21.12.2021 - 15:05 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Mit über 1000 Weihnachtspäckchen von Speichersdorf ins Ahrtal

Für viele Kinder in der Krisenregion des nordrhein-westfälischen Ahrtals wird der Kodlitzer Alexander Krauß zum Christkind. Für sie hatte er einen ganzen Anhänger vollgeladen.

300 eigens ergänzte und verpackte Päckchen konnte Alexander Krauß (Dritter von links) aus den Händen der Falken Claudia Fischer, Sandra Redel und Karin Gillich (von links) entgegennehmen.
von Autor HAIProfil

Mit 1087 Weihnachtspäckchen hat sich der 19-jährige Alexander Krauß auf den Weg ins 460 Kilometer Ahrtal gemacht. Im Verteilzentrum Bad Neuenahr stieß er zum Aktionsbündnis für Kinder in Deutschland e.V., das eine bundesweite Schuhkarton-Weihnachts-Aktion organisiert hat. Am Samstag wurden die Päckchen an Kinder verteilt. Krauß wird auch über Weihnachten und Silvester dortbleiben, um weiter zu unterstützen, wo handwerkliche Hilfe gebraucht wird. Parallel hat er über die Kreisverwaltungsbehörden Kontakt aufgenommen zu Kindergärten, um zu sehen, was dort materiell und hilfemäßig erforderlich ist.

Der 19-jährige Handwerker aus Nairitz war bereits an zwei langen Wochenenden im Juli und August für jeweils fünf Tage im Katastrophengebiet als ehrenamtlicher Fluthelfer im Einsatz (wir berichteten). Spezialisiert auf Wasserschadensanierung, hat er damals auch 15 seiner Trockengeräte in den betroffenen Gebieten zur Verfügung gestellt. Das Ausmaß der Katastrophe und die Erinnerungen an die Menschen und ihr Leid hatten ihn aber auch danach zu keiner Zeit losgelassen. Vor allem das Schicksal der Kinder und Jugendlichen beschäftigte ihn. Sie seien mit die Hauptleidtragenden. "Das eigene Haus, die Schule oder den Kindergarten so zerstört zu sehen, ist für viele eine enorm psychische Belastung", weiß er.

Auf Facebook und mit Packliste

Überzeugt davon, dass jeder mithelfen und ein Päckchen packen kann, entstand seine Idee einer "Weihnachtspäckchen-Aktion". Gerade zu Weihnachten sei es wichtig, vor allem den Kindern eine Freude zu machen, so Krauß. In einem in Facebook eingestellten Flyer-Aufruf beschrieb er kurz die ungebrochen anhaltende Katastrophensituation, entwickelte eine Packliste und bat darum, bis kurz vor Weihnachten Schuh-Kartons mit neuwertigen Spielsachen, Naschereien, Drogerieartikeln, Malsachen und auch mit einem persönlichen Weihnachtsgruß zu packen und zu verzieren.

Sammelstelle auch im Rathaus

Das Einwohnermeldeamt und die Bücherei der Gemeinde Speichersdorf unterstützten die Aktion als Sammelstellen. Die Kinder- und Jugendgruppe Die Falken um Vorsitzende Sandra Redel und Gemeinderätin Claudia Fischer kümmerten sich um noch mehr mediale Werbung. Die Mitglieder hängten Plakate an publikumsträchtigen Punkten auf, stellten die Aktion auf Homepages sowie in sozialen Medien ein und kümmerten sich um Zeitungsberichte. Claudia Fischer wandte sich auch an das Studio von Bayern1 mit der Bitte um Unterstützung. Ihr Anliegen fiel auf fruchtbarem Boden. Oberfrankenkorrespondentin Christina Kreutzer kam mit ihrem Team nach Speichersdorf für einen Radio- und Fernsehbericht. Zudem öffneten die Falken an drei Wochenenden ihr Falkenheim in der Goethestraße als Sammel- und Verpackungsstelle.

Zweites Zimmer nötig

Die hohe mediale Präsenz sollte sich auszahlen. Denn was in den folgenden Wochen bis zum Abgabeschluss am Mittwoch, 15. Dezember, eingegangen war, sprengte alle Erwartungen. Mit so einer großen Resonanz hatten weder Krauß noch die kühnsten Optimisten gerechnet. In der Rathausverwaltung trudelten Päckchen aus dem ganzen Landkreis, aus ganz Bayern und selbst per Paketdienst aus Schleswig-Holstein ein. Eine Spenderin fuhr aus 50 Kilometer Entfernung an, um sich an der Aktion zu beteiligen, berichtete Heidi Lauterbach vom Sozialamt. Schnell reichte ein Raum nicht mehr aus, sodass im Rathaus kurzerhand ein zweites "Geschenkezimmer" eingerichtet werden musste. Am Ende waren es 300 Pakete, die Krauß hier am Mittwoch abholen konnte.

In weiteren 300 Päckchen und zwei Kisten Spielgeräte und Spielesammlungen wurden von den Falken an drei Samstagnachmittagen gespendete Artikel fertig verpackt. Um Päckchen entsprechend der Packliste zu vervollständigen, wurden beim Einzelhandel, bei Banken und Betriebe weitere Spenden an Spielsachen, Mal-, Schreibwaren gesammelt und zudem für 500 Euro Material dazugekauft. Es sei schon ein Kraftakt gewesen, alles zu sortieren, gleichmäßig aufzuteilen und zu verpacken, erklärte Vorsitzende Redel. 10 Rollen Tesa und 80 Rollen Weihnachtspapier wurden dabei verbraucht. Miteinander wurden auch die 300 Päckchen im Anhänger verladen. In der Garage von Alexander Krauß stapelten sich ebenfalls die Weihnachtspäckchen fürs Ahrtal. 45 übergab der CSU-Ortsverband Ahorntal in der Fränkischen Schweiz. 20 weitere Päckchen holte Krauß von der Wirtschaftsschule Eschenbach ab, auch von Dortmund über Schleswig-Hollstein und Cottbus bis zum Schwarzwald trudelten welche ein. Neben der Belegschaft der Firma Lippold aus Weidenberg unterstützte auch der Motorradstammtisch Kellerluch aus Haidenaab-Göppmannsbühl die Spendenaktion. Nach Spendenaufrufen kam eine hohe Summe zusammen, mit der drei neue Waschmaschinen, Kühlschranke und Holzöfen sowie weitere Sachspenden und Päckchen für Kinder angeschafft wurden. Zudem konnte Kraus 1800 Euro an privaten Geldspenden für das Aktionsbündnis Für Kinder in Deutschland e.V. mitnehmen.

Falken packen bisher über 100 Päckchen für Kinder im Ahrtal

Speichersdorf
Mit Eifer und voller Stolz packten auch die Kleinen der Kindergartengruppen aus dem Birkenweg die Päckchen für die Kinder aus dem Ahrtal. Das Geld für die Päckchen haben sie bei einem Sponsorenlauf gesammelt. „Sie wollten einfach teilen – passend zu St. Martin“, meinte Leiterin Daniela Veigl.

"Das eigene Haus, die Schule oder den Kindergarten so zerstört zu sehen, ist für viele eine enorme psychische Belastung."

Alexander Krauß

 

 

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