04.08.2020 - 16:20 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Mit dem Herzen hören: Das 70. Festival junger Künstler Bayreuth

Für das Festival junger Künstler Bayreuth soll es der Sommer der Liebe werden. Trotz Coronakrise senden die Akteure Wellen der Liebe durch die Wagnerstadt und die Region – auch nach Speinshart.

Zum 70-jährigen Bestehen des Festivals junger Künstler Bayreuth organisiert Kulturmanagerin und Intendantin Dr. h.c. Sissy Thammer einen "Summer of Love", so das Festival-Motto.
von Robert DotzauerProfil

Es ist ein Jubiläumsjahr: Seit 70 Jahren fördert das Festival junger Künstler Nachwuchsmusiker. Daran soll auch die Corona-Pandemie nichts ändern. Unter dem Motto „Summer of Love“ begannen am Freitag, 31. Juli, die Jubiläumsfestspiele mit Hunderten von Teilnehmern aus mehr als 40 Nationen.

Allerdings ist die „neue Normalität“ eher eine traurige Angelegenheit: „Eine Umarmung, ein bisschen Liebe und Sehnsüchte, all das fehlt in einer Zeit der Perspektivarmut“, sagt der langjährige Festspielleiter und Musikwissenschaftler Dr. Vladimir Ivanoff. Die Sorgenfalten des renommierten Arrangeurs mehren sich: Die Welt habe sich ins Negative verändert, bedauert Ivanoff.

Doch einfach aussitzen oder gar aussetzen geht nicht, betont auch Intendantin Dr. h.c. Sissy Thammer. Die Kulturmanagerin hat zu keinem Zeitpunkt daran gedacht, das beliebte Event ausfallen zu lassen. „Wir sind anders als die Richard-Wagner-Festspiele ein Workshop-Festival“, betont sie. „Das heißt, Musikstücke werden eigens für das Festival komponiert und erstmals aufgeführt.“ „Wir stellen uns diesen Herausforderungen“, sagt die resolute Intendantin, die seit 1986 das Festival leitet und auf Weltniveau führte.

Das Programm sei erst recht zum Jubiläum ein Betrag zur europäischen Integration und zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts. „Den Titel unseres Veranstaltungsreigens haben wir deshalb ganz bewusst gewählt“, merkt Sissy Thammer an. „Wir möchten nicht die Ära der Hippie-Bewegung glorifizieren, sondern Zuneigung und Menschlichkeit in den Mittelpunkt stellen – und das erst recht in Zeiten von notwendiger Distanz.“ Thammer verweist auf den Spagat, Musikgenuss mit Bevölkerungsschutz zu vereinbaren.

Wie soll das funktionieren? Mit dem „Summer of Love“ startete das älteste Festivaltreffen Europas mit Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 5: ein Leuchtturmprojekt, das trotz Corona-Pandemie als Online-Folk-Orchestra stattfand. Insgesamt sind es in einem verkürzten Zeitraum bis 14. August 50 Konzerte, Veranstaltungen und Open-Airs, die in Bayreuth und in der Region aufgeführt werden.

Das „Band-Camp“ ist ein solches Leuchtturmprojekt der Festival-Akademie. Es befasst sich musikalisch mit dem Sommer der Liebe mit Reisen in unerreichbare Orte. Mitwirkende sind unter anderen Abdalhadi Deep und Laila Mahmoud aus Syrien. Zu den weiteren musikalischen Höhepunkten zählen die Orff-Werkstatt, Richard Wagners „Kinder, schafft Neues“, Schlagwerk- und Kompositions-Workshops sowie das Sommerkomödien-Spektakel „Das kleine Welttheater“.

Aufgrund der beschränkten Reisefreiheit kommen allerdings nur junge Menschen nach Bayreuth, die mit einem Stipendium in Deutschland leben und arbeiten. Für das Orff'sche Jubiläums-Mammut-Werk „Prometheus“ sah die Intendantin allerdings keine Chance. Die Verschiebung auf das nächste Jahr verband Thammer mit den Hinweis auf den speziellen Workshop. Ein Festival in Corona-Zeiten bedeutet für das Organisationsteam ein „Fünf-Säulen-Programm“ mit einem digitalen Schwerpunkt.

Trotzdem wünschte sich Thammer auch einige Höhepunkte für das treue regionale Publikum. Stimmungsvolle Musik in einem gefühlvollen Ambiente, "etwas fürs Herz", schwebte der Intendantin vor. Dazu gehört „Musik über den Wolken“ mit Melodien zwischen Klassik, Chanson und Pop sowie eben die Online-Projekte. Nicht vergessen werden auch die Festspielkinder mit „Education-Workshops“ und das Bildungsprojekt für junge Kulturmanager.

"Vorsicht – Liebe und Leidenschaft" heißt es auch bei einem Gastspiel junger Musiker in Speinshart. Waren es im Vorjahr im Klosterdorf 13 Sommerkonzerte im Zuge des Festivals junger Künstler, so beschränkt sich die Livemusik heuer nur auf einen Konzertnachmittag: Am Sonntag, 9. August, gastiert das „Mellon Ensemble“ mit dem „Streichsextett in d-Moll“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky – Titel „Souvenir de Florence“ – in der Klosterkirche. Corona bedingt ist nur eine begrenzte Zuhörerschaft zugelassen. Das Konzert ist deshalb bereits ausgebucht. Es können keine weiteren Platzreservierungen angenommen werden.

Mehr über die Speinsharter Sommerkonzerte

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