29.08.2019 - 10:24 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Kultur und Feste zurück ins Dorf

Die Orte Windischenlaibach und Plössen haben ein Gemeinschaftshaus. Nun wollen auch die Wirbenzer was Größeres zum Feiern.

Der neue Standort der geplanten Kulturscheune.
von Arnold KochProfil

Dem Gemeinderat lag in seiner Augustsitzung ein Antrag des neu gegründeten Arbeitskreises der Gemeinschaft aller Wirbenzer Vereine für ein großes Gemeinschaftsobjekt zur Beratung vor: Eine Kulturscheune soll gebaut werden. In ihrem Antragsschreiben wird erläutert, dass in den vergangenen Jahren die Wirbenzer Vereine, Bürger und die evangelische Kirche vor allem aber die Wirbenzer Jugend keinen Veranstaltungsort mehr hätten, wenn die Teilnehmerzahl 40 Personen übersteigt.

Grund dafür sei das Sterben ländlicher Wirtshäuser, das auch den Ort mit der Schließung von zwei Wirtshäusern mit je einem Veranstaltungssaal heimgesucht habe. Die Gaststätte Hartmann sei bereits geschlossen, die der Familie Schindler öffne nur mehr einmal pro Monat von Freitag bis Sonntag, der Schindler-Saal sei nicht mehr verfügbar. Das kirchliche Gemeinschaftshaus eigne sich nicht für Vergnügungsveranstaltungen und Aufführungen wie die Frühjahrs- und Herbstkirchweih. Auch Bunte Abende und Theateraufführungen oder Adventsfeiern, die die Dorfgemeinschaft und ländliche Kultur stärkten, seien seither nicht mehr möglich.

Die Antragsteller argumentieren, dass durch die Kulturscheune diese Traditionsveranstaltungen wieder neu zum Leben erweckt werden und Großereignisse wie die Kirchweih arbeitserleichternd abgehalten werden könnten. In den vergangenen Jahren konnte nur mehr die Herbstkirchweih abgehalten werden. Die Arbeitsintensität für Zeltauf- und -abbau mit Bodenverlegen, Aufbau von Verpflegungsständen und WC-Anlagen sei zu groß geworden. So gehe es auch anderen Ortsvereinen, die früher mit Vereinsfesten die Dorfgemeinschaft und Geselligkeit stärkten.

Veranstaltungs- und Lagerort

Der Personalaufwand sei nicht mehr zu bewältigen. Dazu kämen die stetig wachsenden Ausgaben für Mieten, Transport und weiteres. Dies betreffe alle Wirbenzer Vereine, wie Männergesangs- und Kriegerverein, Feuerwehr, Kirchweihgesellschaft, Kegelverein, Dorfgemeinschaft und evangelische Kirche Wirbenz. In ihrem Antrag verwiesen die Vereine auf die bei vielen Vereinen getätigten Anschaffungen vom Grill über Bierzeltgarnituren, Theken, Partyzelte oder Bauzaun. Wie diese seien zudem zahlreiche Brauchgegenstände vom Fahnenmast bis zur Feuerlöschkutsche bei Mitgliedern in Scheunen und Nebengebäuden untergebracht.

Die Kulturscheune könne somit als Veranstaltungs- als auch als Lagerort Verwendung finden. Sie soll nach Norden hin an das bestehende Feuerwehrgerätehaus in einer Größe von 35 mal 12 Meter in Ost-West-Richtung auf dem vorhandenen Gemeindegrundstück angebaut werden. Zwischen dem Gerätehaus und der Kulturscheune soll ein Zwischenbau mit Ausschank, Getränke- und allgemeines Gerätelager und Toilettentrakt entstehen. Der bestehende Bolzplatz bleibt dabei erhalten. Der Zwischenbau muss frostfrei errichtet werden. Die Kulturscheune ist als Kalthalle konzipiert. Der dafür gegründete Arbeitskreis ermittelte Baukosten in Höhe von rund 155 500 Euro. Alle Bauleistungen sollen bis auf die Zimmererarbeiten durch Eigenleistungen erbracht werden.

Bürgermeister Manfred Porsch zeigte sich vom Bedarf und Zweck der Kulturscheune überzeugt. Eine telefonische Rückfrage beim Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg ergab, dass dafür eine Förderung nach den Dorferneuerungsrichtlinien grundsätzlich möglich sei. Zur förderrechtlichen Beurteilung sind die Vorlage von konkreten Planungsunterlagen mit -beschreibung sowie eine entsprechende Begründung des Projektes notwendig. Sofern die Fördervoraussetzungen erfüllt sind, ist mit einem Zuschuss von 60 Prozent der förderfähigen Kosten zu rechnen. Ähnliche Projekte für Dorfgemeinschaften wurden bereits in den Ortschaften Lindau und Alladorf im Landkreis Kulmbach errichtet.

Porsch betonte, dass durch die Wirtshausschließungen keine anderen Raummöglichkeiten mehr vorhanden sind, um das Vereinsleben zu ermöglichen. Die Gemeinde würde sich mit zehn Prozent an den Baukosten beteiligen. Das Gemeindeoberhaupt wies darauf hin, dass die Gemeinde als Antragsteller und Träger auftreten und einen Architekten mit der Planung beauftragen müsse. Er ergänzte, dass seitens des Kreisbauamtes eine Baugenehmigung möglich ist, da das Gebäude nur teilweise in den Außenbereich hineinragt. Für den Betrieb muss sich ein Vertragspartner wie die Dorfgemeinschaft finden.

Beschluss gefasst

In der Diskussion wies der Gemeinderat darauf hin, dass funktionierende Beispiele mit Gemeinschaftshäusern in der Kommune bereits vorhanden sind. Ähnliche Anlagen sollten gemeinsam besichtigt werden. Zudem müssten die Eigenmittel aller beteiligten Vereine ermittelt werden, um die geschätzten ein Drittel Eigenmittel und die Gesamtfinanzierung stemmen zu können.

"Bürger, Vereine und die Gemeinde stehen hinter diesem Bauvorhaben. Wir werden die Planungen aufnehmen und den Förderantrag hinzu vorbereiten und mit dem Amt abstimmen", schloss Porsch. Per Beschluss stellte sich das Gremium hinter das Gemeinschaftsvorhaben.

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