01.03.2021 - 12:07 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Impfstoff dorthin, "wo es brennt"

Um Solidarität in der Corona-Pandemie bitten die Speichersdorfer Gemeinderäte in einem gemeinsamen Appell. Adressaten sind die eigenen Bürger, aber auch die Staats- und Bundesregierung. Reaktionen seitens der Politik gibt es bisher nicht.

Bürgermeister Christian Porsch hofft beim Kampf gegen Corona auf die Unterstützung der Bürger und der ständigen Impfkommission.
von Hubert Lukas Kontakt Profil

Aktuell zählt das Gesundheitsamt 48 Covid-19-Infizierte (Stand vom Sonntag, 28. Februar) in der Gemeinde Speichersdorf. Die kommunalen Mandatsträger um Bürgermeister Christian Porsch appellierten daher in ihrer Sitzung vor einer Woche an die Bevölkerung, die geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung einzuhalten. Auch sollten Hotspot-Regionen wie derzeit die Kommune besser mit Impfdosen versorgt werden.

Bürgern "reicht's langsam"

Wie Rathauschef Porsch einige Tage nach dem Aufruf berichtet, sind Reaktionen ausgeblieben. Die Verwaltung erreichten wegen Corona zwar dauernd Anrufe von Bürgern, denen die Mitarbeiter meist nur bedingt weiterhelfen könnten, doch seitens der Politik sei noch nichts gekommen. "Der Ministerpräsident hat sich noch nicht gemeldet", scherzt er, obwohl auch ihm dazu nicht zumute ist. Die Bürger seien der Auffassung, dass es nach wochenlangem Lockdown "jetzt mal langsam reicht". Doch "wir werden Wochen und Monate brauchen, um da durchzukommen", macht sich Porsch keine Hoffnung auf rasche Besserung. In dieser Lage helfe nur zusammenzustehen.

Der Rathauschef hat Verständnis dafür, dass "die Leute raus wollen. Sie lechzen regelrecht danach sich zu treffen." In diesem Zusammenhang muss er an ein Erlebnis vom vergangenen Mittwochnachmittag denken, um der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung genüge zu tun. "Da haben wir Kinder vom Fußballspielen abhalten müssen", weil die Mutante auch bei jungen Menschen hoch ansteckend seien. "So etwas tut einem selber in der Seele weh", bedauert Porsch das Vorgehen. Als Kommunalpolitiker wolle er den Menschen helfen und nicht mit erhobenem Zeigefinger herumlaufen.

Die Gemeinde sei aufgrund ihrer geografischen Lage mit unmittelbarer Nähe zu Grenzlandkreisen zu Tschechien aktuell eine Hotspot-Region. Diese solle sich die Impfkommission zur Bewertung von Einzel- und Härtefällen, die am Donnerstag in Bayern ihre Arbeit aufgenommen hat, genauer anschauen, wünscht sich Porsch. Tests und Impfstoffe sollten dorthin ausgeliefert werden, "wo es brennt", um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

"Wir werden Wochen und Monate brauchen, um da durchzukommen."

Bürgermeister Christian Porsch

Speichersdorf liege an der Grenze des Bezirks Oberfranken und des Landkreises Bayreuth, verdeutlicht Porsch. Diese besondere Stellung sollte besonders gewürdigt werden, findet er. Denn in den angrenzenden Landkreis Tirschenreuth hatte die Staatsregierung mobile Test-Teams geschickt, so ebenfalls in die Nachbarstadt Kemnath. "Und die 1000 Impfdosen (für jeden Landkreis an der Grenze zu Tschechien) erreichen uns auch nicht", klagt der Bürgermeister. Für das Ausmaß des Dilemmas nennt er zwei Zahlen. In der Gemeinde lebe etwa jeder vierte Infizierte im Landkreis, "aber wir sind nicht ein Viertel des Landkreises".

Diffuses Infektionsgeschehen

Gefragt nach dem Grund für die hohe Zahl an Infizierten verweist Porsch auf Aussagen des Gesundheitsamtes in Bayreuth, welches ihm dafür "die Grenzlage zur ersten Landkreisreihe zu Tschechien" genannt habe. Dazu komme ein hoher Anteil von Mutationen. "Es gibt aber keinen Hotspot in der Gemeinde", betont der Rathauschef. Das Seniorenheim sei frei von Corona. Auch sei kein konkreter Fall als Auslöser bekannt, das Infektionsgeschehen sei diffus.

Das Infektionsgeschehen veranlasste den Gemeinderat zu einem Aufruf

Speichersdorf

Der Gemeinde und ihm als deren Oberhaupt bleibt fast nur, an die Bürger zu appellieren, sich an die Hygiene- und Schutzmaßnahmen zu halten. Sogar mit einer Videobotschaft hat sich Christian Porsch bereits an die Einwohner gewandt. "Wir informieren zudem täglich auf allen Kanälen (unter anderem Gemeinde-Homepage und Facebook), die uns zur Verfügung stehen", um für Transparenz bei der aktuellen Entwicklung zu sorgen.

 

 

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