23.04.2019 - 13:11 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Bombastische Osterfreude

"Mit Pauken und Trompeten": Diese Redensart steht auch für Mächtigkeit und Spielfreude. Und wenn solche Dynamik ein funkensprühendes musikalisches Feuerwerk entfacht, kann dieses Spezial nur von "Bavarian Brass" stammen.

Eingebunden in die barocke Freude glänzt Organist Walter Thurn an der Königin der Instrumente mit himmlischen Klängen.
von Robert DotzauerProfil
Christoph Günther zeigt sich als Wirbelwind am Marimbaphon.

Bei frühsommerlichen Temperaturen wählten viele "Emmausjünger" die Klosterkirche als Ziel ihres Osterausflugs. Dort war am Ostermontag ein Konzert mit den „glorreichen Sechs“ angesagt. So kam es, dass bei einem noch nie dagewesenen Besucherandrang die festlichen Klänge von Orgel, Trompeten, Fanfaren, Pauken und Marimbaphon schon 15 Minuten vor dem offiziellen Beginn zu genießen waren. "Bavarian Brass" vermittelte dabei überschwängliche Osterfreude.

Dem Sextett glückten dabei programmatische Volltreffer. Einer der Schwerpunkte der musikalischen Reise ging zurück in das 16. Jahrhundert zu Zeiten Heinrichs VIII. Schon der wirkungsvolle Beginn mit einer Komposition des englischen Königs, dargeboten von Langtrompeten, Landsknecht-Trommeln und Walter Thurn an der Orgel, erreichte orchestrale Klangfülle.

Diese Mächtigkeit sollte sich während der zirka 75-minütigen Konzerts nicht ändern. Ein musikalisches Feuerwerk nach dem anderen prasselte auf die Besucher nieder. Mit Georg Friedrich Händels „Music for the Royal Fireworks“ kam auch ein adäquates Werk zum Osterfest zum Klingen.

Ein glänzend aufgelegter Walter Thurn brillierte anschließend als Solist an der Königin der Instrumente. Bei Johann Sebastian Bachs "Sinfonia" aus der Kantate „Wir danken dir, Gott, wir danken dir“ erfüllten die schmeichelnden Töne der Orgel mit besonderer österlicher Festlichkeit das barocke Kirchenschiff.

Hingerissen lauschte das Publikum auch den Solostücken von Christoph Günther auf dem Marimbaphon, einem ursprünglich afrikanischen Instrument. Mit „Romantica“ und Robert Schumanns „Träumereien“ gelangen Günther mit seiner sensibel-kreativen Gestaltungskunst hinreißende Kabinettstücke. Der einzigartige warme, runde und zugleich volle Klang dieses Instruments verlieh dem Osterkonzert unvergleichlich schöne meditative Momente. Eine Zugabe musste deshalb einfach sein.

Bei "Bavarian Brass" dominiert die Kunst des Arrangierens. So bewies Ensembleleiter Benjamin Sebald mit einer Bearbeitung des Gitarrenkonzerts von Joaquin Rodrigo und drei Chorwerken des walisischen Komponisten Karl Jenkins Fingerspitzengefühl mit den verschiedensten Trompeten in Verbindung mit dem Klangspektrum des Schlagwerks. Seit vielen Jahren hat das Sextett die Fanfarenstöße der Trompeten des belgischen Komponisten Nicolas Jacques Lemmens im Programm. Beim Osterkonzert galten sie dem auferstandenen „König der Könige“. Die brausende Orgel und die Pauken unterstützten das spektakuläre Tongemälde. Fast schon an große Filmmusik erinnerten weitere Stücke.

Hingerissen von der bombastischen Musik erlebten die Zuhörer eine weitere Steigerung zum Abschluss des Konzerte. In einer Bearbeitung von Benjamin Sebald griffen die Trompeter bei „Conquest of Paradise“ noch einmal virtuos in ihre Ventile, um sich dann der zunächst moll-schweren, später sich feierlich steigernden „Henry-Maske-Hymne" im Bolero-Rhythmus zuzuwenden. Die sechs Musiker entfachten dabei ein Finale, das ein Vielfaches an Mitwirkenden auf der Empore vermuten ließ.

"Bavarian Brass" gelang erneut ein hinreißender Auftritt. Stehende Ovationen der Besuchermassen bewegten zu drei Zugaben. Das Ensemble feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen. Darauf verwies Walter Thurn als Sprecher der Gruppe. Am 15. September 2019 kommen die Musiker erneut nach Speinshart, um dann im Innenhof des Klosters ein Jubiläumskonzert zu geben.

Das Konzert von "Bavarian Brass" am Ostermontag in der Klosterkirche Speinshart hat schon Tradition. Das Ensemble begeistert dort erneut die Besuchermassen. Viele Zuhörer finden keinen Sitzplatz mehr.

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