20.09.2018 - 10:13 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Kulm von Windrädern frei halten

Der Widerstand gegen den Bau von Windrädern auf dem Höhenzug zwischen Rauher Kulm und Vorbach/Ramlesreuth formiert sich. Mit der neuen Bürgerinitiative "Windparkfreie Heimat rund um den Rauhen Kulm" erhält der Protest jetzt Strukturen.

Das Steuerungsgremium der Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat rund um den Rauhen Kulm“ bilden (von links) Berthold Bergner, Gerd Neubauer, Winfried Hübner, Peter Stickling, Andreas Hader, Bettina Stickling, Melanie Herrmann, Heidi Schäffler, Wendelin Leiter und Karlheinz Schultes.
von Autor HAIProfil

Auslöser sind die Planungen des Windparks Frankenpfalz mit sechs Windrädern durch die Neuen Energien West (NEW eG). Wie berichtet, möchte die Genossenschaft mit Sitz in Grafenwöhr je drei Anlagen auf südlichem Speichersdorfer Gebiet und im nördlichen Bereich des Speinsharter Forstes in Sichtweite zum Rauhen Kulm errichten.

Bereits bei Bekanntwerden des Vorhabens hatte sich teils heftiger Widerstand, vor allem in den betroffenen Ortsteilen, geregt. In einer Informationsveranstaltung in der Speichersdorfer Sportarena Ende Juni brachte die Bevölkerung massive Bedenken vor. Mit der Gründung der Bürgerinitiative (BI) wird der Widerspruch nun in fachlich fundierte und institutionalisierte Strukturen gelenkt. In zwei Vorbereitungssitzungen haben Interessierte aus vier den Gemeinden Neustadt am Kulm, Speichersdorf, Speinshart und Vorbach die Gremien personell besetzt und einen Katalog mit Aktivitäten beschlossen. An der Spitze steht ein zehnköpfiges Steuerungsgremium mit Berthold Bergner, Heidi Schäffler, Wendelin Leiter und Karlheinz Schultes (Neustadt am Kulm), Gerd Neubauer, Andreas Hader, Melanie Herrmann (alle Speichersdorf), Winfried Hübner (Speinshart) sowie Peter und Bettina Stickling (Vorbach). Unterstützt werden sie von einer Interessentengruppe, der inzwischen über 50 Mitglieder auch aus angrenzenden Gemeinden angehören. Die fachliche Arbeit wird in Arbeitskreisen organisiert.

Oberstes Ziel der BI ist die Verhinderung jeglicher Windkraftanlagen auf dem Höhenzug der Landkreisgrenze Bayreuth/Neustadt an der Waldnaab in Sichtweite zum Rauhen Kulm. Dies will sie erreichen durch Information der Öffentlichkeit über das Vorhaben und seine negativen Folgen. Der Rauhe Kulm als landschaftsprägendes, seit 1949 geschütztes Naturdenkmal und seit 2013 Naturwunder Deutschlands, würde in seiner Wirkung massiv eingeschränkt werden, meint Peter Stickling. Der Windpark würde vom Fahren-, Sophien- und Zinster Berg, Kitschenrain, Parkstein, von Großschönreuth und Waldeck aus die Sichtachse und Blickbeziehung beeinträchtigen. Auch sei der ganze oberpfälzische Teil Landschaftsschutzgebiet und der Speinsharter Forst Teil des Naturparks Oberpfälzer Wald. Hier würden der geschlossene Waldgürtel als Natur- und Kulturlandschaft sowie als Lebensraum und Naherholungsgebiet zerstört sowie das homogene Orts- und Landschaftsbild massiv beeinträchtigt werden.

Bereits im Dezember 2012 hatte der Speinsharter Gemeinderat einstimmig den Bau von Windenergieanlagen aus Gründen der "Verunstaltung der Natur- und Kulturlandschaft in der Blickachse des historischen Klosterdorfes zum Barbaraberg und zum Rauhen Kulm" abgelehnt. "Was für das Kloster Speinshart als Kulturdenkmal billig ist, muss auch für das Naturdenkmal Rauher Kulm recht sein", fordert Winfried Hübner.

Pro Windrad würden über 1500 Quadratmeter Grund benötigt, rechnet Gerd Neubauer vor. Dazu kämen vier bis fünf Hektar zum Aufbau und für Straßen für den Transport. Unmengen an Bäumen müssten gerodet und riesige Schneisen geschlagen werden. Fundamente müssten 40 Meter tief versenkt werden. Informieren will die Bürgerinitiative auch über gesundheitliche Gefahren. "Durch die Kombination aus Infraschall, tieffrequentem Hörschall und Köperschall (Vibrationen) reichen oft schon sehr geringe Pegel, um eine gesundheitlich negative Beeinflussung herbeizuführen", betont Dr. Berthold Bergner.

In Arbeitskreisen kümmern sich jeweils zwei Mitglieder um die Schwerpunkte Heimat und Natur, Gesundheit und Gefahren, Wirtschaftlichkeit und Technik, Energierecht und Kommunalrecht. Die Themen werden in Fachvorträgen aufgegriffen. Ein erster Schritt sollen ein Flyer sowie eine eigens gestaltete Homepage sein. Auch werden Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Ebenso suche die BI den Dialog mit Bevölkerung, Verantwortlichen der NEW eG, politischen Entscheidungsträgern, Naturschützbehörden und Regierungen, betont Stickling.

Höher als der Kulm mit Aussichtsturm:

246 Meter hohe Windräder neben dem Rauhen Kulm? „Das ist für uns ein Nogo“, sagt der zweite Bürgermeister der Kulmstadt, Karlheinz Schultes. „Das wird alles übertreffen, was bislang in Bayern gebaut wurde.“ Die vier höchsten Windräder der Welt in Gaildorf im Landkreis Schwäbisch Hall, die Ende 2017 ans Netz gingen, erreichen eine Gesamthöhe von 246,5 Metern. Der Rauhe Kulm würde in der Anzahl an Windrädern den Standort Gaildorf sogar noch übertreffen.

Zwischen Tremau und Ramlesreuth liege der geplante Windpark bei 502 Meter über Normalnull, das Naturdenkmal Rauher Kulm selbst bei 683 Meter über Normalnull, meint Schultes. Die Anlagen würden damit sogar den Aussichtsturm überragen. Auch werden in den Kulm-Tourismus rund um das Info-Zentrum Rauher Kulm aktuell 800 000 Euro investiert. „Wer will schon die Aussicht auf Windräder genießen?“

„Wir wollen niemand bevormunden. Jeder soll sich seine Meinung bilden. Wir erwarten aber schon, dass die Politiker und Entscheidungsträger Farbe bekennen und sagen, ob sie das alles für verhältnismäßig finden.“ In den sozialen Medien werden dafür die Hashtags #FUERMEIHEIMAT und #NEDMEIDAHAM eingerichtet. Die Bürgerinitiative werde – sofern erforderlich – alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, vom Bürgerentscheid bis zur höchstrichterlichen Entscheidung. (hai)

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Kommentare

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Alexander Bromberger

Ich kann nur immer wieder bitten, sachlich richtige Informationen zu verbreiten. Ab einem gewissen Maß macht man sich einfach nur lächerlich. 40m tiefe Fundamente ist einfach nicht richtig liebe BI.

21.09.2018

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