29.05.2019 - 10:52 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Bescheidene Adelige im Mittelpunkt

Einen intensiven Einblick in das Leben von Christa von der Schulenburg gewinnen die Besucher bei einem Vortrag in Speinshart. Der Oberpfälzer Bezug der Adelsfrau macht den Vortrag besonders interessant.

In einem ergänzenden Vortrag zur aktuellen Bilderausstellung von Werken der Gräfin Christa von der Schulenburg erläutert Nicole Richwald (unser Bild) von der Baensch-Galerie Bayreuth im Kloster Speinshart das Leben und Schaffen einer vermeintlich "vergessenen Künstlerin".
von Robert DotzauerProfil

Der Name "von der Schulenburg" hat in der Region einen besonderen Klang. Friedrich Werner Graf von der Schulenburg ließ zwischen 1936 und 1939 die Burg Falkenberg wieder aufbauen. Der Diplomat war von 1934 bis 1941 Botschafter des Deutschen Reiches in Moskau. Im Zusammenhang mit dem gescheiterten Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 wurde der Graf am 10. November 1944 in Plötzensee hingerichtet. Tochter Christa, 1906 geboren, verfügte schon als junge Künstlerin über eine außerordentliche Begabung als Pressezeichnerin. Für die Berliner Zeitung war sie als Porträtmalerin unterwegs.

Das sollte sich spätestens dann ändern, als der Vater Werner Graf von der Schulenburg zum deutschen Botschafter in Moskau berufen wurde. Christa von der Schulenburg begleitete ihren Vater auf seinen Reisen durch Russland. Auf diesen Reisen entstanden viele Zeichnungen von Menschen und Tieren. Auch bekannte Politiker, etwa den sowjetischen Diktator Stalin, porträtierte sie in dieser Zeit. Darüber berichtete bei einem Vortrag im Zusammenhang mit der aktuellen Ausstellung über die Werke „einer vergessenen Künstlerin“ Nicole Richwald von der Baench-Galerie Bayreuth.

Doch für die Oberpfälzer ist Christa von der Schulenburg keineswegs vergessen. Ihren Mädchennamen hat sie auch beibehalten, als die in Prag geborene Künstlerin 1941 nach ihrem Umzug nach Garmisch-Partenkirchen ihren späteren Ehemann Max Wolf Freiherr von Lindenfels kennen lernte und mit der Heirat 1941als Baronin von Lindenfels nach Schloss Wolframshof bei Kastl zog. Dort war die Adelsfrau als bescheiden lebende Persönlichkeit hoch geschätzt. Noch im hohen Alter unternahm sie täglich ausgedehnte Spaziergänge im Kemnather Land, versorgte ihre zahlreichen Tiere und widmete sich ganz selbstverständlich der Malerei. Die Künstlerin verstarb 1993 in Kemnath.

Christa von der Schulenburg verfügte über die außerordentliche Begabung, Eindrücke in sich aufzunehmen und sie in Zeichnungen und Bildern wiederzugeben, wusste die kundige Referentin, deren Vortrag in Kooperation mit der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart dazu beitragen sollte, den Blick auf die Kunstwerke der Verstorbenen zu vertiefen und den Stellenwert von Religion im Leben und Werk der Künstlerin zu illustrieren. Nicole Richwald verwies in einem Zentrum des Glaubens und der Begegnung unter anderem auf das Anliegen der Gräfin, sich mit der Darstellung religiöser Themen zu befassen. Deshalb steht auch der Stellenwert des Glaubens im Dialog mit der Glaubensgeschichte im Zentrum der ausgestellten Arbeiten in Öl und Aquarell. Die Bilder stellte Christiane von Sobbe, eine Großcousine Christa von der Schulenburgs, zur Verfügung.

Info:

Öffnungszeiten

Die Arbeiten von Christa von der Schulenburg sind bis einschließlich 30. Juni an allen Sonn- und Feiertagen zwischen 13.30 und 17 Uhr im Kreuzgang des Klosters Speinshart zugänglich. Außerhalb dieser Zeiten ist eine Besichtigung auf Anfrage (09645/60193601) möglich. (do)

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