20.10.2020 - 12:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Konzert von "The Twiolins" ein musikalisches Fest in der Klosterkirche Speinshart

Was haben Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla gemeinsam? Wie reagieren die "Vier Jahreszeiten", wenn sie mit Tangos durchsetzt werden? "The Twiolins" nehmen sich dieser Fragen an und kreieren dabei gleich acht Jahreszeiten.

Vivaldis "Vier Jahreszeiten" treffen auf Tangos von Astor Piazzolla. So werden für "The Twiolins" – die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler – aus den üblichen vier acht Jahreszeiten.
von Robert DotzauerProfil

Der Frühling stand am Sonntag ganz im Zeichen der Engel. In der Klosterkirche strahlten die vielen Engelsskulpturen und -stukkaturen auf das erwartungsfrohe Publikum herab – so, als wollten sie im kalten Kirchenraum verkünden: "Denkt an die Frühlingsgefühle."

Der Sommer erfuhr bei dem einstündigen Gastspiel der „Twiolins“ viel Melancholie und Mystik, Herbststimmung verbreitete die Tiefe der barocken Sätze und auch das winterliche Zähneklappern war bei etwas Fantasie herauszuhören. Deshalb ging die musikalische Reise mit dem Tango Argentino rasch Sehnsüchten und Leidenschaften entgegen, immer der Wärme und Sonne folgend.

Selbst Musikbegeisterte, denen Klassik so gar nicht gefällt, kennen die zentralen Themen der „Vier Jahreszeiten“. Das 1725 von Antonio Vivaldi geschriebene Werk aus vier jeweils dreisätzigen Konzerten und die Tangos von Astor Piazzolla standen im Mittelpunkt eines besonderen Musiknachmittags mit exzellenter Besetzung. Die beiden Geigenvirtuosen aus Mannheim, von keiner Genregrenze aufzuhalten, entfesselten in einer neuen kammermusikalischen Version ungekannte Kreativitäten.

Das Geschwisterduo Marie-Luise und Christoph Dingler wagte sich mit nur acht Saiten – zwei Geigen beziehungsweise Geige und Bratsche – an die Werke. Im barocken Kleinod Speinsharts wirkte diese Besetzung akustisch überzeugend. Getrost konnten die Besucher auf Orchesterbesetzung verzichten.

„Wer sich auf diese Musik einlässt, erfährt den Charakter der Menschen“, befand Christoph Dingler. Die berühmten Melodien wurden von dem Geschwisterduo durch Beschreibungen des außermusikalischen Inhalts in Sonettform vorangestellt, was den Zugang zu den „acht Jahreszeiten“ noch erleichterte.

Intervention und Harmonie befanden sich deshalb im ständigen Wettstreit. Ob im Allegro oder Largo der Violinkonzerte aus dem op. 8 von „La Primavera“, Vivaldis „L'Estate“ oder „L'Autunno“: Süßes Gemurmel eines Bächleins hörte man, Blitz und Donner, schlafende Hirten, surrende Fliegen, säuselnden Wind und fliehendes Wild – die Fantasie kannte keine Grenzen. Ein Presto und Adagio, Piano und Forte ohne Vorwarnung, wie im wirklichen Leben, und vorgetragen mit ungeheurer instrumentaler Präsenz.

Abwechselnd vertieften Piazzollas Tangos die Stimmung aus Vivaldis faszinierendem und lebendigen Bilderbogen. Ein überaus reiches Klangspektrum stand zwischen diesen Tonmalereien auf dem Programm des Duos.

Mehr aus der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart

Speinshart

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – und jede Menge Tango, hieß es bei der Stückeauswahl. Mit spürbarer Lust an den wilden, ungezähmten Klängen der temperamentvoll sehnsüchtigen "Milonga en Re", „La Muerte del Angel“, „Resurriccion del Angel, „Oblivion“ und „Mi Exaltacion“ ging die musikalische Reise bis nach Buenos Ares, der Wahlheimat Astor Piazzollas.

Mit ihren eigenen "Vier Jahreszeiten" setzten die Violinen dem Pionier des Tango Nuevo und dem argentinischen Lebensgefühl ein Denkmal. In die Erhabenheit der Klosterkirche zauberten die Saiten-Virtuosen ein musikalisches Fest des Besonderen, das einen Sturm der Begeisterung auslöste, egal ob man sich im ersten, zweiten oder dritten Frühling wähnte.

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