In der Gemeinderatssitzung verwies Bürgermeister Albert Nickl auf die bewährte Nutzungsordnung im Gemeindezentrum, bevor er dem Gremium ähnliche Formulierungen für das „Haus 23“ und die Wieskapelle vorschlug. „Es geht nicht ums Geld verdienen“, stellte der Sitzungsleiter klar. Eine defizitäre Entwicklung sei schon wegen der Zweckbestimmung zu erwarten. Dennoch sei die Gemeinde gehalten, wenigstens teilweise eine Kostendeckung für den Unterhalt der Gebäude zu erreichen.
Bevor sich der Bürgermeister zu seinen Gebührenvorschlägen äußerte, erinnerte er an die vielen Vorteile der Nutzung wie die moderne Kücheneinrichtung und die WC-Anlage im Nebengebäude. Auch die "Wohlfühlatmosphäre" in den urigen Räumen spiele bei der Gebühreneinschätzung eine Rolle. Als Beispiel verwies Nickl auf die „Generalprobe“ beim Weinfest der Feuerwehr-Festdamen. Der Gemeindechef wertete seine Vorschläge zudem nur als Einstieg und Probelauf. „Immerhin wollen wir das Haus der Dorfkultur mit Leben erfüllen“, sagte er. Gleichzeitig versicherte er die Absicht, nicht zu einer Konkurrenz für den Klostergasthof zu werden. Auf die WC-Diskussion eingehend verwies er auf die Toilettenanlage im Gasthof. Die sei auch als öffentliches WC ausgewiesen. Für Trauergäste bei Beerdigungen versprach Nickl wegen der Nähe zum Friedhof eine Öffnung des Pissoirs im Nebengebäude des Hauses der Dorfkultur.
Nach einem intensiven Austausch mit seinem Stellvertreter Roland Hörl und VG-Mitarbeiter Christopher Neukam legte der Bürgermeister dem Gremium einen Gebührenvorschlag vor, der sich mit Blick auf die Vereine vor allem an der Gewinnausrichtung orientiere. Als Standartgebühr steht in der Auflistung eine Pauschale von 150 Euro je Veranstaltung für das Haus der Dorfkultur. Bei einer zusätzlichen Nutzung der Wieskapelle beträgt die Gebühr 250 Euro. Strom und Heizung würden nach Verbrauch abgerechnet. Die Endreinigung sei Angelegenheit des Veranstalters. In dem nicht brauereigebundenen Kulturtempel sollen auch Familienfeiern zugelassen werden. Die Gebühr beträgt 150 Euro. Für Betriebsfeiern und Hochzeiten wird eine Pauschale von 250 Euro erhoben.
Relativ bescheiden seien dagegen die Nutzungsgebühren für Bildungsveranstaltungen. Ein Vortragsabend soll 50 Euro kosten. Auf Nachfrage von Barbara Müller versicherte der Bürgermeister, dass der 50-prozentige Nachlass bei Veranstaltungen der Volkshochschule weiter gelte. Werden standesamtliche Trauungen in der Wieskapelle gewünscht, muss das Brautpaar 100 Euro berappen. 100 Euro beträgt auch die Standartgebühr bei Ausstellungen.
Auf Unverständnis stießen die Vorschläge bei Christian Höllerl. Als Feuerwehr-Kommandant machte er sich zum Sprachrohr der Vereine und stellte fest: „Wir haben kein Wirtshaus, sondern ein Haus der Dorfkultur.“ In dieser Funktion bewertete er eine Nutzungsgebühr bis zu 250 Euro als vereinsschädigend. „Da fehlt jedem Verein die Motivation zu gesellschaftlichen Veranstaltungen.“ Dagegen verwies zweiter Bürgermeister Roland Hörl auf die vielen Ausgaben, die ein Verein ohne die Räume des Hauses als Vorleistung berappen müsse. „Schon eine Zeltmiete und ein Toilettenwagen kosten schon mehr“, bemerkte Hörl und erinnerte zudem an die Vor- und Nacharbeiten der Gemeinde. Hörl warf auch einen Blick auf die Gemeinschaftshallen in Tremmersdorf und Münchsreuth. Dort hätten Vereine die Projekte mitfinanziert. Unterstützung erhielt der zweite Bürgermeister von Gabi Müller: „Im Vergleich zu den Nebenkosten bei einem Catering bleibt der Gebührenvorschlag im Rahmen.“ Während Barbara Müller für einen höheren Beitrag bei standesamtlichen Trauungen plädierte, empfahl Josef Rupprecht bei Fremdnutzungen strenge Kontrollen.
Vor einem direkten Vergleich mit den Gebühren für das Gemeindezentrum warnte der Bürgermeister. „Dort greift eine Getränkeprovision.“ Schließlich billigte der Rat gegen die Stimmen von Barbara Müller und Christian Höllerl die „vorläufige“ Nutzungs- und Gebührenordnung für das Haus der Dorfkultur und für die Wieskapelle.













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