23.09.2021 - 13:19 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Archaische Gesänge und Klänge mit dem estnischen Vokalensemble "Heinavanker" in der Klosterkirche Speinshart

Himmlische Stimmen, verbunden mit nordischem Zauber, an einem himmlischen Ort: Das ist Balsam für die Seelen der vielen Besucher in der Klosterkirche Speinshart. Verantwortlich dafür ist das estnische Vokalensemble "Heinavanker".

Mit langen Kutten – wie Mitglieder einer Klostergemeinschaft – hält das estnische Vokalensemble "Heinavanker" Einzug in die Klosterkirche Speinshart.
von Robert DotzauerProfil

„Oh Adam, deine Schuld hat unser Leben verdorben, die Sünde ist unser Erbe und unser aller Last“: Zwischen baltischen Runenliedern und westeuropäischer Polyphonie bewegte sich das Programm des estnischen Vokalensembles "Heinavanker". Die Sängergruppe aus einem Land, das sich Ende der 1980er Jahre mit der „Singenden Revolution“ seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erkämpfte, legte mit archaischem Gesang und geistlichen Liedern aus christlicher und vorchristlicher Zeit ein vielstimmiges Portrait vor.

Mündliche Überlieferungen haben die Runenlieder des baltischen Raumes über mehrere Jahrtausende geprägt und bewahrt. Sie in poetischen Bildern aus der germanischen Mythologie darzustellen und mit christlichen Traditionen und Glaubensinhalten zu verbinden, das war im barocken Rund der Klosterkirche der Ausgangspunkt für die Klangschätze aus dem Norden Europas. Homogen und stimmungsvoll „erzählte“ das Ensemble im Stil mittelalterlicher Gregorianik und uralter nordischer Bordunmusik von den Irrungen und Wirrungen der estnischen Seele, die heutzutage wieder an Lebenskraft gewinnt, wie auch das nationale Erwachen zeigt.

In langen Kutten wie Mitglieder einer Klostergemeinschaft auftretend, imponierten die zwei Sängerinnen und vier Sänger unter dem künstlerischen Leiter Margo Kolar bei dem mit "Terra Mariana“ überschriebenen Konzert mit einem erstaunlichen Stimmenpotenzial. Meisterhaft beherrschten die Vokalkünstler auch die Technik des sogenannten Obertongesangs. Mit Liedbeiträgen wie zum Beispiel „Die Schöpfung“, dem Runenlied „Soa ostimine“, dem „Magnificat“, „Wunderbare Heimstatt“, „Jesu Ausfahrt“ und dem „Salve Regina“ für zwei Dudelsäcke wurde das Programm zu einer einzigartigen Verneigung vor der Lebendigkeit der Folklore und des estnischen Volksliedes.

Der Name "Heinavanker", übersetzt „Heuwagen“, verdeutlicht den innigen Bezug zum fröhlichen, aber auch nachdenklichen Volksmusikgut. „Auf dem Heuwagen wird musiziert, ein Paar tanzt eng umschlungen. Ein Dämon und ein Engel versuchen, Macht über die Musiker zu gewinnen“, so die Symbolik. „Aber wir versuchen, auf der hellen, der himmlischen Seite zu stehen“, versicherte ein Ensemblemitglied.

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Speinshart

„Auf dem Heuwagen wird musiziert, ein Paar tanzt eng umschlungen. Ein Dämon und ein Engel versuchen, Macht über die Musiker zu gewinnen. Aber wir versuchen, auf der hellen, der himmlischen Seite zu stehen.“

Das Ensemble "Heinavanker" über seinen Namen

 

 

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