19.07.2021 - 16:26 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Phosphat macht Kläranlagensanierung in Speichersdorf teurer

Mit einem Gesamtvolumen von 10,8 Millionen Euro unterstützt mit einem Zuschuss von 1,9 Millionen Euro geht die Gemeinde die Sanierung ihrer Kläranlage an. Auch die Bürger finanzieren mit

In der Bürgerversammlung in der Sportarena erfuhren die Zuhörer, in welchem Umfang sie zur Finanzierung der Sanierung und Erweiterung der Kläranlage zur Kasse gebeten werden.
von Arnold KochProfil

Ein Hauptpunkt der Bürgerversammlung war die Erweiterung und Modernisierung der Kläranlage. Dazu begrüßte Rathauschef Christian Porsch die Diplomingenieure Stefan Wolf und Detlev Wedi als Referenten. Zunächst erläuterte ein Video Notwendigkeit, Finanzierung und Zahlungsmodalitäten der von 4999 auf 8000 Einwohnergleichwerte aufgerüsteten Kläranlage.

Die Gesamtkosten belaufen sich aktuell auf 10 778 000 Euro. Es werden rund 1,9 Millionen Euro an Zuschüssen fließen, so dass 8 878 000 Euro auf die Nutzer umgelegt werden können. Es gibt einen einstimmigen Beschluss, die Baukosten mit 80 Prozent über Beiträge und 20 Prozent über Gebühren zu finanzieren.

Bei einer 100-prozentigen Gebührenfinanzierung müsste der Abwasserpreis im nächsten Kalkulationszeitraum von vier Jahren auf zunächst rund 5 Euro pro Kubikmeter angehoben werden. Ein anschließendes Sinken ist nicht zu erwarten. Die Raten des Verbesserungsbeitrages werden im Oktober 2021, 2022 und 2024 erhoben. Für ein Einfamilienwohnhaus mit rund 291 Quadratmetern Geschossfläche würde ein Beitrag von 2418 Euro mit 960 Euro als erste Rate fällig werden. Für ein Zweifamilienwohnhaus mit 456 Quadratmetern würden 3789 und für ein landwirtschaftliches Anwesen mit 700 Quadratmetern 5817 Euro anfallen.

Stefan Wolf erläuterte die technische Seite. Die zugelassenen biologischen Belastungsparameter der Ablaufwerte des gereinigten Abwassers sind alle überschritten, die Anlage ist überlastet und zeigt nach 32 Jahren erhebliche Verschleißspuren.

Künftig wird Phosphat im Abwasser eliminiert. Der Grenzwert unterhalb 1 Milliliter pro Liter wird eingehalten und der Klärschlamm ausgefault. Einen Großteil der Baukostensteigerung verursacht diese vom Wasserwirtschaftsamt geforderte Phosphatelimination. Das hierdurch entstehende Gas wird zur Erzeugung von Wärme und Strom zu Betriebszwecken genutzt. Durch die Verringerung des Klärschlammvolumens können Entsorgungskosten vermindert werden.

Zudem weist das Abwasser einen hohen Stickstoffanteil auf, der zu einer Vergrößerung des Beckenvolumens von 1800 auf 2250 Kubikmeter und Bau eines weiteren Stahlbetonbeckens mit 500 Kubikmeter Inhalt zur Denitrifikation führt. Das separate Betriebsgebäude ist bereits im Bau. Durch den erweiterten Bauumfang erhöhten sich die befestigten Flächen und Rohrleitungslängen. Hinzu kamen ein gesondertes Fällmittelsilo samt Befüllfläche und Havarieraum, die Vorort- und Fernbedienung samt EDV-Anlage sowie die Photovoltaikanlage. Mit der Erhöhung der möglichen Zuflussmenge von 50 auf 75 Liter/Sekunde ist man auch für den Anstieg der Abwassermengen gerüstet und hat bei der Reinigungsleistung rund 20 Prozent Reserven. Falls gesetzlich gefordert, kann eine vierte Reinigungsstufe für Hormone und Medikamentenrückstände angehängt werden.

In der Diskussion beantworteten die Experten Fragen der Bürger:

Wird die Niederschlagswassergebühr zweckgebunden verwendet?

Die Gemeinde nimmt rund 120 000 Euro/Jahr an Niederschlagswassergebühren ein. Diese fließen in die Gesamteinnahmen der Abwasserbeseitigung ein und werden mit den Schmutzwassergebühren zur Deckung des Betriebs und Unterhalts der gesamten Abwasser- und Niederschlagswasseranlagen samt 90 Kilometer Kanälen verwendet.

Zahlen der Freistaat oder der Kreis für Straßenabwässer?

Gebühren können nicht erhoben werden. Die Einleitung wurde mit einem Pauschalbetrag abgegolten.

Müssen Häuslebauern, die erst nach Erlass des Verbesserungsschlussbescheides beitragspflichtig werden, auch einen Verbesserungsbeitrag zahlen?

Der Verbesserungsbeitrag kann nicht von künftigen Anschlussnehmern erhoben werden. Aber nach der Festsetzung des endgültigen Beitrages muss auch der für Neubauten festgesetzte Beitragssatz neu kalkuliert werden, wobei der nicht finanzierte Teil des Gesamtkosten einfließt und zu einer ausgleichenden Gebührenanhebung für Neuanschließer führt.

Warum wird nur ein Geschoss- und kein Grundstücksflächenbeitrag erhoben?

Die Kläranlage dient zur Schmutzwasserbehandlung. Dies fällt fast ausschließlich auf Geschossflächen mit Schmutzwasserableitung an.

Warum wird der Eigenanteil der Gemeinde nicht stärker auf die Verbrauchsgebühr und weniger auf die Geschossfläche umgelegt?

Die vermehrte Umlegung auf die Abwassergebühr würde zu deren erheblichen Steigerung führen und die Verschuldung nach oben treiben. Die Umlegung über einen Geschossflächenbeitrag ist die gängigste und rechtssicherste Art, den Aufwand für die kostenrechnende Einrichtung auf Nutzer verteilen.

Können noch Kostensteigerungen eintreten?

Nach Abschluss der Ausschreibungsverfahren sind die Preise in den Leistungsverzeichnissen festgeschrieben. Gemeinde und Ingenieurbüro werden alles tun, um Kostenmehrungen durch teure Nachträge zu vermeiden.

Wird für die Kostenbeteiligung an der Verbesserung der Kemnather Kläranlage ein weiterer Beitrag erhoben?

Zusätzlich zum erwähnten Verbesserungsbeitrag wird kein weiterer Beitrag erhoben. Alle Gemeindeteile, sowohl jene mit Anschluss an die Kläranlage der Stadt Kemnath als auch Orte mit eigener Kläranlage, sind Bestandteil der Einrichtungseinheit. Alle Eigentümer angeschlossener Anwesen und Grundstücke werden mit dem gleichen Beitrag belastet.

Auch andere Themen bewegten die Besucher der Bürgerversammlung

Speichersdorf
Hintergrund:

Chronologie bis Spatenstich

  • 2008: Erste Gespräche über eine Generalsanierung.
  • 2017: Generelle Ratsentscheidung, die Anlagenkosten über Beiträge und Gebühren zu finanzieren.
  • 2018: Änderung der Rechtsgrundlagen und Forderung des Wasserwirtschaftsamtes
    erforderten kostenintensive Umplanungen zur Verbesserung der Reinigungsleistung.
  • 2020: Baufreigabe, europaweite Ausschreibungen und Vergaben im März sowie Spatenstich im November.

 

 

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