20.03.2020 - 18:06 Uhr
SelbOberpfalz

Erster Oberpfälzer Corona-Toter: Söder verschärft Maßnahmen weiter

Der Coronavirus breitet sich in Bayern immer schneller aus, und die Staatsregierung greift zu immer schärferen Gegenmaßnahmen. Nachdem es das erste Oberpfälzer Corona-Todesopfer gab, verkündet Markus Söder eine abgemilderte Ausgangssperre.

So wünscht es sich der Ministerpräsident: Ein ausgestorbener Oberer Markt in Weiden.
von Jürgen UmlauftProfil

In Bayern gelten seit Mitternacht wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus für vorläufig zwei Wochen "grundlegende Ausgangsbeschränkungen". Sie ergänzen die seit Mittwoch geltenden Regeln. Den Beschluss verkündete Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Freitag nach einer Telefonkonferenz des Ministerrats. "Wir sperren Bayern nicht zu oder ein, aber wir fahren das öffentliche Leben fast vollständig herunter", sagte Söder. Er begründete die Verschärfung mit der dramatisch ansteigenden Zahl an Infizierten und Toten. Im Krankenhaus in Selb waren zuvor zwei Personen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben, einer davon ein 85-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth.

Arbeitsweg bleibt erlaubt

Söder betonte, dass es sich um keine generelle Ausgangssperre handle. Man orientiere sich an den in Österreich geltenden Regeln. Wege zur Arbeit, zum Arzt und zum Einkaufen bleiben demnach erlaubt, genauso wie Spaziergänge, Gassigehen mit dem Hund und Sport im Freien. Allerdings dürfen alle Betätigungen im Freien nicht in Gruppen stattfinden, außer es handelt sich um Familienmitglieder. Komplett geschlossen werden Gastronomiebetriebe, Speisen dürfen aber mitgenommen oder ausgeliefert werden. Friseure, viele Therapeuten sowie Bau- und Gartenmärkte müssen schließen. Die Besuchsrechte in Alten-, Pflege- und Behindertenheimen werden gestrichen. Besucht werden dürfen nur noch Sterbende. Ähnliches gilt für Krankenhäuser. Dort gibt es aber Ausnahmen für Eltern, deren Kinder behandelt werden, und Väter, die bei der Geburt ihres Kindes dabei sein wollen.

"Corona hat unser Land fest im Griff", erklärte Söder. Mit den neuen Maßnahmen folge man der eindringlichen Forderung der Experten. "Wir bekommen, wenn wir nicht aufpassen, eine ähnliche Tendenz wie in Italien oder Frankreich", sagte Söder. "Es entwickelt sich nicht gut, wir können nicht verantworten, zu warten." Oberstes Gebot sei nun, die Menschen zu schützen, "auch vor sich selbst". "Ab morgen gilt noch viel mehr als jetzt: Bleiben Sie zu Hause, gehen sie nur in Ausnahmefällen raus, feiern Sie keine Partys, laden Sie nicht die Nachbarskinder zum Spielen ein, halten Sie Abstand zu anderen"

Bis zu 25 000 Euro Bußgeld

Viele Bürger würden sich vorbildlich verhalten, es gebe aber noch zu viele, die den Ernst der Lage nicht erkannt hätten. Söder sprach von "unheimlich vielen Gruppenbildungen" in der Öffentlichkeit. "Das können wir nicht mehr akzeptieren." Wer gegen die Verfügung verstößt, muss laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit bis zu 25 000 Euro Bußgeld rechnen.

Erneut mahnte Söder, Hamsterkäufe zu unterlassen. Die Lebensmittelversorgung sei gesichert, "wir haben hier keine Engpässe". Auch die Bargeldversorgung sei nicht in Gefahr. Wie Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) mitteilte, startet an diesem Wochenende die Produktion von medizinischen Schutzmasken in Bayern. Man werde damit drohende Versorgungsengpässe auflösen. Demnächst soll auch eine Produktion für Desinfektionsmittel gestartet werden.

Für die vom Freistaat geplanten Liquiditätshilfen an wegen der Corona-Krise in Not geratene Selbständige und Mittelständler sind nach Angaben Aiwangers seit Mittwoch bereits mehr als 50 000 Anträge eingegangen. Die Auszahlung der Hilfen von bis zu 30 000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen, laufe seit Freitag. Aiwanger appellierte an die Ehrlichkeit der Antragsteller.

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