12.03.2019 - 12:38 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Himmelsboten im Kloster

Die barocken Heerscharen an Engeln in der Klosterkirche Speinshart verbreiten eine spektakuläre Atmosphäre. Zu diesen Himmelsboten gesellen sich seit kurzem im Kloster reizvolle Engelsskulpturen, die Spuren der Natur tragen.

Der Abenteuergeist lässt das Künstlerpaar Bärbel und Horst Kießling aus Marktredwitz viel reisen. Mit großer Wahrnehmungskraft entdecken sie dabei an den Küsten Islands Schwemmholz, aus dem prachtvolle Engelsskulpturen entstanden
von Robert DotzauerProfil
Neugier, Wahrnehmen und auf den zweiten Blick die Natur sichtbar machen: Daraus eröffnen sich neue künstlerische Perspektiven, die bei der Ausstellung "Zeit für Engel" im Oberen Konventgang des Klosters Speinshart zu bestaunen sind.

Es ist eine großartige Hommage an die übernatürlichen Wesen, die an einem stürmischen Sonntagnachmittag im Oberen Konventgang des Klosters eröffnet wird. Eröffnet von Thomas „Engel“-berger, dem Leiter der Internationalen Begegnungsstätte, zeigt die Ausstellung Engelsfiguren aus isländischem Schwemmholz, das Bärbel und Horst Kießling auf Reisen über die nordische Insel gefunden haben und das sie zu einer intensiven Schaffensperiode anregte.

Schon die einführenden Worte Engelbergers "beflügelten" im wahrsten Sinne des Wortes. Der Leiter der Bildungsstätte zitierte aus Psalm 29: „Der Gott der Herrlichkeit donnert, der Herr über großen Wassern.“ Er fand den Vers passend zum Eröffnungsrahmen: Während draußen die Sturmböen um die Klostermauern tobten, erinnere die Ausstellung an die Größe und Herrlichkeit Gottes in der Natur. Auch die Engel gehörten zu Gottes Stimme, sagte Engelberger.

Und diese geflügelten Wesen verbreiten im Oberen Konventgang überirdische Stimmungen. Verdanken sind sie einer Kunst, die bewegt. „Wir möchten Menschen anregen, sich mit Fantasie der Kunst anzunähern und in einer zweiten tieferen Ebene Werke entdecken und sichtbar machen“, erklärte Horst Kießling den vielen Besuchern der Vernissage, musikalisch umrahmt mit Klassik pur.

Der Abenteuergeist lässt die Kießlings viel reisen. Mit wachen Augen gehen sie sehend und sichtend durch die Welt. Wagemutig schritten sie an die Grenzen ihres Daseins, wie Bärbel Kießling in ihrem Vorwort zur Präsentation verriet: Nur mit viel Glück und Rettern, die offenbar durch Gottes Fügung zur rechten Zeit an der richtigen Stelle - einem sonst menschenleeren Strand in den Weiten der isländischen Küste - beherzt eingreifen, verdankt das Ehepaar sein Leben. Daraus wird eine starke Erinnerungskultur. "Aus dieser Geschichte heraus mussten einfach Engel als Retter, Mittler und Boten werden", fügte Horst Kießling hinzu.

Die Island-Reisen beflügelten zu einer wagemutigen Objektkunst, die berührt, begeistert und bewegt. Aus dem Beinahe-Unglück wurden Visionen und Unikate mit engem Bezug zum nordischen Inselstaat, dessen spektakuläre Landschaft durch Vulkane, Geysire, Thermalquellen und unendliche Lavafelder geprägt ist - und eben durch rauhe Küstenabschnitte, an denen es viel zu entdecken gibt.

Aus diesen Entdeckungen stammt die Kunst der Kießlings. Inspiriert von der Landschaft, den Farben und der Ursprünglichkeit schufen sie Skulpturen, die den ganzen Zauber und die Urkraft des Eilands einfangen. Aus den vor Ort gewonnenen Gefühlen wurde die Kunst, das Besondere der Landschaft mit übernatürlichen Wesen darzustellen. „Zeit für Engel“, heißt deshalb auch das Motto der Ausstellung - mit der Besonderheit, dass sich das Künstlerpaar vorwiegend mit Treibholz beschäftigt, das nach langer „Seereise“ den Weg vom sibirischen Jenissei-Zufluss in das Polarmeer durch Meeresströmungen nach Island fand.

"Nicht immer müssen Engel Flügel tragen", auch darauf wies das Künstlerehepaar aus Marktredwitz hin. So entstand aus Wurzelwerk und Vulkangestein eine Vielfalt an Kreationen bis hin zum gepeinigten Christus am Kreuz. Die aufwendigen handwerklich-gestalterischen Arbeiten faszinieren. Der Struktur des Holzes folgend entwickelten die Kießlings Objekte, die Betrachten, Entdecken und Meditieren anregen müssen.

Auch Arbeiten aus Keramik finden Aufmerksamkeit. Überhaupt beeindruckt das international anerkannte Künstler-Duo mit einer großen Technik-Vielfalt, die sich nicht durch Grenzen festlegen lässt.

Die Arbeiten sind bis zum Ostermontag, 22. April, an allen Sonn- und Feiertagen zwischen 13.30 und 17 Uhr im Oberen Konventgang der Internationalen Begegnungsstätte zugänglich. Außerhalb dieser Zeiten ist eine Besichtigung auf Anfrage unter Telefon 09645/60193601, möglich.

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