19.02.2020 - 15:06 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Renaturierung: Pläne stoßen zunehmend auf Kritik

Die ökologische Umgestaltung der Creußen bewegt die Tremmersdorfer. Dabei mehren sich die Zeifel an der Umsetzbarkeit der Renaturierungspläne. Auch Bürgermeister und Gemeinderat rümpfen die Nase.

von Robert DotzauerProfil

Bürgermeister Albert Nickl demonstrierte zwar in der Sitzung des Gemeinderats Kompromissbereitschaft. Doch gleichzeitig stellt er in einem Brandbrief an das Wasserwirtschaftsamt Weiden Bedingungen.

Sorgen bereiten dem Gemeindechef - und mit ihm auch vielen Anliegern mit Wasserrechten, dem Anglerverein und der Feuerwehr - die kühnen Vorstellungen angesichts von zwei Wasserläufen und weiterer Detailplanungen. Im Forderungskatalog der Gemeinde stehen die Wahrung der Anlieger-Interessen, die Sicherstellung der Löschwasserversorgung, die Wasserversorgung der Mühlbach-Anlieger, die Berücksichtigung der Abwasserproblematik, die Pflege der Uferzonen, der Erhalt des Ortsbildes und die Vermeidung eines Wassergrabens mitten durch den Festplatz der Feuerwehr.

Zweifelhaft erscheint dem Bürgermeister die provisorische Lagerung des Schlammes an den Flussrändern. „Mit den starken Niederschlägen landeten die zwischengelagerten Sedimente im Mühlbach“: ein Unding, wie Nickl anmerkte. Er berichtete von einem Ortstermin und schloss sich den Befürchtungen der Tremmersdorfer an: „Der ökologische Umbau löst keine Probleme.“ Angesichts der Erfahrungen beim jüngsten Hochwasser fordern die Betroffenen eine Entsorgung des Schlammes.

Einen Wiedereinbau der Fluss-Sedimente auf geeigneten Grundstücksflächen in der Umgebung von Tremmersdorf außerhalb der landwirtschaftlichen Nutzung hält der Bürgermeister für möglich. Diese Vorgehensweise komme jedenfalls deutlich billiger als der geplante Millionenaufwand, erklärte er. Nickl zweifelte auch an den Feststellungen zur Schwermetallbelastung der Sedimente. Die Überschreitung der Grenzwerte sei mit den geogenen Verhältnissen zu erklären. Eine teure Entsorgung als Sondermüll sei deshalb finanziell verschwenderisch.

Um das Thema zu versachlichen, hielt der Bürgermeister eine Diskussionsrunde für unumgänglich. Dazu kündigte er Arbeitsgruppen mit den Anliegern, dem Fischereiverein und der Feuerwehr an. Dazu eingeladen seien auch Wasserwirtschaftsamt und Planungsbüro. Bereits vereinbart sei ein Gesprächstermin in den nächsten Monaten. Dann treffen sich Behördenvertreter und Planer mit den privaten Interessens- und Vereinsvertretern sowie dem Gemeindechef vor Ort zu einer Gesprächsrunde.

Ein Feuerwehrlöschfahrzeug ohne Fahrer – das geht gar nicht. Die Speinsharter Wehr treibt deshalb die Sorge um genügend Lkw-Führerschein-Inhaber unter den aktiven Brandschützern um. Kommandant Christian Höllerl sieht zwar derzeit kein Problem: „Wir haben im Moment genügend Lkw-Fahrer.“ Das Problem sei jedoch, dass derzeit fast kein Feuerwehrler den Lkw-Führerschein aus beruflichen Gründen brauche. Doch ab dem 50. Lebensjahr und dann alle 5 Jahre sei eine Führerschein-Verlängerung mit einhergehender ärztlicher Untersuchung fällig, erläuterte der Kommandant. Er nannte Gesamtkosten von jeweils circa 200 Euro.

Höllerl gab zu bedenken, dass mit jeder Nichtverlängerung eines Lkw-Führerscheines der Wehr ein potenzieller Fahrer verloren gehe, und empfahl eine Kostenübernahme durch die Gemeinde in Absprache mit der Wehr. Mit dieser Problematik setzte sich nun auch der Gemeinderat auseinander, verglich sie mit den Regelungen in den Nachbargemeinden und beschloss nach kurzer Diskussion, für aktive Feuerwehrkameraden die Kosten der Führerschein-Verlängerung zu übernehmen. Voraussetzung ist jeweils die positive Stellungnahme des Kommandanten.

Interessant erschienen den Räten Kleinprojekte des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) im Zuge des sogenannten Regionalbudgets für Kommunen auf der Basis des ILE-Programmes. Im Kooperationsraum Vierstädtedreieck interessiert sich die Gemeinde Speinshart für eine Förderung der Organisation und Realisierung des Kloster- und Gemeindejubiläums (875 Jahre). Der Bürgermeister kündigte ein Programm mit vielen kulturellen Höhepunkten an und sah im Regionalbudget des ALE eine Fördermöglichkeit, etwa für Werbungskosten, Kostümverleih, Bühnen und vieles mehr.

Dem ILE-Kooperationsraum stehen insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. Förderfähig sind Kleinprojekte mit Gesamtkosten bis 20.000 Euro. Die Zuschusshöhe beträgt 80 Prozent. Die Auswahl der Projekte trifft ein speziell zu bildendes Gremium. Nickl sah eine große Chance, diese Mittel anzuzapfen und empfahl eine Antragstellung.

Einstimmig billigten die Räte die Initiative des Bürgermeisters, ebenso den weiteren Vorschlag, aus dem Regionalbudget die Förderung eines zweiten Kleinprojekts an Land zu ziehen. Dabei geht es um die Neugestaltung des Dorfplatzes in Dobertshof. „Das Projekt passt genau in das Förderschema“, urteilte der Gemeindechef. Voraussetzung sei allerdings ein Planungskonzept. Für den Auftrag dazu gab das Gremium Nickl grünes Licht.

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