31.03.2019 - 10:44 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Ein Bettenhaus und ein Institutsträger sollen es richten

Eine vom Förderverein in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zeigt: Speinsharts Kulturbetrieb hat große Potentiale, braucht aber viel Geld, um infrastrukturell und inhaltlich besser dazustehen. Zwei Szenarien sind besonders bemerkenswert.

Der Nebel zur Zukunft des Klosters Speinshart lichtet sich: Ein Fachbüro stellte nun seine Pläne vor.
von Robert DotzauerProfil

Die Generalsanierung des Klosters ist zur Zufriedenheit aller abgeschlossen, und der Betrieb der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart (IBS) läuft bestens. So lautet die gängige Meinung. Doch es knirscht im sanierten Gebälk der Abtei. Die Jahresschlussbilanzen der IBS weisen Defizite auf. Provisor Pater Andreas spricht von einem Minus in sechsstelliger Höhe. Was muss sich also ändern, damit Speinshart zukunftsfähig bleibt? Diese Frage beschäftigt die Gemeinschaft der Chorherren ebenso wie den Förderverein um Vorstand Georg Girisch.

Letzterer lud zur Jahreshauptversammlung. Die Veranstaltung ist gut vorbereitet. Doch die Routine trügt. Am Samstag stand im Musiksaal des Klosters ein Stück Zukunft der „Speinshart-Saga“ auf der Tagesordnung. Die Mitglieder des Fördervereins fragten sich: Welchen Wandlungsprozess wird es geben? Welche Handlungsfelder und Maßnahmenpläne sind daraus abzuleiten? Antworten soll eine Machbarkeitsstudie geben, die im Auftrag des Fördervereins „Actori“ aus München angefertigt hatte und die Bildungsstättenleiter Thomas Englberger den Vereinsmitgliedern vorstellte. Die gute Nachricht: Die Begegnungsstätte ist demnach lebensfähig und hat großes Potential. Aber die Finanzdecke sei schmal, Vieles funktioniere nur, weil sich Menschen mit Leidenschaft für die Veranstaltungen engagieren.

„Es kann nicht so weitergehen“, hieß es deshalb hinter den Klostermauern. Um Strukturen und Organisationsabläufe zu verbessern, brauche es weiterer Großinvestitionen und ein Alleinstellungsmerkmal, so die Analyse. Sieben Szenarien prüfte das Fachbüro: von der Jugendbegegnungsstätte über ein Zentrum der deutsch-tschechischen Begegnung und eines „Auszeit-Domizils“ bis hin zu einer wissenschaftlichen Einrichtung auf ihre Machbarkeit. Nach Vergleichen mit ähnlichen Einrichtungen in ganz Deutschland blieben nur zwei realistische Projektideen übrig: der Tagungs- und Kulturbetrieb sowie der Aufbau einer wissenschaftlichen Begegnungsstätte. Die Ausgestaltung beider Projektideen sei allerdings mit gewaltigen Investitionen verbunden.

Vorgeschlagen wird die Erweiterung der Bettenkapazitäten und damit verbunden ein großer Veranstaltungsraum bei zu erwartenden Groß-Tagungen. Als Beispielszenarien nennt "Actori" die Vermietung an große Tagungsgruppen, an Hochschulen, kirchliche Gruppen und ganz speziell an Hochzeitsgesellschaften.

Die Vorschläge zeigen zudem Auswirkungen auf den Gastronomiebetrieb. Die Fallbeispiele reichen bis zur Intensivierung des Regelbetriebes des Klostergasthofes einschließlich der Einrichtung einer Satellitenküche. Einher geht dieses Konzept mit baulichen Nachbesserungen zur Erweiterung der Bettenkapazität. Die Gutachter schätzen die Kosten der Baumaßnahmen auf zirka 7,4 Millionen Euro. Der zusätzliche Personalbedarf führt zu einem Betriebskostendefizit von etwa 100.000 Euro jährlich. Auch ohne Erweiterung rechnet das Fachbüro mit Verlusten. Schon im Fallbeispiel des „Best-Case“ sei eine schwarze Null unrealistisch, so die Berechnungen der Experten.

Ebenso neugierig war die Versammlung auf die Vorstellung des Alternativmodells. Für „Actori“ durchaus realistisch ist in Speinshart der Aufbau einer wissenschaftlichen Begegnungsstätte für Künstliche Intelligenz. Als Szenario denken die Gutachter an die Entwicklung einer Austauschplattform für Wissenschaftler mit internationaler Strahlkraft. Auf die Kostenfaktoren eingehend verweisen die Experten auf hohe staatliche Fördermöglichkeiten und das Interesse von Großunternehmen und Hochschulen, einen solchen Standort zu generieren. Das erfolgreiche Konzert- und Ausstellungsprogramm werde dadurch nicht beeinträchtigt. Die Kosten der Bauoptimierungen schätzen die Gutachter auf 10 Millionen Euro.

Trotz ergänzender Infrastruktur-Einrichtungen und damit verbunden deutlicher Umsatzsteigerungen sei die Einbindung neuer Partner ein Muss, heißt es schließlich im 172-seitigen Wälzer. Als künftige „Mitstreiter“ denkt das Fachbüro an die Gewinnung neuer „Ankermieter“ und an einen öffentlichen Träger.

"Es kann nicht so weiter gehen. Die Defizite des Tagungs- und Kulturbetriebes sind von einem kleinen Kloster auf Dauer nicht zu schultern", sagt Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart.
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Mehr Betten ein Muss, der Rest ist zu diskutieren

In der kurzen Diskussion waren sich die Versammlungsteilnehmer einig: Der Schlüssel der IBS-Zukunft liegt in der Erweiterung des Bettenangebotes. Als Mitglied der Lenkungsgruppe fasste Hermann Ott zusammen: „Die Gefahr des Verlustszenarios ist realistisch.“ Der Bankdirektor plädierte deshalb für ein klares Zielbild mit Einbindung aller Fördermöglichkeiten. Provisor Pater Andreas Hamberger bestätigte: „In der Studie spiegelt sich unsere Minusbilanz wider“. Die Klostergemeinschaft sei für Verluste im sechsstelligen Bereich nicht flüssig. Alle Blicke richten sich nun auf die öffentlichen Hände.

Landtagsabgeordneter Tobias Reiß kündigte auf landespolitischer Ebene Gespräche mit möglichen Einrichtungen an. Professor Andrea Klug, Präsidentin der OTH Amberg-Weiden, begeisterte sich für die zukunftsfähigen Gutachter-Vorschläge: „Ein tolles Konzept mit innovativer Ausrichtung.“ Fördervereinsvorsitzender Georg Girisch befand: „Wir sind mit unseren Überlegungen zum Ausbau der Bettenkapazitäten auf dem richtigen Weg“, während Bürgermeister Albert Nickl die Reinform des Gutachtens als gewagt betrachtete. Jeder Vorschlag ende allerdings mit der Empfehlung baulicher Erweiterungen. Schon jetzt will der Landkreis die IBS zur Deckung der laufenden Unterhaltskosten nicht in Stich lassen. Im Namen von Landrat Andreas Meier signalisierte Albert Nickl die Unterstützung des Landkreises mit jährlich 35.000 Euro zur Minderung des Tagungsstätten-Defizits.

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