Jahrhundertelang galten die Heerscharen des Osmanischen Reiches als Bedrohung. Nun heißt es wieder, die Türken kommen. Der Sturmangriff auf die Festspielstadt Bayreuth und die Region ist musikalischer Natur. Das Festival junger Künstler sieht sich mit seinem interkulturellen Programm als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident.
Dieser lebendige Raum offenbart sich am Freitagabend in Speinshart mit einer sensationellen Konzertkultur. Magische Musiken, so auch der Konzerttitel, betören das Publikum in der vollbesetzten Klosterkirche. Über 70 junge Leute des Turkish National Youth Philharmonic Orchestra „eroberten“ den Altarraum. „Musik kennt keine Grenzen“, befand auch Elisabeth Fichtner der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart. Das Orchester unter Leitung von Cem Mansur aus London definierte diese Zielsetzung mit einer bemerkenswerten musikalischen Mischung.
Mächtig schon der Auftakt, als das Orchester beim Vorspiel zu Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ in die stimmungsvolle Klangwelt des Komponisten einführte. Ein emotionales Stück, dem Tiefes und Poetisches mit Kontrabass Büsra Basoglu beim Melodrama aus einer Fantasie aus der Oper „La Sonnambula“ (Der Schlafwandler) von Giovanni Bottesini folgte. Mit „Havanaise“ von Camille Saint-Saëns ging es musikalisch in die Welt kubanischer Rhythmen, elegant, schwungvoll und melancholisch zugleich, die Nil Ipek Sabi mit virtuosen Violinpassagen bereicherte.
Ungarische Elemente imponierten schließlich in Maurice Ravels Konzert-Rhapsodie „Tzigane“. Mit „Ma mère l’Oye“, einem weiteren Stück aus Ravels märchenhaften Klanggemälden, zelebrierte das mächtige Ensemble stimmungsvoll den Besuch eines farbenprächtigen Feengartens. Mit viel Gefühl verwandelte das Orchester diesen Zauber zu betörend süßen Brückenschlägen.
Wann immer von der „Weltsprache der Musik“ die Rede ist: In Speinshart bewiesen die jungen türkischen Künstler die verbindende Kraft dieser interkulturellen Verständigung zwischen Orient und Okzident mit hinreißender Musik. Ein magischer Abend, der sich bei der anschließenden Begegnung im Innenhof des Klosters bei Klosterbier und Klosterwein fortsetzte.













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