."

Im August 1925 erhielt Augustin Rösch die Priesterweihe. Im Juli 1929 wurde er zum Generalpräfekten an der Stella Matutina bestimmt. Einer seiner untergeordneten Präfekten war Alfred Delp. Der gemeinsame Kampf gegen den Nationalsozialismus führte sie später schicksalhaft zusammen.

Im August 1935 wurde Rösch zum Provinzial der Oberdeutschen Provinz der Jesuiten in München bestimmt. Bereits im Januar hatte der Erzbischof von Breslau, Adolf Bertram, vor der nationalsozialistischen Rassenideologie gewarnt. Doch mit der Machtübernahme 1933 veränderte sich das Verhalten der katholischen Kirche, Angriffe und Warnungen wurden eingestellt. "Das Konkordat führte bei vielen Katholiken zu Gewissenskonflikten. In den Reihen der Katholiken, die sich gegen das nationalsozialistische System öffentlich aufgelehnt hatten, gab es die ersten Todesopfer", schilderte Alfred Wolfsteiner das Geschehen der damaligen Zeit. 1939 musste Rösch eine traurige Bilanz ziehen: Viele der Jesuitenhäuser waren enteignet oder besetzt, einzelne Patres angeklagt und verurteilt.

Ab 1942 ging das Verhalten Röschs gegenüber den Nazis in den aktiven Widerstand über. Sein Ziel war es, die Mechanismen des NS-Staates gegen die Orden aufzudecken, die Bischöfe zu informieren und Gegenmaßnahmen vorzubereiten. Doch die Uneinigkeit der Bischöfe bot ein katastrophales Bild der katholischen Kirche, so Alfred Wolfsteiner. Rösch wurde zunächst von einer Familie auf dem Bauernhof versteckt, aber im Januar 1945 verraten, verhaftet und gefoltert. Zu einer Verhandlung gegen ihn kam es nicht mehr. Ein "Volltreffer" zerstörte das Gefängnis, Rösch erhielt einen regulären Entlassungsschein und kam nach einem vierwöchigen Fußmarsch quer durch Deutschland in München an.

Augustin Rösch übernahm im Jahr 1947 die verantwortungsvolle Tätigkeit des Landes-Caritas-Direktors in Bayern. Am 7. November 1961 verstarb Rösch. Die Anwesenheit mehrerer bayerischer Minister und zahlreicher Vertreter des kirchlichen und weltlichen Lebens am Grab bezeugten am Ende seines Lebens seine großen Leistungen.

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