24.05.2019 - 12:30 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Mords Mopeds

Motoren zerlegen, Rost lösen, nach Original-Ersatzteilen stöbern: Für Simon Seitz aus Münchsreuth gibt es nichts Schöneres. Der 16-Jährige schraubt in jeder freien Minute an seinen Oldtimer-Mopeds - mit einem besonderen Ziel.

von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Hinter alten, knorrigen Scheunentoren mitten in Münchsreuth bei Speinshart verbirgt sich das Reich von Simon Seitz. Auf drei Stockwerken verteilen sich in dem Schupfen circa 25 Mopeds, die meisten aus den 1950er und 60er Jahren. Zündapp, Simson, Hercules, NSU Quickly, Victoria Avanti - sie alle stehen da. Auf vielen liegt noch der Staub, sie funktionieren nicht - noch nicht. Dazwischen stapeln sich Ersatzteile, sortiert nach Marken. Der 16-Jährige hegt seine Schätzchen, lackiert und poliert sie, tauscht Schläuche aus und versucht beim Restaurieren stets, Original-Ersatzteile in der Original-Farbe einzubauen. Doch das ist gar nicht so einfach. "Die kriegt man oft gar nicht mehr", erzählt der Jugendliche von seinem Hobby, für das viel Geduld und Leidenschaft nötig ist. "Die Liebhaber wollen Mopeds im Originalzustand und keine neuen. Denn dahinter steckt immer eine Geschichte", erklärt der Münchsreuther, der sich in dieser motorisierten Welt gut auskennt. Er träumt sogar davon, in der Scheune irgendwann ein kleines Museum zu eröffnen und mit anderen Liebhabern dort fachzusimpeln.

Das meiste Wissen über Mopeds hat sich der 16-Jährige selbst beigebracht. "Er hat viel im Internet nachgelesen und Youtube-Videos angeschaut, in denen Menschen Mopeds zerlegen", erzählt Papa Wolfgang Seitz stolz. Begonnen hat die Leidenschaft aber mit dem Moped des Opas. "Ich habe ihn zwar nicht mehr kennengelernt", bedauert Simon. Doch eine Verbindung zu seinem Opa wird er trotzdem immer haben - eine mit Motor. 25 Jahre lang stand die rote Honda Camino in der Garage der Oma. Sie war nicht mehr fahrbereit. Simons Onkel und er richteten das Moped, das 1982 zugelassen wurde, gemeinsam her. So entdeckte der damals 14-Jährige seine Liebe zu Oldtimer-Mopeds. Trotz der vielen anderen Gefährte, die er mittlerweile hat, ist das Erbstück des Opas auch immer noch sein Lieblingsmoped. Mit ihm düst er auf dem Gelände der Eltern am liebsten herum.

Moped passt in Koffer

Doch auch kuriose Schmuckstücke gibt es in Simons Sammlung. Ein Camping-Moped aus dem Jahr 1995 zum Beispiel. Der Motor der Di Blasi knattert, als Simon kräftig in die Pedale tritt, um die Maschine anzulassen. Benzin-Geruch liegt in der Luft. "Wenn man's zusammenklappt, kriegt man's in einen Koffer", beschreibt der 16-Jährige die Besonderheit des kleinen Mopeds, dessen Reifen im Vergleich zu den anderen winzig sind. Sie sehen aus wie die eines Schubkarrens. 45 Kilometer pro Stunde fährt das Gerät, sagt der Münchsreuther und hupt. Das Geräusch erinnert an lautes Enten-Gequake - ein besonderes Moped eben. "So eine Spezialtasche, in der das Moped verstaut wird, habe ich leider keine", sagt er. Aber das könne ja noch werden.

Denn der Jugendliche hat sich in den vergangenen Jahren ein Netzwerk aus anderen Oldtimer-Fans aufgebaut. Dort oder auf Oldtimermärkten findet er dann auch das ein oder andere noch fehlende Original-Ersatzteil, das er braucht, um die Maschine zum Laufen zu bringen. Bis er es endlich gefunden hat, kann es aber schon mal eine Weile dauern. "Deshalb habe ich meist zwei bis drei Projekte gleichzeitig." Eins davon ist momentan eine NSU Quickly aus dem Jahr 1955. Das Blech ist verrostet und verbeult, Simon will es wieder herrichten. "Die Quickly ist aus einem Fahrrad entstanden. Das waren damals die Anfänge des Mopeds", erzählt der 16-Jährige. Und tatsächlich sieht das Moped mit dem Gepäckträger, Sattel und Gestell einem Fahrrad noch recht ähnlich. Nur einen Motor hat es zusätzlich noch.

Scheune mit Aufzug

Eine der Nachfolger-Maschinen, die NSU Quickly TT/K, die nur sechs Jahre später auf den Markt kam, sieht schon ganz anders aus. "Es ist eigentlich nichts gleich geblieben außer der Motor", sagt Simon und zeigt auf das Moped, das im Stadel zwei Stockwerke über dem Vorgänger-Modell steht. Es gehört zu den eher seltenen Mopeds in seiner Sammlung. Nur rund 12 000 Stück seien davon in Deutschland produziert worden. Ein Liebhaber zahle da schon mehrere Tausend Euro. Das Moped bekommt Simon mit Hilfe eines Aufzugs in den oberen Teil der Scheune. Diesen haben er und sein Vater extra für diesen Zweck umgebaut. Durch die Luke wurde früher Heu nach oben transportiert, berichtet der Jugendliche, "jetzt sind es eben Mopeds".

Der 16-Jährige ist auch immer auf der Suche nach neuen Oldtimern oder Ersatzteilen, die er noch nicht hat. Besonders reizt ihn dabei das Design. "Jedes Mal, wenn man ein Moped anschaut, entdeckt man wieder etwas Neues." Seine Leidenschaft für Mopeds geht sogar so weit, dass Simon in Gedanken zweieinhalb Stunden lang einen Motor zerlegt, um sich die Zeit bei einem Gottesdienst in Polen zu vertreiben. Für den 16-Jährigen gibt es eben nichts Schöneres.

Info:

Kontakt

Simon Seitz sucht weiterhin alte Mopeds, aber auch Ersatzteile. Kontakt mit dem Münchsreuther kann gerne per E-Mail unter seitzsimon1[at]gmail[dot]com aufgenommen werden.

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