20.04.2020 - 10:48 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Fit in den Frühling mit „Hildegard“

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Schon Hildegard von Bingen wusste, was wir essen sollten, um gesund zu bleiben. Die frühere Hauswirtschaftsmeisterin des Klosters Speinshart, Johanna Eisner, kann die ganzheitliche Wirkung der dieser Medizin auf Körper und Seele bestätigen

Johanna Eisner kennt sich mit der Lehre der Hildegard von Bingen aus.
von Adele SchützProfil

Sie war christliche Mystikerin, Universalgelehrte, Prophetin und Künstlerin - und damit eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters. Die Rede ist von Hildegard von Bingen. Ihre Leistung liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte und das Himmlische mit dem Irdischen zu verbinden suchte.

Zur damaligen Zeit wusste sie schon: „Äußere Schönheit kommt von innen” und verwies dahingehend auf den Zusammenhang zwischen seelischem Wohlbefinden und körperlichem Wohlsein. Hildegard befasste sich intensiv mit der Wirkung von Nahrungsmitteln, Kräutern und Gewürzen auf die Gesundheit, die sie der Nachwelt in zahlreichen Werken hinterließ.

Eine besondere Rolle spielt Hildegard im Bereich der Medizin. Ihre Erkenntnisse sind auch heute, nach 900 Jahren, noch aktuell. Ziel ihrer Heilkunde ist es, den Menschen zum umfassenden Heilwerden zu führen. Für ihre Zeitgenossen war sie ein Wunder, sodass sich Päpste, Kaiser, Könige und das einfache Volk scharenweise von ihr beraten ließen.

Maß halten als Grundprinzip

Zur Gesundheit gehörte nach ihrer Erkenntnis in allererster Linie eine sinn- und maßvolle Lebensführung. Ihr Wissen erhielt Hildegard von Bingen aus göttlichen Visionen von Kindheit an, die sie in ihrem ersten großen Visionsbuch Scivias „Wisse die Wege“ festhielt.

Die ehemalige Hauswirtschaftsmeisterin des Klosters Speinshart, Johanna Eisner aus Kemnath Stadt, hat sich bereits vor rund 30 Jahren der Lehre der Hildegard von Bingen verschrieben, sich mit dieser intensiv auseinandergesetzt und ihr eigenes Leben danach ausgerichtet. Demnach kann sie die ganzheitliche Wirkung der Hildegard -Medizin auf Körper, Geist und Seele nur bestätigen.

Ihre Erfahrungen gibt Eisner in Vorträgen, Kräuterführungen, Fasten- und Kochkursen weiter. „Mir liegt sehr am Herzen, die ‚Hildegard-Medizin‘ weiterzuverbreiten, denn darin verbirgt sich uraltes und wertvolles Wissen um die Gesunderhaltung von Körper und Geist und damit ein ungeahnter Schatz für den Menschen“, lässt Eisner wissen.

Die Hildegard-Expertin betont: „Hildegard vertrat eine ganzheitliche Lehre, die die Gesundheit von Körper, Geist und Sinn als voneinander abhängig betrachtet.“ Die Erhaltung des menschlichen Wohlergehens basiere laut Eisner im Wesentlichen auf einer gesunden Lebensführung und dem Wissen um das rechte Maß in jeder Hinsicht, insbesondere aber bei der Ernährung.

Die Ernährung sei laut Eisner bei Hildegard das beste Heilmittel: „In einer ausgewogenen Ernährung sah diese die Möglichkeit, die Abwehrkräfte zu steigern und Krankheiten vorzubeugen“.

Einteilung nach "Heilwert"

Bei der Ernährungslehre nach Hildegard von Bingen geht es weniger um eine Vitamin- oder Mineralstofflehre, sondern um die positiven Eigenschaften der Lebensmittel in ihrer Gesamtheit. In der so genannten Subtilitätslehre nach Hildegard werden die Lebensmittel nach ihrem „Heilwert“ für die Menschen eingeteilt.

Sie erklärte, dass die Ernährungslehre Hauptnahrungsmittel als Universalheilmittel kenne. Im Gegensatz zur traditionellen Küche setzt die Hildegard-Küche statt auf Weizen auf Dinkel als Hauptgetreide. Laut Eisner sei ungekreuzter Dinkel vollwertig, leicht verträglich und gut verwertbar - was diesen zu einem gesunden Basislebensmittel mache. Auch eigne sich Dinkel als Aufbaunahrung für Kinder, Energiespender für Sportler und zur Stärkung für schwache Menschen.

Dinkel als "Super-Food"

In der Hildegard-Küche finde der Dinkel in den unterschiedlichste Speisen Verwendung - von Brot und Mehlspeisen über Suppen mit Dinkelgrieß bis hin zu Dinkelreis und Dinkelnudeln oder Dinkelkaffee.

In der Hildegard-Küche sei das Hauptgemüse Fenchel, der täglich als Tee, Gemüse oder Samen genossen den Magen stärke, die Verdauung reguliere und die Gesundheit stabilisiere. Als Hauptbaum gelte bei Hildegard die Edelkastanie mit ihren Früchten gegen jede Art von Schwäche. Die Hauptgewürze in der Hildegard-Küche seien laut Eisner Galgant, Quendel und Bertram.

„Die antibakterielle Wirkung der Galgantwurzel beugt Entzündungen vor, das Quendelkraut hilft gegen Verschleimung und das Bertrampulver vertreibt alles Schlechte aus dem Körper". Aus medizinischer Sicht gelte als Universalheilmittel unter den Kräutern der Wermut, unter den Tieren der Dachs und unter den Metallen und Steinen Gold.

Wenn auch Hildegard selbst die Bezeichnung „Küchengifte“ – ein Begriff, den der Hildegard-Kenner Dr. med. Hertzka einführte - nicht verwendete, so wusste diese um die ungesunde Wirkung auf den Menschen. Dazu zählte Hildegard Erdbeeren, Pfirsiche, Pflaumen und Porree. Grundsätzlich lehnte Hildegard auch Rohkost in Form von Nahrung ohne Zusätze und ohne Gewürze sowie ungegarte Speisen ab.

Kräuter spielen in der Ernährung nach Hildegard von Bingen eine wichtige Rolle.

Welches Kraut darf's sein?

In der Hildegard-Küche findet auch ein reicher Schatz an Kräutern Verwendung, die je nach Gericht und Geschmacksrichtung zum Einsatz kommen können und teils auch medizinische Bedeutung haben: Quendel, Bertram und Galgant (wie bereits erwähnt), Bärwurz zur Blutreinigung, Bachminze zur Verdauungsförderung, Beifuß zur Durchblutung des Magens oder Zwergbohnenkraut gegen Entzündungen.

Hinzu kommen harntreibender Estragon als Mineralstoffquelle, Flohsamen als Salbung des Darms von innen, Salbei zur Entgiftung, Gartendill gegen Gicht- und Rheumabeschwerden, Diptamwurzel zur Herzstärkung, Unterstützung des Blutflusses und gute für Cholesterinwerte sowie weiter Krauseminze zur Magenerwärmung und zur Unterstützt der Verdauung, Kubebenpfeffer für ein fröhliches Gemüt, klares Denken und bessere Gehirnleistung.

Ebenso setzte Hildegard auf Kreislauf anregenden Rosmarin, Mariendistel und Ysop zur Unterstützung der Leber, Süßholzwurzel für ein gutes Gemüt, Tausengüldenkraut zur Knochenstärkung, auf die beruhigende Zitronenmelisse und Zimt zur besseren Zuckerverdauung. Weiter empfiehlt Hildegard naturbelassenen Rohrzucker, Steinsalz, Weinessig und Sonnenblumen-, Kürbiskern- oder Walnussöl sowie Butter.

Die erste Mahlzeit bitte warm

Johanna Eisner hat noch grundsätzliche Ernährungstipps nach Hildegard von Bingen: Die erste Mahlzeit sollte warm sein, alle anderen Speisen ebenfalls gekocht, gegart und gebraten. Gesunde könnten ruhig erst später frühstücken oder diese Mahlzeit sogar ausfallen lassen. Ansonsten würden zwei bis drei Mahlzeiten am Tag ausreichen. Zu den Mahlzeiten dürfe getrunken werden. Nach dem Essen tue ein Spaziergang gut.

Sie empfiehlt, mit einem warmen Habermus mit Dinkelschrot, Honig, Galgant, Bertram, Zimt und gehackten Mandeln sowie einem geriebenen Apfel plus Flohsamen und Zitronensaft in den Tag zu starten. Ein wohlschmeckendes Gericht zum Mittag und zur Abrundung des Tages sei eine gute, warme Suppe. Auch das entspreche laut Eisner der Ernährungslehre der Hildegard.

Um Krankheiten vorzubeugen oder den Gesundungsprozess zu unterstützen, empfehle laut Eisner Hildegard, spezielle Entgiftungskuren zu machen. Aderlass, eine Wermutwein-Kur im Mai, eine Wasserlinsenwein-Kur im Hebst oder eine Hildegard-Fastenkur im Frühjahr würden einen wichtigen Beitrag leisten, um den Körper von Schlacken zu befreien.

Abschließend richtete Johanna Eisner noch einen Blick auf die Tugendlehre der Hildegard, die 35 Tugenden und Laster kenne. Hier riet Eisner, die Tugenden zu stärken und an den Lastern für ein ausgeglichenes Seelenleben zu arbeiten.

Ein weiterer Text aus unserer Familienzeitung "Abenteuer Familie": Eine spirituelle Wanderung durch den Hirschwald

Ensdorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.