24.05.2021 - 09:42 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Hunde in Speinshart sollen in freier Natur an die Leine

Der Ärger mit freilaufenden Hunden in der Landschaft ist weit verbreitet. Nach dem Rehriss durch einen wildernden Hund bei Speinshart erreicht das Thema den Gemeinderat.

Jagdpächter Thomas Walter versucht es an den Wegen zu seinem Jagdrevier in Tremmersdorf mit einer Gedächtnisauffrischung für alle Hundebesitzer: "Hunde an die Leine" heißt es auf den Hinweisschildern.
von Robert DotzauerProfil

Raus aus der Wohnung und hinein in den Wald, um auch dem Hund Auslauf zu gönnen. Ein vierbeiniger Freund in den weitläufigen Wäldern könne niemand stören, denken sich viele. Man hat ja bei Gefahr für Mensch und Wild genug Zeit, das Tier wieder zu sich zu rufen.

Doch Bello tollt manchmal nicht einfach in der Gegend herum. Mit seinem Jagdtrieb wird er zur Gefahr für Wildtiere. Das kann Konsequenzen haben. Über Sanktionen diskutierte der Speinsharter Gemeinderat. Hintergrund war ein Rehriss durch einen wildernden Hund in einem Jagdrevier auf Gemeindegebiet.

„Hetzjagen wildernder Hunde auf Rehwild häufen sich. Appelle zum Anleinen der Hunde genügen nicht mehr“, sagte Holger Götz. „Der Jäger schließt nicht mehr aus, die Pacht mit der Jagdgenossenschaft zu beenden.“

Zweiter Bürgermeister Roland Hörl beobachtet schon seit längerem, dass die Jägerei zunehmend unattraktiver werde. "Die Unruhe in Wald und Flur nimmt durch das Freizeitverhalten der Bevölkerung zu.“ Auch die Verunreinigungen durch Hundekot seien besonders für die Landwirte ein Ärgernis. Überlegenswert sei eine Kostenbeteiligung der Hundebesitzer an den laufenden Reinigungskosten. Mit der Hundesteuer allein sei der Arbeitsaufwand der Gemeinde nicht zu decken.

"In der Zwickmühle sitzen die Kommunen", resümierte Bürgermeister Albert Nickl. Der Ärger mit freilaufenden Hunden sei verständlich. Auseinandersetzungen zwischen Grundstückseigentümern, Hundebesitzern, Jägern, Spaziergängern und Naturfreunden seien an der Tagesordnung. Umso komplizierter sei die Rechtslage. Der Bürgermeister klärte auf: "Nicht möglich ist zum Beispiel eine generelle Hundeanleinverordung der Gemeinde." Zu differenzieren sei zwischen dem Innerortsbereich und dem Außenbereich der „freien Natur“. Nickl verwies auf Auskünfte des Bayerischen Gemeindetages und des Landratsamtes.

Demnach gebe es Ermächtigungsmöglichkeiten der Gemeinden, zur Verhütung von Gefahren für Leben, Gesundheit, Eigentum oder zur öffentlichen Reinheit das freie Umherlaufen von großen Hunden oder Kampfhunden mit einer Schulterhöhe ab 50 Zentimeter einzuschränken. Das sei aber nur innerhalb geschlossener Ortschaften denkbar. Eine solche Einzelfallanordnung müsse demnach auch ein Flächenangebot für Nichtanleinbereiche beinhalten.

Das Gesetz erlaube den Revierinhaber im Rahmen des Jagdschutzes, wildernde Hunde zu töten, verwies der Bürgermeister auf Sanktionsmöglichkeiten nach dem Bayerischen Jagdgesetz auf. Als wildernd gelte der Hund, wenn er erkennbar dem Wild nachstelle und dieses gefährden könne. Der Jagdpächter sei in solchen Situationen sogar verpflichtet, den wildernden Hund zu erschießen. „Ordnungswidrig handelt nach den Vorschriften des Bayerischen Jagdgesetzes auch, wer Hunde in einem Jagdrevier unbeaufsichtigt frei laufen lässt.“

Nickl appellierte an alle Hundebesitzer, mit ihren Vierbeinern so umzugehen, dass sie sowohl für Menschen wie auch für Wildtiere keine Gefährdung darstellen. Der Rathauschef empfahl hinaus, die Halter von freilaufenden Hunden anzusprechen und/oder der Gemeinde zu melden. Diese Vorgehensweise schlugen auch Robert Kausler und Gabi Scherl vor. "Ein grundsätzliches Problem mit viel Theorie", merkte der Haselbrunner Gemeinderat und Vollerwerbslandwirt Josef Rupprecht an. In der Praxis könne der Landwirt, der Jäger oder auch der Spaziergänger einen frei umherlaufenden Hund keinem Halter zuordnen.

Speinshart

"Hetzjagen wildernder Hunde auf Rehwild häufen sich. Appelle zum Anleinen der Hunde genügen nicht mehr."

Gemeinderat Holger Götz

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