06.11.2020 - 15:01 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Sanierung und Umbau der Kläranlage beginnt

Ohne großes Aufheben startete die Gemeinde mit dem Spatenstich ganz leise seine bisher größte Baumaßnahme: Mittlerweile zwölf Jahre laufen die Planungen zur Generalsanierung der Kläranlage Speichersdorf.

Spatenstich Kläranlage Speichersdorf Beim Spatenstich v.l. Klärwärter Klaus Pühl, Bauamtsleiter Thomas Schneider, 1. Bgm. Christian Porsch, Geschäftsführer Volker Ziegler, stellvertr. Klärwärter Christian Veigl
von Arnold KochProfil

Seit Mittwoch geht es mit dem Spatenstich an die Umsetzung. Das Wasserwirtschaftsamt Hof gab dazu im September mit der baufachlichen Stellungnahme grünes Licht. Zwischenzeitlich liegt auch die Baugenehmigung des Landratsamtes Bayreuth für das Großprojekt vor, das der Gemeinderat im Oktober einstimmig auf den Weg gebracht hat. Die Generalsanierung ist mit einer veranschlagten Bausumme von 9,1 Millionen Euro das größte Bauprojekt in der Geschichte der Gemeinde.

Nach 30 Jahren veraltet

Aufgrund der Corona-Pandemie verzichteten die Verantwortlichen auf einen großen Spatenstich mit gemeinsamer Feier. Bei herrlichem Spätherbstwetter kamen Volker Ziegler, Geschäftsführer der mit dem Bau des Betriebsgebäudes beauftragten Speichersdorfer Baufirma König, Bauamtsleiter Thomas Schneider, Klärwärter Klaus Pühl und dessen Stellvertreter Christian Veigl an der künftigen Baugrube in der bestehenden Kläranlage zusammen. "Mit der Generalsanierung und Erweiterung unserer Kläranlage investieren wir in die Zukunft unserer Gemeinde. Wir sorgen damit in eigener kommunaler Trägerschaft für eine saubere, umweltfreundliche und zukunftssichere Abwasserentsorgung", freute sich Bürgermeister Christian Porsch über den Baubeginn.

Mit der Generalsanierung und Erweiterung unserer Kläranlage investieren wir in die Zukunft unserer Gemeinde. Wir sorgen damit in eigener kommunaler Trägerschaft für eine saubere, umweltfreundliche und zukunftssichere Abwasserentsorgung.

Bürgermeister Christian Porsch

Die bestehende Kläranlage mit einer Reinigungsleistung von 4999 Einwohnergleichwerten (EWG) wurde 1989 in Betrieb genommen. Nach 31 Jahren entspricht die Anlage in den Bereichen Arbeits- und Explosionsschutz und vor allem bei der gesetzlich vorgeschriebenen Reinigungsleistung nicht mehr den aktuellen Anforderungen, wie Bürgermeister Porsch betonte.

Ende der Baumaßnahme 2023

Speichersdorf hat sich zudem in den vergangenen drei Jahrzehnten gut entwickelt. Zahlreiche Ortsteile sind über neue Kanalsammler an die Kläranlage angeschlossen worden. Weitere Baugebiete sind in Planung, so dass eine Erweiterung auf nunmehr 8000 EWG dringend nötig war. Diese wird nun Zug um Zug umgesetzt.

In der Septembersitzung informierte Bürgermeister Christian Porsch über den Stand in Sachen Kläranlagensanierung

Speichersdorf

In der Oktobersitzung vergab der Gemeinderat die Baumeisterarbeiten für das neue Betriebsgebäude an die ortsansässige Baufirma König, die Sanitär- und Heizungsleistungen an die ebenfalls ortsansässige Firma Nachtmann sowie die Erneuerung des Regenwasserkanals DN700 an die Firma Karl Roth aus Wunsiedel. "Unser Ziel, durch die Herauslösung bestimmter Gewerke aus der europaweiten Ausschreibung auch regionale Firmen an der Baumaßnahme zu beteiligen, ist aufgegangen", unterstrich Porsch. Die Angebote liegen unterhalb der Kostenschätzung der mit der Planung beauftragten Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Kläranlage Speichersdorf, in der mehrere Planungsbüros zusammenarbeiten. Noch vor dem Winter wird das Fundament für das rund 600 000 Euro teure Betriebsgebäude gelegt, wie Ziegler erläuerte. Laut Bauzeitenplan soll diese Maßnahme bis Mitte 2021 abgeschlossen sein. Die Erneuerung des Regenwasserkanals beginnt im Frühjahr. Dann wird der Gemeinderat die weiteren Vergaben der europaweiten Ausschreibungen in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinen- und Verfahrenstechnik sowie Bautechnik vornehmen. Die Baumaßnahme soll Mitte 2023 abgeschlossen sein.

Hintergrund:

Kostensteigerung

Die Vertreter der ARGE – die Ingenieur- und Planungsbüros Wolf aus Kemnath, Zwick aus Weiden, Wedi aus Braunschweig, Hopf aus Creußen und Raps aus Speichersdorf – standen den Gemeinderäten in der Oktobersitzung knapp zwei Stunden Rede und Antwort, wie das Rathaus mitteilte. Im Mittelpunkt stand die Kostenentwicklung. Im Mai 2019 beliefen sich die voraussichtlichen Kosten für die Kläranlagensanierung und -erweiterung nach den Ausführungen der ARGE noch auf 7,6 Millionen Euro, im April diesen Jahres nannten die Ingenieurbüros gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt Kosten von 9,1 Millionen Euro. Die Förderung beträgt nach heutigem Stand rund 1,6 Millionen Euro.

Eine Entwicklung, die in der Gemeinderatssitzung intensiv hinterfragt wurde. Bauingenieur Stefan Wolf erläuterte die Kostensteigerung mit zusätzlichen Kostenblöcken bei der Heizung und der Faulung, die in den ersten Berechnungen nicht berücksichtigt worden waren. Zudem seien nun mehr Reserven für Betonsanierung und Unvorhergesehenes einbezogen worden. Einen großen Kostenblock stellen auch die stetigen Steigerungen im Baupreisindex dar, da die Baukonjunktur trotz Coronakrise nicht nachgelassen habe. Ob die höheren Summen wirklich benötigt würden, muss sich bei den Ausschreibungsergebnissen und mit fortschreitendem Bauverlauf zeigen. Vor dem Hintergrund des im Jahr 2023 auslaufenden Wasserrechtsbescheids und einer Bauzeit von über zwei Jahren votierte der Gemeinderat einstimmig dafür, die europaweite Ausschreibung nun auch auf den Weg zu bringen. Zudem einigten sich die Räte darauf, Angebote einzuholen, um die prognostizierten Kostensteigerungen durch eine unabhängige Institution prüfen zu lassen.

Christian Porsch skizzierte die weitere Vorgehensweise: Nach erfolgter Ausschreibung und dem Vorliegen der Ist-Zahlen wird der Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung nochmal über die Kostenverteilung auf Verbesserungsbeiträge und Gebühren beraten. Die Ergebnisse sollen den Bürgern dann in einer eigenen Bürgerveranstaltung im Frühjahr vorgestellt werden.

Spatenstich Kläranlage Speichersdorf Beim Spatenstich v.l. Klärwärter Klaus Pühl, Bauamtsleiter Thomas Schneider, 1. Bgm. Christian Porsch, Geschäftsführer Volker Ziegler, stellvertr. Klärwärter Christian Veigl
Spatenstich Kläranlage Speichersdorf Altes Klärbecken
Spatenstich Kläranlage Speichersdorf
Spatenstich Kläranlage Speichersdorf Altes Belebungsbecken
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