01.10.2021 - 17:32 Uhr
MünchenOberpfalz

Meinung: Seien wir ehrlich, die AfD bleibt länger

Die AfD in Bayern ist offensichtlich mit dem Wahlergebnis bei der Bundestagswahl unzufrieden. Wer darüber nun Schadenfreude empfindet, sollte lieber noch einmal nachdenken, kommentiert Wolfgang Würth.

Den Rücken stärken oder in den Rücken fallen. Bei der AfD ist derzeit nicht klar, wie es intern weitergeht
von Wolfgang Würth Kontakt Profil
Kommentar

Die AfD im Landtag zieht Konsequenzen aus dem Ergebnis der Bundestagswahl. Der scheidende Fraktionsvize Roland Magerl gibt sich entspannt, die Fraktionsmitglieder beschreiben den Wechsel an der Spitze als harmonisch. Die Partei setzt offensichtlich auf bessere Außendarstellung, weil sie mit dem Ergebnis vom Sonntag nicht zufrieden ist. Bevor sich AfD-Gegner nun freuen, sollten sie nachdenken. Denn selbst wenn die Partei verloren hat - eine gute Nachricht ist das Wahlergebnis nicht.

Angesichts der Vorstellung, die die bayerische AfD im Landtag und anderswo seit drei Jahren abliefert, muss man eher die Frage stellen: Was muss passieren, damit sie je unter die Fünf-Prozent-Hürde fällt? Neben dem Dauerstreit in der Fraktion, der bis zur gegenseitigen physischen Verletzung ausgetragen wurde, ist vor allem der irre Gasmasken-Auftritt eines Stefan Löw in Erinnerung. Bei einer Parteiveranstaltung singt der Saal inbrünstig die erste Strophe des Deutschlandlieds. Als der Landtag dem von einem Nazi ermordeten Walter Lübcke gedenkt, bleibt ein AfD-Mann demonstrativ sitzen. Und trotzdem: Die Partei liegt fast bei 10 Prozent.

Man muss der Wahrheit ins Auge blicken: Die Partei ist kein vorübergehendes Phänomen. Wer die AfD nach den vergangenen drei Jahren immer noch wählt, ist auch kein Protestwähler, der den Etablierten einen Denkzettel verpassen will. Diese AfD-Wähler wählen die Partei nicht trotz, sondern wegen ihrer ständigen Verfehlungen.

Immerhin: Der AfD-Anteil in Bayern liegt bei "nur" zehn Prozent. Gut 100 Kilometer weiter nordöstlich, in Sachsen und Thüringen sind es leicht drei bis viermal so viele AfD-Wähler. Wirklich besser macht diese Einsicht die Situation in Bayern aber auch nicht.

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