04.05.2021 - 08:23 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Freilaufender Hund reißt Rehwild: Jäger aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN appellieren an Hundehalter

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Rehrisse sind für Jagdpächter Thomas Walter aus Speinshart schon fast trauriger Alltag. Doch es ist nicht immer der böse Wolf, der damit für Aufregung sorgt. Hundehalter sind mitunter gefordert.

Ein wildernder Hund ließ dem Reh im Tremmersdorfer Jagdrevier von Thomas Walter keine Chance.
von Robert DotzauerProfil

Für Jagdpächter Thomas Walter ist es in letzter Zeit schon das dritte Reh, das durch einen freilaufenden Hund gehetzt und gerissen wurde. Für den Speinsharter aus dem Ortsteil Höfen ist zwar nachvollziehbar, dass das schöne Wetter der vergangenen Tage und die Einschränkungen in Coronazeiten die Menschen in die freie Natur locken.

Nicht akzeptabel ist für ihn jedoch das Verhalten mancher Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner im Grünen frei streunen lassen. Der Pächter des Jagdbogens "Tremmersdorf Ost" musste wieder einmal ein schreckliche Eindeckung machen: Der Jäger fand in seinem Revier ein einjähriges Kitz, von einem wildernden Hund gejagt und zu Tode gebissen.

Dass die Flucht vor dem Hund vergeblich gewesen sei, bewies der Jäger am Ort des Geschehens in einem Waldstück zwischen Tremmersdorf und Eschenbach. Das wiederholte Ansprechen von Hundehaltern, ihre Vierbeiner bei Spaziergängen und „Gassi-Runden“ im Jagdrevier anzuleinen, sei leider "für die Katz'", bedauert Walter.

Der Jagdpächter appelliert deshalb an die Hundebesitzer, ihre Tiere in der Natur jederzeit unter Kontrolle zu halten und gegebenenfalls anzuleinen. „In jedem noch so braven Haushund steckt von Natur aus ein angeborener Jagdtrieb. Das kann gerade jetzt im Frühjahr für das Wild tödlich ausgehen, wie der Vorfall zeigt“, erklärt Thomas Walter.

Waldwege und Wildruhezonen meiden

Dabei geschehe das Totbeißen von Jungwild oftmals, ohne dass Herrchen oder Frauchen davon etwas mitbekommen, während die Hunde scheinbar friedlich herumtollen. Als Anwalt des Wildes ermahnt Walter, der selbst Hundeführer ist, eindringlich die Hundehalter, Waldwege und Wildruhezonen zu meiden oder ihre Vierbeiner in diesen Bereichen anzuleinen.

Diese Verhaltensregeln gehörten zu den selbstverständlichen Pflichten, betont der Waidmann ergänzend und verweist in diesem Zusammenhang auf Vorgaben im Bayerischen Jagdgesetz. Gleichzeitig kritisiert er fehlende Verordnungen der Gemeinden zur Leinenpflicht von Hunden.

Die Verwaltungsgemeinschaft Eschenbach versucht es stattdessen mit Aufklärung. Erst jüngst erhielten alle Hundehalter eine Information mit Verhaltensregeln. „Tragen Sie ihren Teil dazu bei, das Image von Hunden zu verbessern“, heißt es in einem Rundschreiben, in dem die Hundebesitzer auf ihre Pflichten und Aufgaben hingewiesen werden.

Das Infoblatt enthält zwar in erster Linie Tipps zur Sauberhaltung öffentlicher Wege und Flächen, von Futterwiesen und Grünanlagen sowie zur Entsorgung von Hundekot. Für die Hundebesitzer unmissverständlich enthält das Informationsblatt aber auch weitere Freilauf- und Verhaltensregeln für ihre Vierbeiner einschließlich Hinweisen zu den Anleinpflichten.

Wild im Dauerstress

Genutzt hat das bisher jedoch anscheinend wenig. „Ich bin manchmal fassungslos“, sagt Hans Höller. Der Jagdpächter der städtischen Eigenjagd im Eschenbacher Bürgerwald klagt zwar weniger über Hetzjagden durch freilaufende Hunde. Doch das Wild befinde sich durch nicht angeleinte Vierbeiner im Dauerstress – manchmal ein Todesurteil für das heimische Rehwild.

Auch Höller beobachtet eine rasante Zunahme der Hundebesitzer: „Kommt ausnahmsweise ein Spaziergänger ohne Hund, hat der Nächste gleich zwei dabei.“ Und ein weiteres Problem macht dem Waidmann Stress: „Waldlehrpfad, Holzweg, Waldkindergarten, Friedwald, Gewerbegebietserweiterungen, Reiter, eine für den Jagdpächter teure Wildschadensbilanz, Jogger und Radlfahrer Tag und Nacht: Da macht die Jagdausübung kein Vergnügen mehr."

Freilaufende Hunde in den Jagrevieren sind auch für Norbert Ferstl ein großes Thema. Als Vorsitzender der Kreisgruppe Eschenbach im Bayerischen Landesjagdverband macht er sich allgemein ebenfalls große Sorgen um die Unruhe in den Revieren.

Als Mitursache verweist der Waidmann auf die Corona-Pandemie. In dieser Krise sei eine deutliche Zunahme der „Hundeliebhaber“ zu beobachten. „Ein Problem nach der Krise“, wie Norbert Ferstl befürchtet: „Dann nämlich werden viele Tiere ausgesetzt.“

Hinzu komme die Unart von Hundebesitzern, ihren Vierbeinern in Wald und Flur freien Lauf zu lassen. Jäger und Hunde, das gehöre eigentlich zusammen, stellt Ferstl klar. Doch leider hätten nicht alle Hundehalter ihre Tiere unter Kontrolle.

Dann komme es zu solchen Attacken wie in der Tremmersdorfer Jagd geschehen. Weitere konkrete Vorkommnisse dieser Art sind Ferstl allerdings nicht bekannt: Die Jagdpächter regelten solche Probleme intern, sagt er.

Oftmals merke der Revierinhaber den Wildfrevel auch gar nicht: Wenn den Kadaver der Fuchs hole oder das totgebissene Wild vom Hundebesitzer eiligst versteckt oder verscharrt werde. Eine klare Straftat, wie Ferst deutlich macht.

Wer Hunde in einem Jagdrevier „unbeaufsichtigt“ frei laufen lasse, begehe zudem laut Bayerischem Jagdgesetz eine Ordnungswidrigkeit, das mit einem hohen Bußgeld belegt werden könne. Passiere es trotzdem, habe der Jäger die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen den wildernden Hund zu erschießen.

Gleichzeitig warnte Ferstl alle Jagdberechtigten vor diesem letzten und radikalsten Schritt, weil dann der Ärger mit dem Hundehalter und ein oftmals langwierigen Rechtsstreit programmiert seien. Der BJV-Kreisgruppen-Vorsitzende rät stattdessen nach den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit zu anderen Wegen der Problemlösung: „Feststellen, Gespräche führen und erst dann bei fehlender Einsicht Strafanzeige stellen.“

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Friedenfels
Norbert Ferstl, Vorsitzender der Kreisgruppe Eschenbach im Bayerischen Landesjagdverband.
Hintergrund:

Das Bayerische Jagdgesetz

  • Abschnitt XI des Bayerischen Jagdgesetzes enthält Ahndungsvorschriften. In Artikel 56 geht es dabei um Ordnungswidrigkeiten. Eine Geldbuße kann danach zu zahlen sein in diesen Fällen:
  • "Wer ohne Begleitung oder schriftliche Erlaubnis des Revierinhabers aufsichtslosen Hunden oder Katzen mit der Schusswaffe nachstellt oder solche erlegt": bis zu 5000 Euro. (Abs. 1, Nr. 11)
  • "Wer trotz Aufforderung des Berechtigten Jagdeinrichtungen nicht verlässt." (Abs. 2, Nr. 7)
  • "Wer trotz Abmahnung durch den Berechtigten die Jagdausübung dadurch vereitelt, dass er, ohne die Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft auszuüben, das Wild vergrämt." (Abs. 2, Nr. 8)
  • "Wer Hunde in einem Jagdrevier unbeaufsichtigt frei laufen lässt." (Abs. 2, Nr. 9)
  • "Wer vorsätzlich oder fahrlässig an Orten, an denen ihm die Ausübung des Jagdrechts nicht zusteht, Besitz an lebendem oder verendetem Wild oder an Fallwild und Abwurfstangen sowie Eiern des dem Jagdrecht unterliegenden Federwildes erlangt und diese Gegenstände nicht binnen drei Tagen entweder dem Revierinhaber oder der nächsterreichbaren Polizeidienststelle abliefert oder den Sachverhalt anzeigt." (Abs. 2, Nr. 12a)
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Gerhard Reil

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04.05.2021