10.06.2019 - 10:35 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Barockes Musizieren als Quell der Freude

Bachsolisten nennen sie sich. In Speinshart bereichern "die Bamberger" das festliche Pfingstkonzert mit Werken weiterer berühmter Bach'scher Zeitgenossen. Umso strahlender und variantenreicher wird die abendliche Tafelmusik

Mit Musik des musikalischen Hoch- und Spätbarock beeindrucken am Pfingstsonntag die "Bamberger Bachsolisten" in der Klosterkirche Speinshart´.
von Robert DotzauerProfil
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Gibt es irgendwo noch Plätze? Eine spannende Frage am Abend des Pfingstsonntags in der Klosterkirche.Schließlich genossen gut 400 Besucher in einem mit besonderer Barockpracht überladenen „Festsaal Gottes“ eine sommerlich schwebende Konzertatmosphäre. Der Musikhimmel des Hochbarock war zu Pfingsten in Speinshart zu entdecken. Ein Pfingstwunder? Mitnichten! Bewundernswertes gab es dennoch.

Mit Harmonie in Vollendung zauberten Ursula Haeggblom (Flöte), Eva Sohni (Violine), Manfred Wengoborski (Violine), Claudia Hödl-Kabadaic (Cello) zusammen mit Georg Schäffner, dem Regionalkantor der Erzdiözese Bamberg und Organist in der berühmten Basilika in Gößweinstein ein musikalisches Kunstwerk nach dem anderen in das barocke Oberpfälzer Kirchenjuwel. Für das Publikum ein Erlebnis für alle Sinne, galt doch vor allem im Hoch- und Spätbarock die musikalische Sprache und Melodienbildung als einfühlsam und galant.

Zur Aufführung gelangte nicht nur ein Werk von Johann Sebastian Bach. Weitere Höhepunkte des atemberaubenden Musizierens bei perfekter Kommunikation der Akteure waren Kompositionen von Antonio Vivaldi, Ignatz Franz Biber und Georg Philipp Telemann. Den Konzertauftakt bildete das „Concerto A-Moll“ des Italieners Antonio Vivaldi. Von Bach selbst war nur die „Sonate A-Dur BWV 1032“ zu hören. Ein Quell der Freude, wie Ursula Haeggblom (Flöte) und Georg Schäffner am Cembalo mit einem Hauch zärtlicher und verträumter Klänge das Konzert bereicherten.

Mit einem harmonischen Gerüst barocker Musik entführten Violine, Cello und Cembalo dann in den musikalischen Farbenreichtum Böhmens. Das Ensemble thematisierte in der Marienkirche die „Rosenkranzsonate Nr. 14, D-Dur“ des Böhmen Heinrich Ignatz Franz Biber. Das Rosenkranzgebet zeichnet in 15 Mysterien das Leben Christi aus der Sicht Mariens nach. Das Werk des Abends bildete „Mariae Himmelfahrt“, dem wohl bedeutendsten Violin-Zyklus vor Bachs Sonaten und Partiten. Jede Sonate verfügt über eine individuelle Klangwelt durch unterschiedliche Saitenstimmungen. Eva Sohni und Claudia Hödl-Kabadaic meisterten in Begleitung von Georg Schäffner die Herausforderungen mit viel Feingefühl.

Als Ikone unter den Tonkünstlern spätbarocker Musik gilt Georg Philipp Telemann. Musikalisch gesehen war Telemann schon ein Europäer. Deutsches, Polnisches, Italienisches und Französisches mischte sich in seine Werke. Das gesamte Ensemble widmete sich am Sonntagabend Telemanns „Triosonate F-Dur“. Schließlich boten die „Bamberger“, alles Orchestermusiker der Bamberger Symphoniker, mit Telemanns „Tafel-Musik II – Quartett d-Moll“ all das, was das Herz eines echten Kammermusik-Liebhabers begehrt: Seliges Lauschen und andächtiges Innehalten. Ein Konzert, das die Zuhörerschaft mit einem emotionalen Klangteppich verzauberte. Für das meisterliche barocke Zusammenspiel bedankte sich das Publikum mit langanhaltendem Beifall. Eine Zugabe war Pflicht. Bei Klosterbier und Frankenwein setzte sich das „himmlische Vergnügen“ bei einer Begegnung in der lauschigen Atmosphäre des Kloster-Innenhofes fort.

Das Ensemble

Die „Bamberger Bachsolisten“ sind eine von Mitgliedern der Bamberger Symphoniker gegründete Kammermusikvereinigung. Sie entstand hauptsächlich aus dem Wunsch einiger Orchestermitglieder, die Werke Johann Sebastian Bachs im solistischen und kammermusikalischen Rahmen zu erarbeiten. Durch die positive Aufnahme des Publikums konnten sie in den letzten Jahren ihren Wirkungskreis erheblich vergrößern und spielen Konzert in ganz Deutschland. Aufgeführt werden neben den Werken Bachs aber auch die Werke seiner Zeitgenossen bis hin zur Klassik. Das Ensemble versucht, Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis auf ihren modernen Instrumenten umzusetzen und in ihre Spielweise zu integrieren. Unterstützt werden sie in ihrem Klangideal von einem Cembalo nach historischer Bauweise.

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